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(Keine) Mondlandung: Die gefälschte Fälschung

Viele Menschen bezweifeln bis heute, dass Astronauten im Juli 1969 oder irgendwann danach den Mond betreten haben. Schuld daran ist eine ziemlich elaborierte und hartnäckige Verschwörungstheorie, die sogar Buzz Aldrin, den zweiten Mann auf dem Mond, zum Ausrasten brachte.
MondlandungLaden...

Am 16. Juli startete die Trägerrakete Saturn V der Apollo-11-Mission in Cape Canaveral. Drei Tage später erreichte sie die Mondumlaufbahn. Am 20. Juli setzte die Landefähre »Eagle« auf der Mondoberfläche auf. Buzz Aldrin und Neil Armstrong betraten etwa 40 Minuten später als erste Menschen den Erdtrabanten. Michael Collins, das dritte Besatzungsmitglied, umrundete währenddessen im Kommandomodul den Mond. Nach zweieinhalb Stunden verließen die Menschen den Mond wieder und kehrten am 24. Juli auf die Erde zurück.

So kurz, knapp und fast banal lassen sich die Geschehnisse aus dem Juli 1969 zusammenfassen – es handelt sich eben um historische Ereignisse. Man muss sich das vor Augen halten, denn noch immer zweifeln viele Menschen daran, dass die Amerikaner vor 50 Jahren den Mond betreten haben. Allein in Großbritannien glauben laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 52 Prozent der Bevölkerung nicht an eine Mondlandung. Und selbst in den USA bestreiten etwa fünf bis sieben Prozent die Geschehnisse vom Sommer 1969. Schuld daran ist eine langlebige Verschwörungstheorie, die kurz nach der Mondlandung – und lange vor dem Internet – entstanden ist. Sie hat in puncto »alternative Fakten« Maßstäbe gesetzt.

James Bond am Set der Mondlandung

Die Mondlandung gilt bis heute als unfassbare Leistung – erst recht, wenn man die technischen Mittel der damaligen Zeit berücksichtigt. Gerade einmal 50 Jahre zuvor waren die Briten John Alcock und Arthur Witten als erste Menschen nonstop über den Atlantik geflogen – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 150 Stundenkilometern. Kein Wunder also, dass es bereits kurz nach dem Juli 1969 Zweifel an der Machbarkeit dieser bis dahin größten Raumfahrtoperation gab. Ab den frühen 1970er Jahren tauchten schließlich immer mehr angebliche Indizien dafür auf, dass die Amerikaner den ersten Flug zu einem anderen Himmelskörper aus Propagandazwecken nur inszeniert hätten. Damit, raunte man, wollten sie mit der Sowjetunion gleichziehen, die immerhin den ersten Menschen ins All geschickt hatte. Wie populär diese Vermutung bereits kurz nach der Mondlandung war, zeigt der 1971 gedrehte James-Bond-Streifen »Diamantenfieber«. Darin flüchtet Sean Connery als britischer Geheimagent unter anderem über ein Filmset in Las Vegas, an dem gerade die Mondlandung nachgestellt wird. Der Regisseur des Films Guy Hamilton war ein großer Anhänger der Theorie von der gefälschten Mondlandung.

Sean Connery war nie auf dem Mond
Im James-Bond-Klassiker »Diamantenfieber« ertappt 007 per Zufall filmende Fälscher in flagranti.

