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News: Die Achillesferse der Parasiten

Ein großer Teil der vielzelligen Parasiten, unter denen die Menschheit leidet, besitzt besondere Zellkörperchen, die mit eigener Erbsubstanz ausgestattet sind. In Petrischalen ließ sich deren Vermehrung durch Antibiotika hemmen, wodurch die Parasiten schließlich sogar abgetötet wurden. Sollten die Medikamente auch in Experimenten mit Tieren und Menschen wirksam sein, stünde eine neue mächtige Waffe im Kampf gegen Parasiten zur Verfügung.
In Nature vom 27. November berichten Wissenschaftler, daß Antibiotika, die entwickelt wurden, um Bakterien abzutöten, in Petrischalen auch das Wachstum eines vielzelligen Parasiten verzögern können. Offensichtlich verhindern sie, daß die DNA in Apicoplasten, einem mysteriösen Organellum in den Parasiten, vervielfältigt werden kann. Apicoplaste kommen in Tausenden verschiedener Parasiten vor, vom Malariaerreger bis zu den Krankheitskeimen, an denen AIDS-Patienten sterben. Deshalb, so glauben Experten, können Medikamente entwickelt werden, die eine ganze Reihe von Parasiten attackieren könnten.

Bereits in den sechziger Jahren entdeckten Parasitologen in diversen Parasiten Apicoplaste. Aber erst in diesem Jahr haben David Roos und seine Kollegen an der University of Pennsylvania in Philadelphia bestätigt, daß diese Struktur eigene Gene besitzt und deshalb für den Parasitenorganismus wichtig sein könnte. Sie wußten allerdings so gut wie nichts über die Funktion des Apicoplast. Deshalb waren sie nicht sicher, ob es sich eher um ein lebenswichtiges Organ des Parasiten handelt oder, wie Roos sagt, „mehr wie ein Blinddarm ist: irgendwie interessant, jedoch nicht besonders nützlich.” Wäre ein Apicoplast für das Überleben notwendig, so könnte ein entsprechendes Medikament möglicherweise den Parasiten töten, während die Wirtszellen, die keine Apicoplaste aufweisen, verschont blieben.

Roos und seine Kollegin Maria Fichers untersuchten diese mögliche Achillesferse. Sie gingen davon aus, daß ein geeignetes Antibiotikum die Reproduktion der Apicoplasten-DNA stoppen würde, weil der Apicoplast eine ringförmige DNA besitzt – wie bei Bakterien üblich. Die Forscher behandelten menschliche Bindegewebezellen in einer Petrischale, die mit Toxoplasma gondii infiziert war, einem Parasiten, der bei AIDS-Patienten die gefährliche Toxoplasmose hervorruft. Das Antibiotikum Ciprofloxacin hemmte nicht nur die Reproduktion der Apicoplast-DNA um 50%, es machte auch die Parasiten-Reproduktion dreimal langsamer und tötete sie danach ab.

Das Medikament ist trotzdem noch nicht auf dem Weg in die Apotheke, weil andere Experimente gezeigt haben, daß es nicht in der Lage ist, Parasiten in infizierten Tieren abzutöten. Roos hofft aber, daß sich die Substanz nach geringen Veränderungen als wirksamer erweisen wird. Sogar wenn ein Ciprofloxacin-Derivativ die Infektion in Menschen oder Tieren nicht vollständig stoppt, „sind wir vielleicht in der Lage, sie so weit zu verlangsamen, daß man sie mit einem anderen Medikament wirksam bekämpfen könnte”, sagt Naomi Lang-Unnasch, Molekularbiologin an der University of Alabama in Birmingham. Das wirklich Interessante ist, sagt sie, daß ein einziges Medikament möglicherweise ausreicht, um Duzende der mehr als 5000 Apicoplast-Parasiten zu bekämpfen.

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