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Und jetzt zum Wetter: Zähe Eisheilige

Das Frühjahr zu trocken? Der Mai macht dem nun ein Ende - auch wenn uns das nicht gefällt. Und die Eisheiligen scheinen ihren Schrecken zu verlieren.
Regen

Das Wetter: Mai macht durchwachsen weiter

Es scheint, als wolle der Mai seinen Ruf als Wonnemonat loswerden. Denn das Wetter ist bislang alles andere als wonnig: Wie an einer Perlenschnur reiht sich Tief an Tief, die mit teils ergiebigem Regen über die Republik ziehen und nur ab und an von Zwischenhochs unterbrochen werden. In den ersten Tagen fiel vor allem in Westdeutschland schon mehr Regen als im gesamten April. Für die Natur ist das allerdings mehr als angenehm: Nach fünf zu trockenen Monaten in Folge waren die Bodenwasserspeicher ausgezehrt, auch wenn das für die Wochenendgestaltung ein schwacher Trost ist. Mindestens bis Mitte der nächsten Woche soll es bei dieser Wetterlage bleiben

Regen | Auch wenn uns das Regenwetter etwas trist vorkommt: Die Natur braucht den Regen – und dankt es uns mit sattem Grün.

Die Ursache: Die Westwetterlage hat sich stabil eingerichtet

Europa ist zweigeteilt: In einen nassen, windigen und mäßig warmen bis kühlen Norden und einen sommerlich warmen und trockenen Süden. Laut dem Deutschen Wetterdienst liegt ein großer Tiefdruckkomplex von der Südspitze Grönlands über den Nordatlantik und weite Teile West- und Mitteleuropas bis zum Baltikum. Sein Gegenspieler ist das Azorenhoch, das einen Keil in den Mittelmeerraum geschoben und vor dort über den Balkan eine Hochdruckbrücke bis in den Süden aufgebaut hat. Zwischen diesen beiden Blöcken verlaufen die Linien gleichen Luftdrucks, die so genannten Isobaren praktisch schnurgerade vom Atlantik nach Westeuropa – und führen ein Randtief nach dem anderen zu uns. Das Unschöne daran: Hat sich erstmal eine Westwetterlage etabliert, hält sie meist über längere Zeit an.

Die Folgen: Regen, Regen und noch mehr Regen

Der Mai ist einer der regenreicheren Monate, das bewies er erst letztes Jahr, als Dauerregen wieder örtlich ein Pfingshochwasser verursachte. Schuld dran ist eine Kombination aus bereits recht hohen Temperaturen – warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf – und dem eigentlichen Beginn der Gewittersaison (siehe auch Beitrag "Es blitzt und donnert").

Solange die Temperaturen nicht zu sehr in den Keller rauschen, freuen sich die Landwirte, wie man auch aus einer alten Bauernregel ablesen kann: "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun und Fass." Ein Blick auf die klimatische Wasserbilanz des Frühlings bis einschließlich 8. Mai verdeutlicht auch noch einmal, dass der Regen sehr willkommen ist. Weiterhin dominieren auf der Karte die Orangetöne und damit ein Wasserdefizit. Die kühle Witterung macht den Pflanzen dagegen momentan nichts aus, denn viele Arten wachsen bereits bei Temperaturen um 10 Grad Celsius prächtig.

Die Aussichten: Nochmal Eisheilige?

Pankrazi, Servazi und Bonifazi wurden wie die Kalte Sophie bereits letzte Woche an dieser Stelle vorgestellt. Denn schließlich gaben sie sich schon ab dem 1. Mai ein Stelldichein – und scheinen seitdem nicht mehr weichen zu wollen, auch wenn sie nur örtlich richtig eisig wurden und Frost brachten. Eigentlich sollten sie erst ab dem 11. bis zum 15. Mai auf den Plan treten. In früheren Zeiten brannte man als Gegenmaßnahme übrigens mitunter so genannte Reiffeuer ab, deren Rauch sich über die Felder legen und die Kulturen darunter schützen sollte. Heute haben sie dagegen offensichtlich ihren Schrecken verloren. Denn zumindest in Süddeutschland treffen sie nicht mehr so zuverlässig ein wie noch vor wenigen Jahrzehnten: In den letzten Jahren lag die Wahrscheinlichkeit von Kaltlufteinbrüchen in Bayern oder Baden-Württemberg bei weit unter 50 Prozent, so der Deutsche Wetterdienst mit Blick auf eine hauseigene Untersuchung.

Typische Wetterkarte der letzten Tage | Feucht und kühl im Norden, sommerlich warm im Süden: Das Wetter in Europa ist klassisch zweigeteilt – und Deutschland liegt leider mitten darin. Die daraus folgende Westwetterlage beschert uns Tief auf Tief.

Wie geht es stattdessen weiter? Alle Hoffnung liegt auf dem Azorenhoch, das zum gegenwärtigen Stand Mitte nächster Woche nach Norden streben könnte. Unklar bleibt aber leider noch, wo es letztlich landet, da dies für das Wetter hierzulande entscheidend ist. Bleibt es auf dem Atlantik, hält es zwar die Tiefs fern, doch bekommen wir es weiterhin mit unterkühlter Luft aus dem Norden zu tun (zur Erinnerung: Hochs drehen sich im Uhrzeigersinn). Nistet es sich über Mitteleuropa ein, wird das Wetter schön, und die Luft erwärmt sich langsam. Verlagert es sich weiter nach Osten, könnte es sogar sommerlich werden: Nun zapft es (Stichwort Uhrzeigersinn!) die warme Luft im Südwesten an. Die Tendenz deutet insgesamt Hochdruck an – doch alles andere müssen wir leider noch abwarten.

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