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Römisches Britannien: Die Lady von Eboracum – eine reiche Afrikanerin

Aaron Watson
Als vor über 100 Jahren Archäologen in York das Grab der "Dame mit dem Elfenbein-Armreif" entdeckten, waren sie begeistert: Mit so vielen kostbaren Grabbeigaben muss sie zur einstigen Oberschicht der römischen Legions- und Provinzhauptstadt Eboracum gehört haben. Neue Untersuchungen verraten nun noch mehr: Sie war Afrikanerin.

Aaron Watson
Die Schädelform der Lady … | … verrät den Forschern ihre afrikanische Abstammung. Wie in dieser Computerrekonstruktion muss sie einst ausgesehen haben.
Mit forensischen und chemischen Methoden ergründete ein transdisziplinäres Forscherteam um Hella Eckardt von der University of Reading die Herkunft der wohlhabenden Frau, die recht jung starb. Die Untersuchung ihrer Schädelform ergab, dass sie entweder Afrikanerin war oder aber aus einer Mischehe entstand. Und die Sauerstoff- und Strontium-Isotope, welche sich bei jedem Menschen bis zum Alter von etwa sieben Jahren durch aufgenommene Nahrung im Zahnschmelz ablagern, verweisen darauf, dass die Dame ihre ersten Lebensjahre im nördlichen Afrika verbracht hatte.

Yorkshire Museum / Gareth Buddo
Wertvoller Schmuck … | … wie diese Armreife aus Gagat und Elfenbein wurde bei der wohlhabenden Afrikanerin gefunden.
Die wohlhabende Ausländerin wurde im ausgehenden vierten Jahrhundert mit reichlich Schmuck aus Gagat und dem in Britannien seltenen Elfenbein, einem Parfümflakon aus blauem Glas und einem Glasspiegel begraben – allesamt Luxusgüter, die nur der gesellschaftlichen Elite zugänglich waren. Schon allein der Steinsarkophag, in welchem die "Dame mit dem Elfenbein-Armreif" begraben wurde, war im römischen Britannien ein Zeichen für Wohlstand.

Yorkshire Museum / Gareth Buddo
Und auch dieser Glasflakon … | … zeugt vom Reichtum der Dame von Eboracum: Denn sowohl Glas als auch das Parfüm, das den Flakon einst füllte, waren kostbar.
Für die Forscher ergibt sich aus den Befunden "ein Bild des römischen York als höchst vielfältigem Ort," so Hella Eckardt, "dessen Bevölkerung auch wohlhabende Männer, Frauen und Kinder aus dem romanisierten Nordafrika umfasste."

Ein Knochenstück, das unter den Grabbeigaben gefunden wurde und früher wohl eine hölzerne Kassette schmückte, verrät noch ein weiteres Detail: Die "Dame mit dem Elfenbein-Armreif" war möglicherweise Anhängerin der noch jungen römischen Staatsreligion Christentum, denn in lateinischen Worten wurde graviert: "Sei gegrüßt, Schwester, mögest du in Gott leben."

Nicole Mai

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