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News: Die Moore gehen den Bach runter

Die allerorts steigenden Temperaturen könnten fatale Folgen für einen der größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher haben: die Moore. Denn wird es wärmer, steigern die Mikroorganismen ihren Umsatz und überführen den in den Pflanzenresten gebundenen Kohlenstoff in wasserlösliche Formen. Mit den Flüssen gelangt er schließlich in die Meere und könnte dort den Treibhauseffekt weiter verstärken.
Moore und Sümpfe nehmen langfristig mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, als sie anderweitig wieder abgeben. Rund 20 bis 30 Prozent des in den Böden gebundenen Kohlenstoffs, so schätzt man, konzentrieren sich auf diese Feuchtgebiete, die somit zu den bedeutsamsten Kohlenstoffspeichern der Kontinente gehören.

Doch in den letzten zwölf Jahren beobachteten die Forscher des UK Acid Waters Monitoring Network in vielen Flüssen und Bächen Großbritanniens immer höhere Konzentrationen gelöster organischer Substanzen (DOC). An 20 von 22 Standorten waren die Gehalte in jedem Jahr um durchschnittlich 5,4 Prozent angestiegen, insgesamt liegen sie nun schon um 65 Prozent höher als Ende der 80er Jahre.

Die organischen Substanzen stammen eindeutig aus den Mooren, die in den Einzugsgebieten der Fließgewässer liegen, und Chris Freeman von der University of Wales in Bangor und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die steigenden Temperaturen für die zunehmende Auswaschung organischen Kohlenstoffs verantwortlich sind. Denn in den 90er Jahren war es in den Untersuchungsgebieten um 0,66 Grad Celsius wärmer als in den vorangegangenen drei Jahrzehnten. Die Forscher gehen davon aus, dass die Mikroorganismen unter diesen Umständen aktiver sind und mehr pflanzlichen Kohlenstoff umzusetzen vermögen.

Ein Maß dafür ist die Aktivität des mikrobiell produzierten Enzyms Phenoloxidase. Dieses Enzym findet sich in staunassen Böden und trägt entscheidend zur Steuerung des Kohlenstoffhaushalts in Mooren und Sümpfen bei.

Im Labor hatten die Forscher torfige Böden Temperaturen von zwei bis 20 Grad Celsius ausgesetzt und dabei beobachtet, dass sich der Umsatz durch das Enzym dramatisch steigern ließ. Nach einer Erhöhung um zehn Grad Celsius stieg die Aktivität der Phenoloxidase um ganze 36 Prozent an. In gleichem Umfang wie die Enzymaktivität erhöhten sich auch die DOC-Konzentrationen im Wasser – die Mikroorganismen fühlten sich bei höheren Temperaturen einfach wohler.

Die zunehmende Auswaschung von Kohlenstoff aus den Mooren könnte bedeutsame Folgen haben, denn die Bäche und Flüsse münden schließlich im Meer, wo die gelösten organischen Substanzen den marinen Kohlenstoffhaushalt verändern könnten. Sollten die bedeutsamsten Kohlenstoffvorräte der Kontinente im Zuge der Klimaerwärmung mit zunehmender Geschwindigkeit in die Ozeane gelangen, würden sie dort von Mikroorganismen umgesetzt, die ihrerseits das Treibhausgas Kohlendioxid freisetzten.

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