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Beobachtungstipps für Amateurastronomen: Der Herbst naht – die Highlights der ersten Septemberhälfte

Der Himmel läutet schon wieder das Ende des Sommers ein: Spätestens ab Mitternacht steht es hoch am Himmel – das Herbstviereck, auch Pegasus-Quadrat genannt. Gerade noch haben wir uns an den wasserstoffreichen Sternentstehungsgebieten der Milchstraße im Sommerdreieck erfreut und schon ist wieder die Sagenwelt rund um den antiken Helden Perseus zu sehen.
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An dieser Stelle möchten wir Ihnen im Abstand von rund zwei Wochen aktuelle Beobachtungstipps bieten. Es geht vor allem um Objekte, die sich mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop beobachten lassen. Sie eignen sich somit besonders für Einsteiger in das Thema Himmelsbeobachtung.

Um Mitternacht stehen die Protagonisten dann als Sternbilder hoch am Himmel. Pegasus, das geflügelte Pferd, Perseus mit dem Haupt der Medusa, die schöne Andromeda, ihr Vater König Kepheus und ihre Mutter Kassiopeia, die sie an den Fels kettete, um die Götter mit ihrem Opfer zu besänftigen. Das zugehörige Seeungeheuer hält sich – natürlich – unter den Fischen auf und ist heute als Sternbild Walfisch bekannt.

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Sternbilder mit ihren mythologischen Gestalten | Am Sternenhimmel tummeln sich zahlreiche Sagengestalten aus der griechischen und römischen Antike, wie zum Beispiel Perseus, Andromeda oder das geflügelte Pferd Pegasus.

Die Mitglieder unseres Sonnensystems stehen leider zurzeit in ungünstigen Positionen: Venus geht am frühen Morgen beinahe gleichzeitig mit Mars auf, der allerdings gleich fünf Größenklassen dunkler ist als sie. Etwa zwei Stunden später erhebt sich die Sonne über den Horizont. Jupiter steht noch für eine Beobachtung zu nahe am Tagesgestirn, wenn er morgens aufgeht. Saturn ist nur noch am frühen Abend zu beobachten, jedoch zeigt er sich so nahe am Horizont im Süden, dass sich eine Beobachtung kaum lohnt. Uranus in den Fischen und Neptun im Wassermann sind dagegen gut zu sehen. Am 13. September ist Neumond und somit bietet sich eine Gelegenheit, sich mit einem größeren Teleskop einmal die beiden äußeren Planeten genauer anzusehen. Unter sehr guten Bedingungen kann man versuchen, die Monde des Uranus zu sichten. Für die beiden hellsten Monde Oberon und Titania ist allerdings eine Öffnung von mindestens 200 Millimetern notwendig. Die Monde zeigen sich dann als kleine Punkte in unmittelbarer Nähe zum Planetenscheibchen. Ob es wirklich die Monde waren/sind, die man sieht/gesehen hat, zeigt ein Blick in ein Planetariumsprogramm wie beispielsweise das kostenlos erhältliche "Stellarium".

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Uranus mit Monden | Mit dem kostenlos erhältlichen Planetariumsprogramm Stellarium kann man – nicht nur für Uranus – nachschauen, ob man auch wirklich die Monde des Planeten gesehen hat.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im September empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Derzeit lassen sich auch drei Kometen am Himmel sichten: Leider liegen ihre Helligkeiten alle unterhalb von 10 mag und sind damit sehr unspektakulär. Zuerst der Dauerbrenner C/2014 Q2 Lovejoy: Er setzt seine Bahn in die Tiefen des Alls fort und bewegt sich zurzeit zwischen den Sternbildern Herkules und Nördliche Krone in Richung Südosten. Dabei verliert er weiter an Helligkeit, so dass im Teleskop nur noch ein kleiner diffuser Fleck mit 12,8 mag zu sehen sein dürfte. Ebenso 88P/Howell, der sein Perihel schon hinter sich hat und sich mit 12,6 mag derzeit unterhalb von Uranus in den Fischen aufhält. Der dritte und hellste ist der Komet C/2015 F4 Jacques. Auch er hat vor Kurzem sein Perihel durchlaufen und entfernt sich jetzt wieder von der Sonne. Seine Bahn führt ihn allerdings viel weiter aus dem Sonnensystem hinaus als Howell; er wird uns erst wieder in 1260 Jahren besuchen. Man findet Jacques im Westen direkt über Wega in der Leier.

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Der Komet C/2014 Q2 Lovejoy | Komet C/2014 Q2 Lovejoy, aufgenommen im Januar 2015. Zu diesem Zeitpunkt war er noch viel heller und zumindest fotografisch in voller Pracht mit Schweif zu sehen. Das Bild nahm José J. Chambó mit einem Teleskop von Takahashi auf.

Der Herbsthimmel hat neben dem Sommerhimmel die meisten Objekte für Fernglasbeobachter und kleinere Teleskope zu bieten. Allen voran natürlich die Andromedagalaxie (Messier 31) im gleichnamigen Sternbild. Sie ist mit rund 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung unsere Nachbargalaxie in der Lokalen Gruppe, dem Galaxienhaufen, in dem wir uns auch mit unserer Heimat, der Milchstraße, befinden. Ähnlich wie die Milchstraße mit der Großen und der Kleinen Magellanschen Wolke, hat auch die Andromedagalaxie kleinere Begleiter. Ihre Namen sind Messier 32 und Messier 110. Beide sind auch schon mit kleinem Equipment sehr gut zu sehen. Messier 31 findet man am besten, indem man sich am Sternbild Andromeda entlanghangelt: Beginnend von der linken Ecke des Herbstvierecks bewegen wir uns zwei Sterne nach links, danach biegen wir nach oben ab und folgen dem Weg ebenfalls zwei Sterne lang. Die Andromedagalaxie zeigt sich rechts über dem zweiten Stern, unter einem dunklen Himmel sieht man sie schon mit dem bloßen Auge als einen länglichen Fleck. Könnten wir sie in voller Pracht erspähen, so wäre die Galaxie fast drei Grad lang – also etwa die sechsfache Breite des Vollmonds.

Ein weiteres Objekt ist die Galaxie Messier 33, auch Dreiecksgalaxie genannt. Sie befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Seite der Andromeda, ist ebenfalls größer als der Vollmond und auch Teil der Lokalen Gruppe. Weitere interessante Beobachtungsziele sind die offenen Sternhaufen NGC 752 und Messier 34 und die Galaxie NGC 891. Sie ist eine so genannte Edge-on-Galaxie, da wir sie genau von der Seite sehen und so auf die Kante der Scheibe blicken. Im Teleskop kann man die Welteninsel als lang gezogenen grauen Strich mit Staubband sehen.

Die Edge-on-Galaxie NGC 891Laden...
Die Edge-on-Galaxie NGC 891 | Die Galaxie NGC 891 ist genau von der Seite zu sehen und wird daher auch als Edge-on-Galaxie bezeichnet. Die Welteninsel ähnelt in Aufbau und Größe unserem Milchstraßensystem. Das Bild nahm Ulf M. Schliemann mit einem Zwölf-Zoll-Newton-Teleskop auf.

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