Zu einer mit vielen scheinbaren Belegen unterfütterten Verschwörungstheorie machte sie dann jedoch ein anderer: der US-Amerikaner Bill Kaysing. Der Verschwörungspionier zweifelte sowohl an der Mondlandung als auch an vorangehenden Weltraumflügen, etwa die des Russen Juri Gagarin und des Amerikaners John Glenn. Solche Leistungen seien technisch schlicht nicht möglich gewesen – ihre Inszenierungen würden Propagandazwecken im Kalten Krieg dienen. Im Jahr 1976 – vier Jahre nach Apollo 17, der letzten bemannten Mondlandung – veröffentlichte er im Eigenverlag sein Buch »We Never Went to the Moon. America's Thirty Billion Dollar Swindle«, zu Deutsch »Wir sind niemals zum Mond geflogen. Amerikas 30-Milliarden-Dollar-Betrug«. Geschrieben hatte er das bereits zwei Jahre zuvor, aber keinen Verlag gefunden, der es drucken wollte. In diesem Standardwerk des Mond(nicht)landungs-Genres fasst er erstmals sämtliche »Beweise« dafür zusammen, dass Armstrong und Aldrin im Sommer 1969 nie über die Mondoberfläche spaziert, sondern im Rahmen einer großen Inszenierung durch eine Mondlandschaft in der Wüste von Nevada gestolpert sind. Regisseur des Sciencefiction-Abenteuers sei Stanley Kubrick gewesen, der kurz zuvor 1968 während der Dreharbeiten zu »2001 – Odyssee im Weltraum« einschlägige Erfahrungen gesammelt hatte.

Unabhängig und misstrauisch

Kaysing hatte sieben Jahre lang als technischer Redakteur in der Forschungsabteilung von Rocketdyne, dem Lieferanten der Haupttriebwerke der Saturn-Raketen, gearbeitet, was ihm die Möglichkeit bot, sich in puncto Raumfahrt als Insider zu gerieren. Doch 1963 kündigte der studierte Geisteswissenschaftler seinen Job, verkaufte sein Haus und widmete sich fortan dem Journalismus. Unterwegs in einem Wohnmobil, war er als »schnellster Stift des Westens« auf der Jagd nach aufregenden Storys. Seine Selbsthilfebücher wie »Land and how to Buy it For a Few Dollars an Acre« (Land und wie man es für ein paar Dollar pro Acre kaufen kann) oder »How to Eat Well on Less Than a Dollar a Day« (Wie man gut isst für weniger als einen Dollar pro Tag) würden sich wohl auch heute noch gut verkaufen. In der von ihm gegründeten Zeitschrift »The Better World News« (Die besseren Weltnachrichten) sprach er sich gegen den übergreifenden Materialismus aus. Seine Forderungen nach mehr Eigenständigkeit gingen einher mit einem tiefen Misstrauen gegenüber staatlichen Organisationen. Das brach sich schließlich in einer Mondlandungsverschwörung vollends Bahn.

Bereits in der Einleitung seines Mondlandungsbuchs stellt Kaysing die vermeintliche Mondlandung in eine Reihe mit geheimnisumwitterten politischen Ereignissen wie der Watergate-Affäre oder der Ölkrise 1973. Auch die fragwürdigen Methoden der Beweisführung der Verschwörungstheoretiker werden hier bereits deutlich: Kaysing fragt, warum niederländische Zeitungen schon 1969 über eine gefälschte Mondlandung berichtet hätten, gibt aber keine weiteren Hinweise für diese Quellen. Sogar Jahrzehnte später hat er dieses Argument in einem Interview noch immer in seinem Repertoire: »Die niederländischen Zeitungen vom 21. Juli 1969 sagten, dass die Mondlandung ein Hoax, eine Fälschung waren, und es war mir nicht möglich, eine dieser niederländischen Zeitungen zu finden.«

Einige Klassiker der alternativen Fakten, die angeblich gegen eine Mondlandung sprechen, finden sich in diesem knapp 80 Seiten dicken und reichlich illustrierten Buch: die fehlenden Sterne auf den Mondfotos, die Mondoberfläche, die aussieht wie die Wüste von Nevada, merkwürdige Spiegelungen auf dem Visier eines Astronauten und so weiter. »We Never Went to the Moon« war kein Bestseller, sondern wurde eher belächelt, was auch an seiner laienhaften Aufmachung liegen mag. Aber es fand genügend Leser, die sich akribisch daran beteiligten, die gefälschte Mondlandung zu belegen. Kaysing hatte eine Lawine von Indizien ins Rollen gebracht. Doch bis heute konnten die NASA – die im Übrigen bereits 1977 mit einer ersten Klarstellung auf Kaysings Vorwürfe reagierte – und andere Experten nahezu jedes dieser Fake-Puzzleteile erklären und den Verschwörungstheoretikern somit den Wind aus den Segeln nehmen.

