Artemis II: Menschen sind wieder auf dem Weg zum Mond

Update: In der Nacht zum 2. April ist die Mission erfolgreich gestartet. In unserem Artikel erfahren Sie mehr zu den Hintergründen und Zielen von Artemis II. Unsere aktuelle News zum Start können Sie hier lesen:
Als die Crew von Apollo 17 im Jahr 1972 vom Mond zur Erde zurückkehrte, war die Ära der bemannten Mondflüge für lange Zeit vorbei. Erst jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, steht die Menschheit davor, den Erdtrabanten erneut zu erobern. In der Nacht zum 2. April 2026 mitteleuropäischer Sommerzeit hob von der Startrampe 39B des Kennedy Space Center in Florida eine SLS-Rakete ab. An Bord: ein vierköpfiges Astronautenteam. Zwar ist bei dieser Mission noch keine Landung vorgesehen, die Crew soll den Mond lediglich umrunden. Doch der Flug gilt als zentraler Meilenstein auf dem Weg zu einer erneuten Landung, die ab dem Jahr 2028 erfolgen könnte, sowie zu einer dauerhaft bemannten Station auf der Oberfläche des Erdtrabanten. Hier kommen die wichtigsten Fakten zu Artemis II – und warum sich der Blick auf den Start lohnt.
Verfolgen Sie den Flug von Artemis II live!
Artemis II ist erste Flug zum Mond mit Astronauten an Bord seit der letzten Mission Apollo 17 im Dezember 1972. Es ist also mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen, seit Menschen letztmals den Mond aus nächster Nähe gesehen und ihn gar betreten haben. Im Gegensatz zu den 1960er- und 1970er-Jahren, als nur Radio, Fernsehen und Zeitungen aktuelle Informationen verbreiteten, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den neuen Mondflug direkt und im Detail zu verfolgen.
Live-Übertragungen vom Start und dem weiteren Verlauf des Fluges bis hin zur Wasserung finden sich bei NASA+.
Aktuelle Informationen zum Missionsablauf und Weiteres zum Flug veröffentlicht die NASA auf einer Sonderwebseite. Hier finden Sie auch eindrucksvolle Bilder der SLS-Rakete, der Startanlagen und der vierköpfigen Mannschaft, die sich in hoher Qualität herunterladen lassen. Und im Gegensatz zu den Apollo-Flügen muss nicht mehr auf die Rückkehr der Raumkapsel gewartet werden, bis hochwertige, detaillierte Fotos vom Flug, die von der Crew an Bord von Artemis zum Beispiel vom Mond oder von der Erde aufgenommen werden, zur Verfügung stehen.
Weitere Informationen bietet die NASA auf ihrer Blog-Seite. Des Weiteren ist die Raumfahrtbehörde auch auf ihren Social-Media-Kanälen wie NASAFacebook, Instagram, X und YouTube sehr aktiv. Vor allem auf YouTube werden Livestreams zur Mission zu sehen sein.
Das Artemis-Programm
Das Artemis-Programm ist ein bemanntes Raumfahrtprojekt der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie der europäischen, der japanischen und der kanadischen Raumfahrtagentur. In Anspielung auf das Apollo-Programm wurde es nach Artemis benannt, der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester Apollons in der griechischen Mythologie. Es wurde im Jahr 2019 von US-Präsident Donald Trump initiiert.
In den USA gab es immer wieder Bestrebungen, zum Mond zurückzukehren. Erste konkrete Pläne dazu kündigte George W. Bush während seiner Präsidentschaft im Jahr 2004 mit dem Constellation-Programm an. Unter Bushs Nachfolger Barack Obama wurde das Vorhaben wegen ausufernder Kosten zunächst wieder eingestellt. Zwei Jahre darauf entstand das Exploration Systems Development Program – das dann schließlich im Jahr 2019 vom damaligen Vizepräsidenten Mike Pence in Artemis umbenannt und neu geordnet wurde. Zwei Elemente aus dem Ursprungsprogramm der Bush-Ära überlebten: die Entwicklung der Orion-Raumkapsel sowie der Bau der Trägerrakete SLS, kurz für Space Launch System.
