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Beobachtungstipps für Amateurastronomen

Kugelsternhaufen und Doppelsterne im Mai

In der ersten Maihälfte bieten sich Kugelsternhaufen, Doppelsterne und die Planeten Jupiter, Saturn, Venus und Mars dem Beobachterauge an.
Der Kugelsternhaufen NGC 3201 im südlichen Sternbild Segel (lateinisch: Vela)
An dieser Stelle möchten wir Ihnen im Abstand von rund zwei Wochen aktuelle Beobachtungstipps bieten. Es geht vor allem um Objekte, die sich mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop beobachten lassen. Sie eignen sich somit besonders für Einsteiger in das Thema Himmelsbeobachtung.

Der Mond nimmt nach Monatsanfang wieder ab und erreicht am 15. Mai Neumond. Ohne das störende Mondlicht können Sie also wieder in der ersten Nachthälfte leuchtschwache Himmelsobjekte beobachten. Aber auch hellere Objekte profitieren von wenig Streulicht. Die Planeten zeigen sich zum Beispiel in viel höherem Kontrast. Jupiter steht mitten in der Waage, der gelbliche Saturn befindet sich zurzeit im Schützen, und der rötliche Mars geht am frühen Morgen zwischen Schütze und Steinbock auf.

Kugelsternhaufen Messier 13 im Sternbild Herkules
Kugelsternhaufen Messier 13 | Der Kugelsternhaufen Messier 13 befindet sich im Sternbild Herkules. M 13 gehört wohl zu den am häufigsten von Amateurastronomen beobachteten Himmelsobjekten. Seine Helligkeit und Größe machen ihn zu einem beliebten und einfachen Beobachtungsziel. Tobias Häusler nutzte in Füssen einen 80/480-Millimeter-Apo-Refraktor und eine Canon EOS 500Da.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Mai empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Mit Messier 13 und 92 im Herkules zeigen sich schon die ersten Boten des Sommerhimmels. Messier 13 ist wohl der bekannteste Kugelsternhaufen in unseren Breiten und auch einer der hellsten. Er befindet sich unter Eta Herculi, dem rechten Schulterstern des Herkules. Messier 92 liegt etwas außerhalb dieses Trapezes, quasi im Kopf der Figur. Der Kugelsternhaufen ist etwas leuchtschwächer als Messier 13, aber mindestens genauso schön. Weitere aktuelle Kugelsternhaufen sind Messier 3 zwischen dem Bärenhüter und dem Haar der Berenike und Messier 53, der sich etwas weiter in Richtung Jungfrau südlich davon befindet.

Aber nicht nur die Objekte zwischen den Sternen sind interessant und schön anzuschauen. Auch die Sterne selbst haben ihren Reiz. Viele Sterne stehen nicht allein, sondern haben einen oder mehrere Begleiter. Epsilon Bootis im Bärenhüter ist so ein Doppelstern. Der größere Stern ist ein Riese des Spektraltyps K1 mit der 500-fachen Leuchtkraft der Sonne. Seine orangegelbe Farbe liefert einen schönen Kontrast mit dem zweiten Stern vom Spektraltyp A, der daneben grünlich blau aussieht. Der Abstand der beiden Sonnen beträgt nur 2,8 Bogensekunden, und der recht große Helligkeitsunterschied von 2,5 Magnituden macht diesen Doppelstern zu einer Herausforderung für kleinere Teleskope unter 100 Millimeter Durchmesser. Das Sternenpaar ist durch Gravitation aneinandergebunden, hat aber eine Umlaufzeit von vielen Jahrhunderten. Seit der Entdeckung haben sich der Positionswinkel und der Abstand kaum verändert.

Aufsuchkarte für Epsilon Bootis im Bärenhüter
Aufsuchkarte für Epsilon Bootis | Der Doppelstern ist sehr eng und für kleinere Teleskope eine Herausforderung. Auch der große Helligkeitsunterschied macht die Beobachtung etwas schwierig. Es lohnt sich aber!

Alpha Herculis ist einer der schönsten Doppelsterne am Nachthimmel. Der hellere Stern hat eine rotgoldene Farbe, während sein Begleiter eher bläulich erscheint. Dieses Sternenpaar liegt etwa 382 Lichtjahre von der Erde entfernt. Auf dieser Distanz entspricht der Abstand zwischen den beiden Sternen ungefähr dem Siebenfachen der Größe unseres Sonnensystems. Sie umkreisen einander mit einer Periode von rund 3600 Jahren.

Aufsuchkarte für Alpha Herculis
Aufsuchkarte für Alpha Herculis | Der Doppelstern im Herkules ist einer der schönsten am Nachthimmel. Sein Farbkontrast von rotgold und blau machen ihn zu einem lohnenswerten Beobachtungsziel.

Gamma Virginis (Porrima) in der Jungfrau ist schon seit Langem das Beobachtungsziel von Profi- sowie Amateurastronomen. Im Jahr 2007 näherten sich die beiden Mitglieder dieses Doppelsternsystems bis auf nur 0,3 Bogensekunden Abstand an. In diesem Periastron – dem kleinsten Abstand mit gleichzeitig größter Geschwindigkeit relativ zueinander – erschien das System wie ein einzelner Stern. Innerhalb weniger Monate wurde die Trennung aber wieder sichtbar. Die Umlaufperiode beträgt 171 Jahre. Im Periastron sind die beiden Sterne nur drei Astronomische Einheiten oder etwa den Durchmesser des Marsorbits voneinander entfernt. Die Sterne sind dabei in Farbe und Helligkeit fast exakt gleich. Es sind beides Hauptreihensterne, die uns weiß oder leicht gelblich erscheinen und etwa viermal so hell leuchten wie unsere Sonne.

Aufsuchkarte für Gamma Virginis in der Jungfrau
Aufsuchkarte für Gamma Virginis | Der Doppelstern hat eine vergleichsweise kurze Umlaufperiode. Wenn sich während des Tanzes um den gemeinsamen Schwerpunkt die Sterne am nächsten stehen, passt kosmisch gesehen kein Blatt Papier mehr dazwischen, und sie wirken wie ein einzelner Stern.

Der Polarstern oder Polaris ist sicher der bekannteste Stern am Nachthimmel. Fast jeder kennt seinen Namen, selbst wenn man nicht genau weiß, wo er am Himmel zu finden ist. Und sogar vielen Amateurastronomen ist nicht bekannt, dass es sich auch hierbei um einen Doppelstern handelt! Der kleine Begleiter mit einer Helligkeit von nur 9,1 mag lässt sich leicht übersehen, wenn man sich den Stern im Teleskop anschaut. Polaris selbst ist ein schwach leuchtender Überriese, der allerdings immer noch 1900-mal so hell wie unsere Sonne ist. Der Abstand zu seinem Begleiter beträgt ungefähr das 30-Fache des Sonnensystems. Dabei verändert sich der Winkel und Abstand der beiden Komponenten nur sehr wenig, was auf eine Umlaufperiode von vielen tausend Jahren schließen lässt. Besonders interessant ist, dass Polaris ein Veränderlicher vom Typ Cepheid ist. Seine Helligkeit ändert sich periodisch um 0,1 mag etwa alle vier Tage. Das ist allerdings so wenig, dass es bei der Beobachtung mit dem Teleskop nicht auffällt.

Der Polarstern im Kleinen Bären
Der Polarstern im Kleinen Bären | Der Polarstern ist so bekannt, und doch gibt es hier noch so viel zu entdecken (heller Stern rechts). Wer hätte gedacht, dass es sich hierbei auch um einen Doppelstern handelt?

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