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Beobachtungstipps für Amateurastronomen: Schattenspiele auf Jupiter

Im Mai lassen sich der Riesenplanet Jupiter und der Tanz seiner vier großen Monde gut beobachten. Auch der Virgo-Galaxienhaufen ist sehr schön sichtbar.
Der Große Rote Fleck auf Jupiter, aufgenommen von der Raumsonde Juno
An dieser Stelle möchten wir Ihnen im Abstand von rund zwei Wochen aktuelle Beobachtungstipps bieten. Es geht vor allem um Objekte, die sich mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop beobachten lassen. Sie eignen sich somit besonders für Einsteiger in das Thema Himmelsbeobachtung.

Am 15. Mai ist Neumond, danach nimmt der Mond wieder zu und geht jede Nacht etwa eine Stunde später unter. Damit ist er in der zweiten Maihälfte gut am Abendhimmel mit zunehmender Sichel zu beobachten, bis er am 29. Mai komplett als Vollmond leuchtet.

In der Zwischenzeit ist am 25. Mai von 17 bis 20 Uhr MESZ der Goldene Henkel zu sehen. Dabei sind die Juraberge am Rand des Regenmeers, des Mare Imbrium, schon von der Sonne beleuchtet, während die Regenbogenbucht, lateinisch: Sinus Iridum, noch im Schatten liegt. Dieser Lichteffekt tritt relativ häufig auf. Diesmal ist er aber etwas Besonderes, da zu dieser Uhrzeit der Mond am blauen Taghimmel steht. Man bekommt durch den blassgrauen Mond vor dem blauen Himmel einen ganz anderen Eindruck als am dunklen Sternenhimmel mit seinem hohen Kontrast. Das kann ein sehr schönes Fotomotiv für ein starkes Teleobjektiv oder ein kleines Teleskop sein.

Jupiter mit Schatten von Io
Jupiter mit Schatten von Io | Io hat von den vier großen Monden des Jupiters den geringsten Abstand und wirft deshalb öfter einen Schatten auf den riesigen Gasplaneten. Am 25. Mai 2018 lässt sich das Schauspiel gemütlich in den Abendstunden bewundern.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Mai empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Auch am 25. Mai wandert der Schatten von Io über Jupiter. Der Riesenplanet geht schon am frühen Abend im Südosten auf und ist dann die ganze Nacht über gut zu beobachten. An diesem Tag wirft der innerste der vier großen Galileischen Monde seinen Schatten auf den Gasriesen. Diese außerirdische Sonnenfinsternis lässt sich bequem von 21:41 bis 23:41 Uhr MESZ beobachten. Der Schatten von Io wandert am Rand des nördlichen Äquatorialbands entlang. Das nördliche und das südliche Äquatorialband sind die auffälligsten Strukturen in der Jupiteratmosphäre und zeigen sich schon in sehr kleinen Teleskopen. Um den Schatten eines Mondes auf dem Planeten zu beobachten, reicht ebenfalls bereits ein kleines Teleskop aus. Mehr Öffnung bringt hier natürlich auch etwas mehr Auflösung, wenn es die Luftunruhe, das so genannte Seeing, zulässt. Der kleine Schatten sieht im Teleskop aus wie ein schwarzes, ausgestanztes Loch mit scharfem Rand in dem Planetenscheibchen.

Komet ISON bei der Sonnenpassage 2013
Komet ISON bei der Sonnenpassage 2013 | Der Komet ISON sollte vor fünf Jahren relativ nahe an der Erde vorbeifliegen und versprach eine spektakuläre Show am Nachhimmel, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hatte. Zuvor musste er jedoch sehr nahe die Sonne passieren, was er leider nicht überlebte. Der Kometenkern brach auseinander, noch bevor er auch nur in die Nähe der Erde kam. Die nächtliche Lightshow blieb somit leider aus. Für C/2016 M1 PanSTARRS ist keine so spektakuläre Erscheinung vorhergesagt, aber bei Kometen kann man das nie so genau wissen …

Der Komet C/2016 M1 (PanSTARRS) wird demnächst sehr interessant. Er ist zurzeit mehr als doppelt so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, nähert sich aber rasch. Seine Helligkeit beträgt in der zweiten Maihälfte etwas weniger als 10 mag und wird diesen Wert Anfang Juni übersteigen. Nach dem nächsten Vollmond könnte uns also ein relativ heller Komet bevorstehen, den man schon mit einem Fernglas sehen sollte. Bei Kometen lässt sich jedoch die Helligkeit und ihr Verhalten nie genau vorhersagen, lediglich die Flugbahn ist sicher. Sobald der Komet näher als die Entfernung Mars-Sonne ist, reicht die Sonneneinstrahlung aus, um seine Aktivität und damit auch die Helligkeit stark zu erhöhen. Wie und wann genau und ob überhaupt ein oder mehrere Helligkeitsausbrüche stattfinden, hängt von der Beschaffenheit dieses eisigen Klumpens ab.

Markarians Chain im Virgo-Galaxienhaufen
Markarians Chain im Virgo-Galaxienhaufen | Die Galaxienkette ist Teil des großen Virgo-Galaxienhaufens. Mit Teleskopen ab 20 Zentimeter Durchmesser sollte man zumindest die helleren Galaxien sehen können. Ein dunkler Himmel ohne Mond ist dafür aber absolut notwendig. Das Foto gibt in etwa den visuellen Eindruck wieder. Das Bild nahm Tobias Häusler am 7. Mai 2018 mit einem 200-Millimeter-Objektiv und einer Kamera vom Typ Canon 500Da auf.

Solange der Mond noch nicht zu sehr stört, empfehlen sich die Galaxien des Frühlingshimmels zur Beobachtung. Eine besonders schöne Formation ist die Region im Zentrum des Virgo-Galaxienhaufens im Sternbild Jungfrau. Der Galaxienhaufen ist einfach zu finden, denn er liegt auf halber Strecke zwischen Vindemiatrix (Epsilon Virgo) und Denebola (Beta Leonis), der hinteren Spitze des Sternbilds Löwe. Dort befindet sich Markarians Chain, eine Kette von Galaxien, die in einem Bogen angeordnet ist. Ihre hellsten Mitglieder sind Messier 84 und 86. Etwas schwächer, aber auch noch gut zu sehen sind NGC 4435 und 4438, die als Paar sehr nahe beieinanderstehen. Etwas weiter südlich liegt die Riesengalaxie Messier 87. Sie ist das Zentrum des Virgo-Galaxienhaufens. Noch ein Stück weiter treffen wir auf Messier 89 und die längliche Messier 90. Weitere helle Galaxien in dieser Richtung sind Messier 58, 59 und 60.

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