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Beobachtungstipps für Amateurastronomen: Zirrusnebel, Andromeda-Galaxie und eine Sternbedeckung

In der ersten Oktoberhälfte lassen sich in den Nächten um Neumond am 9. Oktober leuchtschwache Objekte in den Tiefen des Kosmos gut beobachten. Besonders der Zirrusnebel und die große Andromeda-Galaxie sind reizvolle Objekte.
Andromedagalaxie Messier 31
An dieser Stelle möchten wir Ihnen im Abstand von rund zwei Wochen aktuelle Beobachtungstipps bieten. Es geht vor allem um Objekte, die sich mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop beobachten lassen. Sie eignen sich somit besonders für Einsteiger in das Thema Himmelsbeobachtung.

Durch den Neumond am 9. Oktober ist der Blick in die Tiefen des Universums frei von störendem Streulicht. In der ersten Nachhälfte ist mit dem Zirrusnebel im Sternbild Schwan eines der größten und schönsten Objekte des Sommerhimmels zu sehen. Der Zirrusnebel lässt sich leicht am unteren Flügel des Schwans finden. Man beginnt bei dem Kreuzungspunkt, dem Stern Sadr (Gamma Cygni) und hangelt sich weiter nach Süden zu Gienah Cygni (Epsilon Cygni). Von dort folgt man nicht weiter dem Flügel, sondern zweigt schräg nach rechts ab zum Stern 52 Cygni. Der Stern liegt mitten in einem der zwei hellen Teilen des Nebels, dem so genannten Sturmvogel. Von dort wieder ein kleines Stück Richtung Flügel liegt ein zweiter Teil, die Knochenhand. Da im Teleskop alle Nebel schwarz-weiß erscheinen, wird die Knochenhand ihrem Namen besonders gerecht. Sie ist ein Bogen mit deutlich sichtbaren Filamenten und einem verdickten zerfaserten Ende, das wie eine Hand mit Fingern aussieht. Um den Nebelkomplex und dessen Details im Teleskop zu beobachten, sollte das Instrument schon mindestens einen Durchmesser von 150 bis 200 Millimetern haben. Ein Nebelfilter ist dabei sehr hilfreich. Allerdings kann man den gesamten Nebel unter einem sehr dunklen Himmel sogar schon mit dem Fernglas erkennen.

Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Oktober empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik »Aktuelles am Himmel«, die in jedem Heft von »Sterne und Weltraum« erscheint.
Der Zirrusnebel im Sternbild Schwan
Der Zirrusnebel im Sternbild Schwan | Dieses Bild gibt einen relativ realistischen Eindruck wieder. Im Teleskop sieht der Nebel visuell aber etwas verwaschener aus, nicht so schön scharf und natürlich viel leuchtschwächer. Außerdem tritt das Triplett, der Nebel zwischen den beiden Bögen, nicht so deutlich hervor. Das Foto ist mit einem engbandigen Filter für Wasserstoff aufgenommen und erscheint wie im Teleskop schwarz-weiß. Das Bild nahm Patrick Winkler von Siegenfeld in Niederösterreich auf.

Neben den Dauerstars Hantelnebel (Messier 27) und Ringnebel in der Leier (Messier 57) ist zurzeit noch ein weiterer Planetarischer Nebel gut zu sehen: Der kleine Blaue Schneeball (NGC 7662) steht spätabends fast genau im Zenit zwischen dem Pegasus-Quadrat und dem Sternbild Eidechse im Grenzbereich des Sternbilds Andromeda. In größeren Amateurteleskopen kann er durch seine Kompaktheit einen bläulichen Schimmer zeigen. Er weist einen deutlichen eiförmigen Kern mit einer ovalen Gashülle auf.

Aufsuchkarte für den Blauen Schneeball NGC 7662
Aufsuchkarte für den Blauen Schneeball NGC 7662 | Auf Grund seiner Kompaktheit ist der Planetarische Nebel NGC 7662 schon mit relativ kleinen Teleskopen gut zu sehen.

Die Andromeda-Galaxie ist nicht weit vom Blauen Schneeball entfernt und lässt sich ebenfalls sehr gut beobachten. In dunklen, mondlosen Nächten kann man sie schon mit dem bloßen Auge sehen. Damit ist unsere Nachbargalaxie mit 2,3 Millionen Lichtjahren das entfernteste Objekt, das noch ohne optische Hilfsmittel sichtbar ist. Die Andromeda-Galaxie ist vom Pegasus-Quadrat aus leicht zu finden: Man startet an der linken Ecke des Quadrats, dem Stern Sirrah (Alpha Andromedae). Von dort hangelt man sich zwei Sterne weiter nach links entlang der Sternenkette der Andromeda zum Stern Mirach (Beta Andromedae). Hier angekommen geht es zwei schwächere Sterne nach oben zu Ny Andromeade. Die Galaxie liegt direkt neben dem Stern und dürfte nun für den Beobachter unübersehbar sein. Mit dem bloßen Auge und kleinen Teleskopen sieht man allerdings nur den inneren Bereich der Galaxie. Tatsächlich ist ihre Ausdehnung in der Längsachse – wir blicken in einem relativ flachen Winkel auf die Galaxie – so groß wie etwa sechs Vollmonde nebeneinander.

Gleich zu Anfang des Monats gibt es ein kleines Highlight am Himmel zu sehen: Der Asteroid (7394) Xanthomalitia bedeckt für maximal 3,6 Sekunden den Stern HIP31277. Der Stern befindet sich zu Füßen der Zwillinge, ganz in der Nähe des Sterns Alhena (Gamma Gemini). Mit einer Helligkeit von 5,6 mag ist HIP31277 sehr gut zu beobachten und zeigt sich unter einem dunklen Himmel auch dem bloßen Auge. Die Bedeckung findet am Morgen des 5. Oktober zwischen 5:09 und 5:20 Uhr MESZ statt. Der Bedeckungspfad verläuft nach der Bahnberechnung leider nicht direkt über Deutschland, sondern weiter nördlich über Oslo in Norwegen, Schweden, über die Ostsee nach Litauen/Lettland und Weißrussland. Über Osteuropa ist der Himmel dann allerdings schon so hell, dass der Stern nicht mehr zu sehen ist. Es kann sich ein Versuch lohnen, die Bedeckung von Norddeutschland aus zu beobachten. Die Berechnung ist relativ weit im Voraus entstanden, noch mit Unsicherheiten behaftet, somit kann sich der Bedeckungspfad durchaus noch viele Kilometer nach Süden verschieben.

Bedeckungspfad von (7394) Xanthomalitia
Bedeckungspfad von (7394) Xanthomalitia | Bis wenige Stunden vor dem Ereignis kann sich die Vorhersage noch ein wenig verändern. Nachschauen können Sie unter: www.asteroidoccultation.com

Der außergewöhnliche Name des Asteroiden geht auf den russischen Planetenforscher Leonid Wasillijewitsch Ksanfomaliti zurück (geboren 1932). Er beschäftigte sich intensiv mit dem Mars und besonders mit der Venus sowie ihren atmosphärischen und geologischen Phänomenen. Der Asteroid ist etwa 44 Kilometer groß und bewegt sich auf einer Bahn in der Nähe von Jupiter. Er gehört zur Gruppe der Hilda-Familie, Asteroiden, die untereinander ähnliche Bahneigenschaften aufweisen wie der Hauptkörper Hilda. Sie sind offenbar Bruchstücke, die bei Kollisionen aus Hilda herausgesprengt wurden.

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