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Arktis: Die Gletscher-Eisbären

Eisbären brauchen Meereis für die Jagd nach Robben. Das aber schwindet. Eine neu entdeckte Population in Grönland nutzt eine andere rettende Strategie.
Eisbär überquert Eisschollen
Das Meereis in der Arktis wird immer weniger. Das macht es für Eisbären zunehmend schwierig, auf Robbenjagd zu gehen. (Symbolbild)

Es ist ein Symbolbild für den Klimawandel geworden: Ein einsamer Eisbär hockt auf einer kleinen Eisscholle im arktischen Meer. Hier schwindet das Meereis immer weiter, auch auf Grund steigender Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Und das ist ein großes Problem für die Tiere: Sie brauchen das Meereis, besonders für die Jagd nach Robben.

Doch anscheinend sind nicht alle Eisbären auf das Meereis angewiesen. Eine kleine, neu entdeckte Population in Südostgrönland nutzt stattdessen Gletschereis für die Jagd, berichten Forschende um Kristin Laidre von der University of Washington und dem Greenland Institute of Natural Resources im Fachmagazin »Science«. Für die Untersuchung analysierte das Team Bewegungsdaten sowie genetische und demografische Informationen aus 36 Jahren.

In Südostgrönland ist das Meereis größtenteils unbrauchbar, um Robben zu erbeuten: Von etwa Februar bis Ende März können die Eisbären dort zwar jenes Meereis nutzen, das an der Küste festgefroren ist. Für den Rest des Jahres, mehr als 250 Tage, ist die Region aber frei davon – Eisbären können aber »nur« bis zu 180 Tage fasten. Die von dem Forscherteam neu beschriebene Population nutzt die restliche Zeit das Süßwassereis an Gletscherfronten für die Jagd.

Gletschereis könnte somit für einige Eisbären einen Rückzugsort bieten, wenn das Meereis immer weiter schwindet, vermuten die Autoren. Auch lebt in solchen Habitaten Grönlands und Spitzbergens die Hauptbeute der Eisbären, die Ringelrobbe.

Ob Eisbären sich auf lange Sicht in Lebensräume an Gletschern zurückziehen können, ist unklar. Denn auch diese Habitate verändern sich. Dazu kommt ein weiteres Hindernis, wie Elizabeth Peacock von der Emory University School of Medicine in einem Begleitartikel zu der Studie schreibt: Die lange Generationsdauer der Eisbären, also der zeitliche Abstand zwischen zwei Generationen. Die beträgt laut einer Schätzung der International Union for Conservation of Nature (IUCN) im Mittel 11,5 Jahre. Das macht die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen zu einem langwierigen Prozess für die Tiere.

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