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Naturkatastrophe: Die medizinische Situation nach Beben und Tsunami

Die Opfer des Seebebens und der Tsunamis im Indischen Ozean müssten womöglich nicht schnell in Massengräbern bestattet werden, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. So hatte eine Studie von Oliver Morgan von der Pan American Health Organization (PAHO) [1] bereits im September 2004 die Auswirkungen des plötzlichen Todes vieler Menschen durch Katastrophen auf die gesundheitliche Situation der Überlebenden untersucht. Die beteiligten Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Leichen selbst in großer Zahl nur selten schädliche Konsequenzen für die überlebende Bevölkerung haben.

Menschen, die nicht schon vor der Katastrophe an Cholera litten, können sie schließlich auch nach ihrem Ableben nicht weitergeben, da sie nicht mehr neu infiziert werden. Zudem sinkt die Körpertemperatur des Leichnams in kürzester Zeit nach dem Tod, und so sterben im Organismus eventuell vorhandene Bakterien und Viren ebenfalls sehr schnell nach dem Exitus des Infizierten ab. Einzig Katastrophenhelfer, die in direkten Kontakt mit den Toten geraten, sind einem gewissen Infektionsrisiko ausgesetzt und sollten sich daher mit entsprechender Kleidung schützen.

Die schnelle Beisetzung in Massengräbern bewirkt nach Aussage der Forscher dagegen eine weitere Traumatisierung betroffener Angehöriger der Opfer. Sie können nicht mehr von ihren toten Freunden und Verwandten Abschied nehmen. Da sie keinen Ort zum Trauern haben, verschlimmert sich ihr Leid zusätzlich. Zudem erschweren oder verhindern Massengräber spätere Exhumierungen.

Die Cholera scheint in den Katastrophengebieten Süd- und Südostasiens nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes zurzeit ohnehin keine weitere Belastung und Gefährdung der betroffenen Bevölkerung zu sein. Zwar stellen Ärzte eine erhöhte Zahl an Durchfallerkrankungen fest, diese lassen sich bislang aber noch nicht auf Cholera zurückführen.

Nach Angabe der Experten stellen dagegen Lungenentzündungen ein weit größeres Problem in den Krisenregionen dar. An Krankheiten der Atemwege könnten dort demnach bald viele Menschen sterben, sollten nicht Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Mitverursacht werden die Lungenentzündungen durch die häufigen Niederschläge, die in diesen Teilen Asiens im Moment immer wieder niedergehen, und den Mangel an bewohnbaren Unterkünften, sodass die unterkühlten und geschwächten Betroffenen leicht empfänglich für Viren und Bakterien werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet im Moment ebenfalls noch keine Ausbrüche von Cholera oder Masern in den betroffenen Gebieten und verneint damit anders lautende Pressemitteilungen [2]. Aus Indonesien werden allerdings zahlreiche Fälle von Tetanus-Erkrankungen berichtet.

Die WHO bezifferte die Zahl der Toten am 8. Januar 2005 offiziell auf knapp 160 000, weitere 23 500 Menschen gelten noch als vermisst. Knapp zwei Millionen Betroffene sind obdachlos.
11.01.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.01.2005

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