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News: Die älteste Wasserleitung Ägyptens

Ein sensationeller Fund ist österreichischen Archäologen bei ihrer jüngsten Grabungskampagne im östlichen Nildelta gelungen: Sie haben die älteste und bisher einzige vorrömische Wasserleitung Ägyptens entdeckt. Bisher wurden nur Wasserableitungssysteme gefunden, noch nie ein Zuleitungssystem.
Das erklärte Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie an der Universität Wien und Leiter des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, bei einem Vortrag in Wien.

Freigelegt wurde der rund dreieinhalb Jahrtausende alte, gemauerte Kanal von rund einem halben Meter Innendurchmesser bei den österreichischen Grabungen unter einer königlichen Zitadelle der frühen 18. Dynastie bei Tell El-Daba'a. Unter dieser Anlage befand sich eine Zitadelle der 15. Dynastie, der sogenannten Hyksos, Könige asiatischer Herkunft, die zwischen 1640 und 1530 v.Chr. in Ägypten herrschten. Dieser Verteidigungsbau der Hyksos wurde von der 18. Dynastie zerstört. Nun fanden die Archäologen in rund vier Metern Tiefe die Wasserleitung, die in antiker Zeit etwa zwei Meter unter dem Boden verlief.

Die Leitung ist aus Kalksteinen gemauert, die aus alten Monumenten gebrochen wurden und zum Teil noch Inschriften und Reliefs tragen. Zur Abdichtung wurde eine dicke Lehmschicht um das Rohr gelegt. "Die Leitung ist sehr ordentlich gebaut, mit Deckeln und Inspektionsschächten", so Bietak. Der Forscher ist sich sicher, daß es sich um eine Trinkwasserzuleitung handelt. Denn im Rohr wurden praktisch keine Sedimente gefunden, in antiker Zeit muß also sauberes Wasser durchgeflossen sein.

Das Rohr muß früher vom dem nahegelegenen Nilarm zum Palast der Hyksos geführt haben, meint Bietak. Doch diesen Palast haben die Archäologen bisher noch nicht entdecken können. Aus diesem Grund wollen die Forscher den Lauf der Wasserleitung mit geophysikalischen Methoden weiterverfolgen und hoffen so, auf den Königspalast zu stoßen.

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