Doch während es im Jahr 2011 noch hieß, dass der Erstflug einer SLS-Trägerrakete mit einer unbemannten Orion-Kapsel an Bord im Dezember 2016 erfolgen soll, geschah dies tatsächlich erst im November 2022. Der Start von Artemis II sollte dann ursprünglich im September 2025 stattfinden. Im Dezember 2024 gab der damalige NASA-Administrator Bill Nelson jedoch bekannt, dass sich die Mission aufgrund anhaltender Probleme mit dem Lebenserhaltungssystem und dem Hitzeschild noch einmal verzögern werde, und man nun einen Start im April 2026 anstrebe.
Im August 2025 schließlich berichteten der Journalist Eric Berger und der ehemalige Astronaut Mark Kelly etwas überraschend, dass die Mission auf Februar 2026 vorverlegt worden sei. Vertreter der Raumfahrtbehörde gaben offiziell bekannt, dass sie ein Startfenster anstrebten, das sich am 7. Februar 2026 öffnet, und darauf arbeitete man zunächst auch hin. Bei einem Probecountdown, dem »wet dress rehearsal«, am 2. Februar, quasi der Generalprobe für den Start, kam es jedoch zu technischen Problemen mit den Treibstoffventilen der Bodenanlagen. Daher gelang es nicht, die Rakete vollständig zu betanken. Damit war der erhoffte Starttermin dahin. Ein neuer Probecountdown musste nach den fälligen Reparaturen durchgeführt werden.
Dieses Mal klappte es einigermaßen zufriedenstellend, womit ein Start Anfang März 2026 möglich gewesen wäre. Doch jetzt trat ein Problem mit dem Helium-Drucksystem der zweiten Stufe auf. Das ließ sich an der Startrampe nicht beheben, sodass die Rakete wieder in das knapp sieben Kilometer entfernte Vehicle Assembly Building zurücktransportiert werden musste. Dort stand sie dann zwischen dem 28. Februar und dem 19. März, bevor sie erneut zur Startrampe transportiert werden konnte, wo sie jetzt auf einen möglichen Start ab dem 2. April wartet.
Die Crew
Ob die Menschheit den Mond tatsächlich erreicht, hängt aber nicht nur von der Rakete ab, sondern auch von den Fähigkeiten und der Erfahrung der Crew. Bereits am 3. April 2023 hatte die NASA das vierköpfige Team der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war zwar noch Joe Biden US-Präsident, doch auch Donald Trump hat nicht versucht, an der Zusammenstellung dieser Besatzung etwas zu ändern.
Kommandant ist Reid Wiseman, der bereits eine Langzeitmission auf der Internationalen Raumstation absolviert hat. Während der ISS-Expedition 40/41 verbrachte er 165 Tage im All und sammelte umfangreiche Erfahrung als Bordingenieur. Anschließend leitete er mehrere Jahre das Astronautenbüro der NASA in Houston, eine Managementposition, während deren Ausübung man nicht für einen weiteren Flug nominiert werden darf. Von diesem Posten trat Wiseman im November 2022 zurück und machte damit den Weg frei für eine erneute Nominierung. Zum Zeitpunkt des Artemis‑II‑Starts wird er 50 Jahre alt sein.
Pilot der Mission ist Victor Glover. Er war Teil der ISS-Expedition 64/65 und verbrachte 167 Tage an Bord des Außenpostens im All. Zum Zeitpunkt des Fluges wird er 49 Jahre alt sein.
Die größte Weltraumerfahrung der Crew bringt Christina Koch mit. Sie nahm an den Expeditionen 59/60/61 teil und blieb insgesamt 329 Tage im Orbit – ein Rekord für eine Frau. Während Artemis II wird sie 47 Jahre alt sein.
