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Artensterben: Die erste ausgestorbene Vogelart der Galapagosinseln?

Rubintyrannen sind die Farbkleckse unter den Landvogelarten der Galapagosinseln. Doch für die Art auf San Cristóbal kommen Schutzmaßnahmen wohl leider zu spät.
Rubintyrannen sind farbenkräftige Fliegenschnäpper aus Amerika.

Bislang galten die Galapagosinseln als Beispiel für ein tropisches Archipel, das seine Artenvielfalt bis auf wenige Ausnahmen weitgehend behalten konnte. Unter den Vögeln waren beispielsweise bislang überhaupt keine Verluste zu beklagen. Doch das könnte sich einer aktuellen Studie zufolge geändert haben – und mit einer endemische Art der Rubintyrannen könnte es ausgerechnet einen der farbenprächtigsten Vertreter der Inselfauna getroffen haben. Die Rubintyrannen der Insel San Christobál galten bislang als lokale Vertreter der weit verbreiteten Art Pyrocephalus rubinus, doch phylogenetische Studien eines Teams um Ore Camri von der San Francisco State University legen nahe, dass es sich um eine eigenständige Spezies handeln müsste: Pyrocephalus dubius. Ebenfalls zu einer eigenen Art namens Pyrocephalus nanus erhoben wurde eine zweite Form der Rubintyrannen, die auf anderen Inseln des Galapagosgruppe beheimatet ist. Dafür sprächen auch unterschiedliche Körpermerkmale und Verhaltensweisen verglichen mit festländischen Rubintyrannen, so die Wissenschaftler.

Seit 1998 konnten jedoch keine San-Christobál-Tyrannen mehr nachgewiesen werden, obwohl sie früher im trockenen Inselwesten relativ häufig vorkamen. Sollte sich bestätigen, dass keine Rubintyrannen mehr auf der Insel existieren, wäre dies die erste bekannte Ausrottung einer endemischen Landvogelart auf den Galapagosinseln. Sie verschwand wahrscheinlich durch die Kombination verschiedener Faktoren: Zum einen verdrängten invasive Pflanzenarten die heimische Vegetation, weswegen sich auch die bevorzugte Insektenbeute der Vögel verringerte. Zum anderen sind kleine Singvogelarten sehr anfällig gegenüber Ratten, die ebenfalls auf den Galapagosinseln eingeschleppt wurden. Und schließlich breitet sich seit Jahren eine parasitäre Fliegenart aus, deren Larven auf Küken schmarotzen, bis diese vom Blutverlust geschwächt eingehen. Diese drei Gründe spielen wahrscheinlich auch eine große Rolle beim Niedergang der anderen Rubintyrannenart des Archipels. Sie ist auf einigen Inseln bereits völlig verschwunden und auf anderen stark bedroht. Nur noch auf Isabella, der größten und einer der ursprünglichsten Inseln, kommt sie noch lokal in ausreichender Zahl vor.

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