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News: Die Erde zum Untertan

Gleich nachdem der Mensch in Australien oder Nordamerika einfiel, war es um die großen Tiere bereits geschehen. Immerhin waren die klimatischen Bedingungen in jener Zeit recht turbulent, sodass man bisher zögerte, den Menschen für das Massensterben verantwortlich zu machen. Doch nun kommen zwei Forschergruppen mit zwei gänzlich unterschiedlichen Ansätzen in zwei entgegengesetzten Erdteilen zu einem Urteil: Schuldig!
Vor gut 13 000 Jahren gab es in den eisfreien Teilen Nordamerikas Riesenfaultiere, Mammuts und panzergroße Gürteltiere - und die ersten Menschen. Vor 50 bis 60 000 Jahren lebten in Australien meterhohe Kängurus, der schwerste Vogel aller Zeiten und acht Meter lange Raubechsen - und die ersten Menschen. Wenig später kam das Aus, in beiden Fällen konnten sich Mensch und Tier offenbar nicht den gleichen Lebensraum teilen. Und jedesmal zogen die Tiere den Kürzeren, sowohl in Amerika als auch in Australien verschwand in kurzer Zeit beinahe alles Getier, das mehr als 100 Kilogramm wog.

Während die ersten Aborigines den australischen Kontinent von Norden kommend besiedelten, drangen die ersten Amerikaner über eine eiszeitliche Landbrücke von Asien nach Nordamerika vor. Es liegt also nahe, den Menschen für dieses weitreichende Aussterben verantwortlich zu machen; eine Theorie, die Paul Martin von der University of Arizona schon 1967 vorstellte. Andere hielten wenig von diesem "Blitzkrieg"- oder "Overkill"-Szenario und sehen die Ursache vornehmlich in raschen Klimaveränderungen.

Doch offensichtlich geschah ähnliches zu unterschiedlichen Zeiten in entgegengesetzten Erdteilen. Mit zwei gänzlich unterschiedlichen Methoden kamen australische und amerikanische Forscher nun zu dem Schluss, dass es in der Tat der Mensch war, der seinen Mitgeschöpfen den Garaus machte.

Während John Alroy von der University of California in Santa Barbara mit einem komplexen Computermodell die Populationsdynamik der großen Pflanzenfresser infolge der Ausbreitung des nordamerikanischen Menschen vor 13 000 Jahren simulierte, verließen sich Richard Roberts von der University of Melbourne und seine Kollegen auf geochronologische Daten von 28 Fossillagerstätten aus der Zeit vor über 40 000 Jahren.

Alroys Simulationen kommen alle zu dem gleichen Ergebnis. Selbst die kleinsten Gruppen der langsamsten Jäger und Sammler hätten demnach zu dramatischen Dezimierungen großer Tierarten geführt. Von insgesamt 41 modellierten Arten prophezeite das Modell bei 32 Arten das wahre Schicksal. Von denen haben nur zwei Arten den Menschen bis heute überlebt. Alle anderen starben vor gut 12 000 Jahren innerhalb kürzester Zeit aus - 1000 Jahre nach der Ankunft des Menschen. Genauso in Australien, wo die Altersbestimmungen von Richard Roberts und Kollegen zeigten, dass vor etwas mehr als 46 000 Jahren unter den größeren Tieren ein Massensterben einsetzte - gleichfalls kurz nach der Besiedlung durch die ersten Menschen.

Der Zusammenhang zwischen der Ausbreitung des Menschen und dem massenhaften Verschwinden großer Tierarten zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Ort lässt nach Meinung beider Arbeitsgruppen kaum an der Schuld unserer Vorfahren zweifeln. Ob sie den Tieren allerdings mit ihren Waffen beikamen, oder ob sie durch Brandrodungen oder ähnliches die Lebensgrundlagen der Tiere zerstörten, das können die Forscher nicht sagen.

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  • Quellen
Science 292: 1888–1892 (2001)
Science 292: 1893–1896 (2001)

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