Der vierte Sitz an Bord gehört dem Kanadier Jeremy Hansen. Obwohl er bereits 50 Jahre alt ist, gibt er mit Artemis II sein Debüt im All. Hansen ist Teil der kanadischen Raumfahrtagentur CSA und wird das erste nicht‑amerikanische Crewmitglied sein, das im Rahmen des Artemis‑Programms den Mond umkreist.
Insgesamt verfügt die Crew über vergleichsweise wenige absolvierte Raumflüge – doch sie ist, im übertragenen Sinn, ein »perfect fit« für die politischen und gesellschaftlichen Leitlinien, welche die NASA während der Biden‑Administration prägte. Die Besatzung vereint einen profilierten NASA-Astronauten mit Führungserfahrung und Medienroutine, einen Raumfahrer mit afroamerikanischen Wurzeln, eine Frau mit umfangreicher wissenschaftlicher und operationeller Expertise sowie einen Vertreter der internationalen Partner der Artemis Accords. Dieses von der NASA initiierte Abkommen, dem inzwischen mehr als 60 Länder beigetreten sind, legt Grundprinzipien für die friedliche Nutzung des Weltraums und insbesondere des Mondes fest.
Raumschiff und Ausrüstung
Das Orion-Raumschiff, das die Crew der Artemis-II-Mission um den Mond herum und zur Erde zurückführt, trägt den Namen Integrity. Das Team wählte ihn im Einklang mit den oben genannten politisch‑gesellschaftlichen Leitlinien aus; am 25. September 2025 wurde er im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.
Unter allen bisher entwickelten Raumkapseln für bemannte Missionen bietet Orion das größte nutzbare Innenvolumen: knapp 20 Kubikmeter. Ein beträchtlicher Teil davon entfällt jedoch auf Stauräume – für Raumanzüge, Vorräte, Werkzeuge und sogar eine winzige Toilette mit eigener Tür. Der Lebens- und Arbeitsbereich für die vierköpfige Crew während der rund zehn Tage dauernden Mission umfasst lediglich neun Kubikmeter. Das entspricht in etwa dem Innenraum von drei Kleinwagen. Zum Vergleich: In den Apollo-Kapseln standen nur sechs Kubikmeter frei nutzbarer Raum zur Verfügung – damals allerdings für drei Astronauten.
Mit an Bord befinden sich auch vier jeweils etwa 20 Kilogramm schwere Kleinsatelliten, die bereits im Spätherbst 2025 installiert wurden. Diese sogenannten CubeSats sind am Orion Stage Adapter (OSA) montiert, einer kegelförmigen Struktur, die das Orion‑Raumschiff mit der zweiten Stufe der SLS-Rakete verbindet. Diese Stufe trägt die Bezeichnung ICPS, was für Interim Cryogenic Propulsion Stage steht. Bei der unbemannten Mission Artemis I flogen noch zehn CubeSats mit, die jedoch erst nach dem Einschwenken in die Transferbahn zum Mond freigesetzt wurden.
Bei Artemis II geht man anders vor: Die vier Minisatelliten werden bereits im elliptischen Übergangsorbit zur Erde ausgesetzt, etwa 90 Minuten nach dem Start. Einer davon – TACHELES – stammt von der Berliner Firma Neurospace und wurde im Auftrag des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) gebaut. Mit dem Satelliten wird untersucht, wie die harschen Bedingungen des Weltraums elektrische Komponenten beeinflussen, die später in Mondfahrzeugen eingesetzt werden sollen. Sonst steht aber bei Artemis II die technische Erprobung der Raumkapsel im Vordergrund, wissenschaftliche Untersuchungen haben bei diesem Flug nur eine geringe Priorität.