Unternehmen Capricorn dreht die Story weiter
Im Streifen »Unternehmen Capricorn« zeigt Hollywood, wie die NASA eine Marslandung hollywoodreif vortäuscht.

Spätestens seit Ende der 1970er Jahre ist die gefälschte Mondlandung Bestandteil der amerikanischen und internationalen Popkultur. Nach James Bond griff sie Hollywood zum Beispiel 1978 im Film »Unternehmen Capricorn« auf, in dem die NASA sicherheitshalber eine Marslandung inszeniert, da die eigentliche Weltraummission zu scheitern droht. Anspielungen auf den »Moon-Hoax« sind ab den 1990er Jahren ein beliebtes Thema in Comedyshows, Late-Night-Shows, Musikvideos oder Computerspielen. Heute ist er aus dem Internet und der Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Youtube wäre vermutlich um einige tausend Videos ärmer, wenn es die konstruierten Bedenken nie gegeben hätte. Aber auch intelligent inszenierte Reflexionen wie die deutsch-französische Mockumentary »Kubrick, Nixon und der Mann im Mond« haben wir ihm zu verdanken.

Buzz Aldrins rechter Haken

Dass die elaborierte Idee der inszenierten Mondlandung aber heute nicht nur als Gag existiert, sondern von vielen Menschen immer noch als historische Möglichkeit in Betracht gezogen wird, hängt eng mit einer TV-Dokumentation zusammen. Am 15. Februar 2001 strahlte der amerikanische Fernsehsender FOX die einstündige Sendung »Conspiracy Theory: Did We Land on the Moon?« (Verschwörungstheorie: Sind wir auf dem Mond gelandet?) aus und forderte seine Zuschauer auf, selbst zu entscheiden, ob sie an die Mondlandung glauben oder nicht. Die Machart des Berichts ließ allerdings nur eine Antwort zu: Nein. Denn die Redakteure konzentrierten sich darauf, sämtliche Argumente der Verschwörungstheoretiker in einem seriösen Licht erscheinen zu lassen, »Experten« wie Bill Kaysing kamen zu Wort.

Laut FOX stieg der Anteil der Mondlandungsskeptiker unter der amerikanischen Bevölkerung nach Ausstrahlung der Sendung auf 20 Prozent. Die NASA hatte bereits einen Tag zuvor Stellung bezogen und sich abermals gegen die Fälschungsvorwürfe verteidigt. In Deutschland sendete Spiegel TV die Dokumentation synchronisiert und unkommentiert. Noch heute, übrigens 14 Jahre nach Bill Kaysings Tod, ziehen Verschwörungsanhänger die Dokumentation gern als Beweissammlung heran.

Und was sagen eigentlich die tatsächlichen Protagonisten der Mondlandung dazu, dass ihre Lebensleistung auf diese Weise in Frage gestellt wird? Buzz Aldrin, zweiter Mann auf dem Mond, machte seine Ansichten über die Fälschungsfantasien 2002 unmissverständlich klar: Als ihm der Filmemacher Bart Sibrel vor einem Hotel in Los Angeles eine Bibel unter die Nase hielt, ihn aufforderte, auf diese zu schwören, dass er wirklich auf dem Mond gewesen sei, und ihn gleichzeitig als Feigling, Lügner und Dieb bezeichnete, schickte ihn der damals 72-Jährige mit einer strammen Rechten zu Boden.

Auf unserer Themenseite finden Sie weitere Artikel zum 50. Jubiläum der Mondlandung.

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