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Covid-19: Die meisten Übertragungen von Delta finden vor Krankheitsbeginn statt

Wer sich mit der Delta-Variante ansteckt, verbreitet das Virus häufiger, ehe er Symptome verspürt. Das könnte erklären, warum sich die Mutation so rasant durchgesetzt hat.
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Menschen, die mit der Delta-Variante von Sars-CoV-2 infiziert sind, verbreiten das Virus mit größerer Wahrscheinlichkeit, bevor sie Symptome entwickeln, als Menschen, die sich mit anderen Virusvarianten angesteckt haben. Dies legt die detaillierte, bislang aber noch nicht begutachtete Analyse eines Ausbruchs in Guangdong, China, nahe.

»Es ist schwieriger, Delta aufzuhalten«, erklärt Benjamin Cowling, Epidemiologe an der Universität von Hongkong und Mitautor der Studie, die Mitte August auf einem Preprint-Server veröffentlicht wurde. Cowling und seine Kollegen untersuchten die Daten von 101 Personen in Guangdong, die sich zwischen Mai und Juni 2021 mit Delta infiziert hatten. Außerdem nahmen sie Infektionen bei engen Kontaktpersonen der Probanden unter die Lupe. Dabei fanden sie heraus, dass die Betroffenen im Schnitt 5,8 Tage nach der Infektion mit Delta Krankheitsanzeichen entwickelten. Positiv auf das Virus testeten die Teilnehmer jedoch bereits 1,8 Tage vorher. Damit blieben ihnen fast zwei Tage, in denen sie bereits Viruspartikel verteilen konnten, selbst aber noch über ihre Erkrankung im Unklaren waren.

Bei anderen Virusvarianten war dieses Zeitfenster kürzer. Darauf deutet etwa eine Analyse vom Juni 2021 hin. Demnach entwickelten Infizierte vor dem Auftauchen von Delta im Schnitt nach 6,3 Tagen erste Symptome von Covid-19, während Tests im Mittel nach 5,5 Tagen – also nur knapp eine Tag früher – bei ihnen anschlugen.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unseren FAQ. Ausführliche Antworten zur Delta-Variante lesen Sie hier. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Wie das Coronavirus die Welt verändert«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Wie Delta sich durchsetzte

Die Ergebnisse der Forscher zeigen außerdem im Einklang mit früheren Studien, dass Infektionen mit Delta mit einer höheren Viruslast bei den Betroffenen einhergehen. »Aus irgendeinem Grund taucht das Virus schneller und in größeren Mengen auf«, sagt Cowling.

Infolgedessen fanden insgesamt 74 Prozent der Infektionen mit Delta während der präsymptomatischen Phase statt – ein höherer Anteil als bei früheren Varianten. Das helfe zu erklären, »wie es dieser Variante gelungen ist, sowohl den Wildtyp als auch andere Varianten zu verdrängen und zum weltweit dominierenden Stamm zu werden«, sagt Barnaby Young vom National Centre for Infectious Diseases in Singapur.

Die Forscher berechneten auch die Basisreproduktionszahl (R0) von Delta. Der Wert gibt an, wie viele andere Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Sie schätzen, dass R0 bei Delta bei 6,4 liegt, im Vergleich zu 2 bis 4 beim Wildtyp von Sars-CoV-2.

Bei einer kleinen Zahl von Teilnehmern kam es zudem zu Infektionen, obwohl sie bereits zweifach gegen Covid-19 geimpft waren. Die Impfung reduzierte bei diesen Teilnehmern die Viruslast jedoch merklich. Geimpfte Probanden hatten zudem eine 65 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken. Die Auswertung beruhte allerdings auf den Daten von sehr wenigen Teilnehmern.

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