Der Starttag
Der Beginn der Mission ist aktuell für den 1. April 2026 ab 18:24 Uhr Ortszeit (das entspricht 0:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am 2. April) an der US-amerikanischen Ostküste angesetzt. Eine Stunde vor dem Start, bei T-1, sind die Tanks vollständig mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff gefüllt. Anschließend erfolgt das sogenannte Topping: Verdampfte Anteile der extrem kalten Treibstoffe werden kontinuierlich ersetzt, damit die Füllstände stabil bleiben. Rund 30 Minuten vor der Zündung setzt die Vorkühlphase der Haupttriebwerke ein. Sie verhindert einen thermischen Schock der Aggregate, wenn schlagartig sehr kalte Treibstoffe durch Turbopumpen und Düsen strömen.
Sieben Sekunden vor dem Abheben der Rakete zünden die vier Haupttriebwerke der SLS und der Schub baut sich auf. Vier Sekunden später ist der volle Schub erreicht, und es folgt eine dreisekündige Checkout‑Phase. Fällt sie positiv aus, zünden bei T‑0 die beiden Feststoffbooster, und die Rakete hebt ab.
Etwa eine Minute und zehn Sekunden nach dem Liftoff durchfliegt die SLS den Punkt maximaler aerodynamischer Belastung. Nach zwei Minuten und sieben Sekunden sind die Booster ausgebrannt und werden abgeworfen. Bei T+5:20 Minuten wird das Startrettungssystem von der Orion-Kapsel abgetrennt, das im Fall eines Fehlstarts die Astronauten samt Kapsel aus der Gefahrenzone ziehen würde.
Der Brennschluss der vier Hauptstufentriebwerke erfolgt bei T+8:03 Minuten, weitere sieben Sekunden später trennt sich die ICPS mit dem Orion-Raumschiff an der Spitze vom SLS-Booster. Damit ist eine suborbitale Bahn erreicht, auf der die Zentralstufe nach einer halben Erdumkreisung über dem Indischen Ozean wieder in die Erdatmosphäre eintritt.
Damit das Orion-Raumschiff nicht dasselbe Schicksal erleidet, zünden nun die beiden Triebwerke des ICPS für 34 Sekunden. Dadurch bringen sie sich selbst und die Raumkapsel auf einen kreisförmigen Orbit in einer Höhe von 185 Kilometern. Dort werden weitere 9 Minuten und 20 Sekunden später die Solargeneratoren des European Service Module entfaltet. Zwei Drittel einer Erdumkreisung später, bei 57 Minuten und 32 Sekunden nach dem Abheben, beginnt die zweite Brennphase des ICPS, die dieses Mal fast zehn Minuten dauert. Danach ist eine stark elliptische Umlaufbahn mit einem Perigäum (also dem niedrigsten Bahnpunkt über der Erde) von 185 Kilometern und einem Apogäum (dem Scheitelpunkt der Bahnellipse) von etwa 70 000 Kilometern erreicht. Genaue Bahndaten gibt es bisher nicht von der NASA, selbst jetzt, nur wenige Tage vor dem Start. Eine Stunde und 13 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe ist Orion schließlich auf sich allein gestellt.
Das Raumschiff befindet sich nun auf einem 24-Stunden-Orbit. Wenn die Integrity sich nach einem Flugtag wieder am niedrigsten Bahnpunkt über der Erdoberfläche befindet, soll das Triebwerk des European Service Module planmäßig für etwa sechseinhalb Minuten zünden. Dieses Manöver heißt »Trans Lunar Injection« (TLI) und ergibt einen Geschwindigkeitszuwachs von gut 400 Metern pro Sekunde. Das müsste ausreichen, um das Apogäum auf rund 400 000 Kilometern Abstand von der Erde zu verschieben. In dieser Erdentfernung wird die Orion vier Tage später dem Mond begegnen.
Auf zum Mond …
Nach dem intensiven Starttag kehrt zunächst etwas Ruhe ein. Die Distanz zur Erde wächst jetzt stetig: Vom TLI‑Startpunkt in nur 185 Kilometern Höhe entfernt sich Orion innerhalb weniger Stunden auf rund 100 000 Kilometer, während die Geschwindigkeit kontinuierlich abnimmt.
