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Symbiose: Die Anti-Resistenz-Strategie der Blattschneiderameisen

Vielleicht können wir von den Blattschneiderameisen lernen, uns Krankheitserreger vom Leib zu halten - ohne dass diese resistent gegen Medikamente werden.
Blattschneiderameise in ihrem PilzgartenLaden...

Blattschneiderameisen leben in Symbiose mit Egerlingsschirmlingen (Leucoagaricus), die sie sich in regelrechten Pilzgärten als Nahrungsquelle halten. Doch nicht nur die Ameisen tun sich an den Pilzen gütlich, auch parasitäre Schlauchpilze (Escovopsis) bedienen sich am Buffet. In Schach gehalten werden sie dabei von nützlichen Bakterien, die auf dem Panzer der Insekten leben und pilztötende Antibiotika herstellen. Das wusste man bereits. Dass es sich hierbei jedoch um einen Cocktail aus den unterschiedlichsten Versionen der Antibiotika handelt, brachte das Forscherteam um Massimiliano Marvasi von der Universität Florenz zum Staunen. Indem die Bakterien die entsprechenden Gene beständig umstrukturieren, entwickeln sie offenbar fortlaufend neue Wirkstoffvarianten und verhindern so, dass die Parasiten dagegen resistent werden, fasst das Forscherteam im Fachblatt »Trends in Ecology & Evolution« zusammen.

Bei den Streptomyces, einer der Bakteriengattungen, die mit den Ameisen kooperieren, sind 14 verschiedene Erbgutbereiche – so genannte Gencluster – an der Herstellung des Antibiotikums Antimycin beteiligt. Allein die hohe Zahl spricht schon dafür, dass das Produkt der Gene, also das Antibiotikum, besonders wichtig ist. Im Lauf der Evolution hat sich hier wohl schon einiges verdoppelt und verschoben. Ist das Ökosystem der Ameisen – und damit die Bakterien – dem parasitären Pilz ausgesetzt, werden große Mengen Antibiotikum hergestellt. Dabei kommt es auch zu der ein oder anderen Mutation, die zu neuen Stoffvarianten führt, wobei sich jene Genkombinationen, die ein besonders wirksames Antibiotikum produzieren, im Lauf der Zeit durchsetzen dürften. Wie genau diese Koevolution funktioniert, will sich das Team um Marvasi in Zukunft genauer anschauen. Mit ihrer Abwehrstrategie fahren die Blattschneiderameisen aber offenbar recht gut: Seit etwa 60 Millionen Jahren leben sie – weitestgehend ungestört – inmitten ihrer Pilzfarmen.

Vielleicht können wir aus der Strategie der Blattschneiderameisen – beziehungsweise ihrer mikrobiellen Mitarbeiter – etwas für die Bekämpfung von multiresistenten Keimen lernen. Würden wir nicht nur eine, sondern einen ganzen Strauß unterschiedlicher Versionen eines Antibiotikums einnehmen, könnten wir möglicherweise vermeiden, dass die Krankheitserreger sich daran gewöhnen und Abwehrmechanismen entwickeln. Andere Forscherteams haben bereits festgestellt, dass eine Kombination aus verschiedenen Wirkstoffen die Ausbildung von Resistenzen verzögern oder gar rückgängig machen kann. Anstatt weitere Antibiotika zu entwickeln, könnte es einen neuen Ansatz darstellen, die vorhandenen nur leicht, aber ständig zu verändern. Ob und wie man diesen in die Praxis umsetzen kann, ist allerdings noch unklar.

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