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Botanik: Die Pflanze, die vom Nebel gestreichelt wird

Die Hawaii-Inseln sind gleichermaßen Traum und Alptraum für Biologen. Das zeigt eine zufällig entdeckte Pflanze mit attraktiven Blüten - die kurz vor dem Aussterben steht.
Cyanea konahuanuiensis - die Pflanze, die vom Nebel gestreichelt wirdLaden...

Eigentlich waren die Biologin Margaret Sporck-Koehler aus Honolulu und ihre Kollegen in den nebelverhangenen Bergwäldern der Insel Oahu unterwegs, um mehr über eine seltene Pflanze der Region zu erfahren. Doch während ihrer Suche nach der Oahu-Rollandia Cyanea humboldtiana entdeckten so noch etwas Besseres: eine verwandte Art, die zuvor noch kein Wissenschaftler je gesehen hatte – die ebenfalls zu den Glockenblumengewächsen zählende Cyanea konahuanuiensis, auf Deutsch ungefähr "die Cyanea, die vom Nebel gestreichelt wird". Mit ihren leuchtend violetten Blüten und einem Meter Wuchshöhe ist die Pflanze durchaus auffällig, doch gedeiht sie offensichtlich nur noch in zwei steilen Seitentälern eines kleinen Flusses, der in den Gipfellagen des Konahua-nui-Berges auf Oahu entspringt. Weniger als 50 Exemplare zählten die Forscher an den beiden Standorten, was die Art sicher zu einer der seltensten der Erde macht.

Zwar wächst die Glockenblume in einem Naturschutzgebiet, wie John Platt in seinem Blog auf "Scientific American" schreibt, dennoch dürfte sie sich in einer ökologischen Sackgasse befinden. Denn wie ihre Verwandten, die nur auf den Hawaii-Inseln vorkommen, wird sie wahrscheinlich von Vögeln bestäubt, die auch ihre Samen später verbreiten. Doch die meisten der dafür in Frage kommenden Vogelarten sind selbst bereits ausgestorben oder extrem selten. Folglich fanden Sporck-Koehler und Co vor allem ältere Exemplare und kaum Jungwuchs: Reproduktion findet also allenfalls sporadisch statt. Zudem fressen eingeschleppte Ratten, Schweine und Schnecken gerne die Samen, was die Fortpflanzung ebenfalls verhindert. Ein einziges katastrophales Ereignis wie ein Erdrutsch oder Wirbelsturm könnte zudem die winzige Population endgültig zerstören. Deshalb sammelten die Botaniker einige Samen und züchteten sie im Botanischen Garten der University of Hawaii problemlos heran. Zumindest in menschlicher Obhut könnte die umschmeichelte Glockenblume also überdauern.

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