Am dritten Flugtag beträgt die Entfernung zur Erde bereits etwa 250 000 Kilometer. Erst jetzt kommt der Mond zum ersten Mal in Sicht. Das wirkt zunächst überraschend, doch darf man nicht vergessen, dass Integrity nicht direkt auf den Mond zufliegt. Die Raumkapsel bewegt sich auf einer stark elliptischen Erdumlaufbahn, die ihren Scheitelpunkt an einer Stelle hat, die der Mond erst vier Tage nach dem TLI erreichen wird. Orion fliegt also zunächst gewissermaßen in den leeren Weltraum hinein. Dennoch lassen sich jetzt, mit dem 800‑Millimeter‑Objektiv an Bord, bereits ansprechende Aufnahmen des Mondes machen.
Am fünften Flugtag beginnt bereits der Übergang in die Rückkehrphase: Die Geschwindigkeit sinkt auf etwa 650 Kilometer pro Stunde, während sich das Raumschiff dem Mond bis auf ungefähr 75 000 Kilometer nähert.
Der mondnächste Punkt wird etwa drei Stunden nach Anbruch des sechsten Flugtags erreicht. Dann erfolgt der Vorbeiflug in einer Distanz von rund 7400 Kilometern – mit hervorragender Sicht auf den lunaren Südpol, der den Apollo‑Astronauten vor mehr als 50 Jahren aufgrund ihrer äquatornahen Trajektorien verborgen blieb. Durch die Gravitationswirkung des Mondes gewinnt Orion jetzt rasch wieder an Geschwindigkeit: Bald darauf überschreitet die Kapsel die Marke von 5000 Kilometern pro Stunde.
… und zurück zur Erde
Am Ende des sechsten Flugtags nähert sich die Integrity der Erde schon wieder auf 250 000 Kilometer. Damit beginnen die ersten Vorbereitungen für die Landung. Es stehen unter anderem Kalibrierungsbrennmanöver der Triebwerke auf dem Plan. Im Verlauf des achten Flugtags schrumpft die Entfernung zur Erde auf unter 30 000 Kilometer; die Crew legt wieder die Raumanzüge an. Etwa um diese Zeit wird das Raumschiff in die Wiedereintritts-Raumlage gebracht, das bedeutet mit dem Hitzeschild voran. Diese Positionierung wird bis zur Wasserung beibehalten.
47 Minuten vor der geplanten Landung trennt sich das Servicemodul ab. Die Rückkehrkapsel fliegt jetzt allein weiter – vollständig auf Batteriebetrieb. 39 Minuten vor dem Aufsetzen erreicht sie in etwa 120 Kilometern Höhe das sogenannte Entry Interface. Die Geschwindigkeit beträgt zu diesem Zeitpunkt 11,1 Kilometer pro Sekunde (etwa 40 000 Kilometer pro Stunde). Die Temperatur am Hitzeschild steigt in den nächsten Sekunden und Minuten auf rund 2800 Grad Celsius. 35 Minuten vor der Wasserung beginnt eine etwa vierminütige Black-out-Phase: Die Kapsel ist beim Wiedereintritt von heißem Plasma umgeben, wodurch keine Funkkommunikation möglich ist.
24 Minuten vor der Landung öffnen sich zwei kleine Stabilisierungsfallschirme. Weitere vier Minuten später folgen in rund 2000 Metern Höhe die drei Hauptfallschirme. Jetzt sinkt die Kapsel langsam zur Wasseroberfläche. Die geplante Landezone liegt etwa 400 Kilometer südlich des Point Nemo, vor der Baja California. Dort wartet schon das Bergungsschiff USS San Diego. Etwa 30 Minuten nach dem Erreichen der Wasseroberfläche beginnt die Bergung der Crew – und die Mission Artemis II ist offiziell zu Ende.
Wie geht es weiter?
