Raumsonde: Asteroidensonde Hera auf Kurs zu ihrem Ziel

Mitte März führte die Europäische Raumfahrtagentur ESA das letzte große Schubmanöver für ihre Asteroidenmission Hera durch. Dabei wurden insgesamt 123 Kilogramm an Hydrazin verbraucht, einem hochreaktiven Treibstoff, der wegen seiner Giftigkeit nur noch in speziellen Bereichen wie der Raumfahrt eingesetzt wird. Die Geschwindigkeit von Hera änderte sich so um ganze 367 Meter pro Sekunde (1320 Kilometer pro Stunde). Damit ist die Sonde nun auf direktem Kurs zu ihrem Ziel, dem Doppelasteroiden Didymos/Dimorphos, den sie im November 2026 erreichen soll. Mit dem Schubmanöver trat Hera auch endgültig in die Ebene der Umlaufbahn des Asteroidenpaars um die Sonne ein, die 3,4 Grad gegenüber der Erdumlaufbahn geneigt ist. In den nächsten Wochen und Monaten bis zur Ankunft wird Hera noch mit mehreren kleineren Korrekturen ihren Anflug präzisieren.
Im Zielbereich angekommen, beginnt eine dreiwöchige Annäherungsphase, bei welcher der Doppelasteroid mithilfe der Fernerkundungsinstrumente erfasst wird. Im November soll Hera dann in eine Umlaufbahn eintreten – wobei man hier eher von einem Formationsflug sprechen kann. Der Hauptkörper Dimorphos ist nur etwa 780 Meter groß, sodass sein Schwerefeld praktisch vernachlässigbar ist. Hera muss daher aktiv gesteuert werden, um im unmittelbaren Umfeld verbleiben zu können. Beide Himmelskörper sind eher lose Ansammlungen von Felsbrocken und feinerem Material. Sie werden daher auch als Schutthaufen (englisch: rubble piles) bezeichnet.
Dimorphos, beziehungsweise Didymos, waren bereits das Ziel der NASA-Raumsonde DART, die im September 2022 gezielt mit dem etwa 170 Meter großen Asteroidenmond kollidierte. Dieser bewegt sich in einem Abstand von 1200 Metern um den Hauptkörper und benötigt für einen Umlauf rund zwölf Stunden. Der Einschlag von DART hinterließ einen Krater, den Hera nun genauer untersuchen soll. Zudem verringerte sich durch die Kollision die Umlaufzeit von Didymos um Dimorphos um rund 33 Minuten. Mit Hera will die ESA herausfinden, wie stark Didymos durch den Einschlag der Raumsonde verändert wurde. Dafür sollen auch zwei Tochtersonden von je etwa der Größe eines Schuhkartons ausgesetzt werden, die gemeinsam mit ihrer Muttersonde beide Himmelskörper simultan erkunden können. Zu einem späteren Zeitpunkt ist geplant, dass beide sanft auf der Oberfläche von Didymos aufsetzen. Hera soll bis mindestens Juni 2027 den Doppelasteroiden erkunden, eine Missionsverlängerung ist durchaus denkbar.
Didymos und Dimorphos umrunden die Sonne in 2,11 Jahren auf einer stark elliptischen Bahn mit einer Exzentrizität von e = 0,38. Der mittlere Abstand zur Sonne beträgt 1,64 Astronomische Einheiten, also das 1,64-Fache der Distanz von der Erde zur Sonne. Dabei kann sich das Asteroidenpaar uns bis auf etwa sechs Millionen Kilometer annähern – das entspricht rund dem 16-fachen Abstand zwischen Erde und Mond. Trotz dieser aus kosmischer Sicht vergleichsweise geringen Distanz stellen die beiden Asteroiden für die nächsten Jahrhunderte keine Gefahr für die Erde dar.
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