Die bis vor Kurzem noch gültige Terminplanung des NASA‑Mondprogramms führte die Mission Artemis III für Juli 2027 auf. Das ist der Zeitpunkt, zu dem die US-Raumfahrtbehörde wieder Menschen auf die Mondoberfläche bringen wollte. Der neue NASA‑Administrator Jared Isaacman hat sich inzwischen aber von dieser völlig unrealistischen Planung verabschiedet. Derzeit geht die NASA für das Jahr 2027 von einer Probemission in einer niedrigen Erdumlaufbahn mit einem Anlegen an einem oder vielleicht sogar beiden bemannten Mondlandern aus, also dem Blue-Moon-Lander der Firma Blue Origin und dem LunarSpaceship von SpaceX. Im Jahr 2028 soll es dann zu zwei Landeversuchen auf dem Mond kommen: einer soll im Frühjahr, einer im Spätherbst erfolgen.
Doch selbst unter der optimistischen Annahme, dass bis dahin sämtliche Entwicklungs‑, Bau‑ und Testprogramme ohne größere Verzögerungen ablaufen, ist das eine höchst gewagte Prognose. Realistisch gesehen klappt das erst ein oder zwei Jahre später, also in den Jahren 2029 oder 2030. Doch ein so später Zeitpunkt hat einen Haken: Die chinesische Raumfahrtagentur CNSA könnte bis dahin bereits eigene Raumfahrer auf der Mondoberfläche abgesetzt haben.
Isaacman will, so sagte er auf einer Pressekonferenz der NASA, nicht wieder Jahre zwischen den einzelnen Artemis‑Flügen verstreichen lassen. Derart große Zeitabstände zwischen einzelnen Missionen seien pures Gift für die Dynamik eines komplexen Raumfahrtprogramms, denn die Fertigkeiten der Ingenieure und Techniker sind ein verderbliches Gut. Zukünftig wolle die NASA etwa alle zehn Monate eine Mondflugmission mit Astronauten ansetzen.
Für die ersten beiden geplanten Mondlandungen hat die NASA bislang das Human Landing System, kurz HLS, von SpaceX ausgewählt – vom Hersteller Lunar Starship genannt. Ab der dritten Landung könnte auch Jeff Bezos mit seiner Firma Blue Origin und dem Lander Blue Moon ins Spiel kommen.
Am 13. Januar 2026, unmittelbar nach seiner Amtseinführung, bestellte Isaacman Vertreter von SpaceX und Blue Origin zu einem Gespräch ein. Über konkrete Ergebnisse wurde wenig bekannt. Doch vieles deutet darauf hin, dass Isaacman die Firmen aufforderte, technische oder organisatorische Elemente des jeweils anderen Teams zu übernehmen, sofern dies das Gesamtprogramm beschleunigen könnte. Verbunden war das offenbar mit einem klaren Hinweis: Priorität erhält, wer schneller liefert.
Auswirkungen dieses Treffens lassen sich bereits erkennen. Am 30. Januar 2026 kündigte Blue Origin überraschend an, die Arbeiten an seinem suborbitalen Touristenraumschiff New Shepard für mindestens zwei Jahre ruhen zu lassen, um sämtliche Ressourcen auf das Mondprogramm konzentrieren zu können. Das ist bemerkenswert, denn das Unternehmen hatte in jüngster Zeit erheblich in die touristische Raumfahrt investiert; vier neue New‑Shepard‑Raumschiffe befinden sich gegenwärtig in unterschiedlichen Bauphasen.
Noch eine Ecke dramatischer hören sich die Maßnahmen an, die bei SpaceX getroffen werden: Galt bisher stets der Mars als oberste Priorität, kündigte Elon Musk am 8. Februar auf X an, für die nächsten Jahre alle verfügbaren Kräfte dem Mondprogramm zu widmen.
Wenn diese beiden Unternehmen – die ja auch ungeheure Summen an Eigenmitteln in das Artemis-Programm einbringen – derartig radikale Änderungen in ihren Kernprogrammen vornehmen, beweist das, dass der Wettlauf zum Mond in eine neue, intensivere Phase eingetreten ist. Und was es für uns als Zuschauer so spannend macht: Es kommt nun zu einem »Dreikampf« zwischen Musk, Bezos und China.
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