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News: Die Quelle der Gammastrahlen-Blitze

Eine Supernova in einer 140 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis könnte den entscheidenden Funken zum Verständnis von Gammastrahlen-Ausbrüche liefern. Die Sternenexplosion ereignete sich nämlich zur selben Zeit und am gleichen Ort wie einer der Ausbrüche.
Titus Galama und Paul Vreeswijk von der University of Amsterdam haben ihre Beobachtung im Juni auf dem Jahrestreffen der American Astronomical Society vorgestellt und zur Veröffentlichung in Nature eingereicht.

Im Laufe des letzten Jahres ist die Suche nach Gammastrahlen-Ausbrüchen immer stärker in den Vordergrund des Interesses von Astronomen gerückt, weil die Wissenschaftler erkannten, daß viele Ausbrüche sich am Rande des beobachtbaren Universums ereignen. Um auf der Erde noch detektierbar zu sein, müssen folglich enorme Energiemengen dabei freigesetzt werden.

Zwei konkurrierende Modelle wurden entwickelt, um die Vorgänge zu beschreiben, die zur Entstehung der Ausbrüche führen: Nach der einen Hypothese kommt es zu den Gammastrahlen-Blitzen, wenn zwei superdichte Neutronensterne (oder ein Neutronenstern und ein Schwarzes Loch) miteinander kollidieren und verschmelzen. Das andere Szenario wurde von Stan Woosley von der University of California in Santa Cruz und Bohdan Paczynski von der Princeton University entwickelt. Danach ist eine Hypernova, der plötzliche Kollaps eines extrem massereichen Sterns, für die Ausbrüche verantwortlich. Bei den meisten Supernovae endet die Implosion des Sterns, sobald der Kern zu einem Neutronenstern kollabiert ist. Bei einer Hypernova hatte der Vorläuferstern dagegen so viel Masse, daß er unter seiner eigenen Schwerkraft bis zur Dichte eines Schwarzen Loches zusammenfällt. Materie, die in diesem Schwarzen Loch verschwindet, emittiert noch kurz zuvor die Gammastrahlung und löst eine Schockwelle aus. Diese wiederum erhitzt die spärlich vertretene Materie in der Nähe des Sterns, was einem Beobachter als Supernova-ähnliches Schauspiel erscheint.

Am 25. April wurde ein Gammastrahlen-Ausbruch registriert, der anscheinend nach diesem Hypernova-Mechanismus verlaufen ist. Nachdem der italienisch-niederländische Satellit BeppoSAX die Position des Ausbruchs ermittelt hatte, richteten Galama und Vreeswijk ihr optisches Teleskop auf die Himmelsstelle und entdeckten dort eine scheinbare Supernova. Nach ihrer Einschätzung handelt es sich höchstwahrscheinlich um kein zufälliges Zusammentreffen. Sie glauben, diese Beobachtung könnte die Lücke schließen, mit der zwischen den beiden Hypothesen entschieden werden kann. Doch andere Wissenschaftler sind da vorsichtiger. Sie geben zu bedenken, daß der beobachtete Ausbruch vom 25. April in unserer kosmischen Nachbarschaft stattgefunden hat. Ereignisse in größerer Entfernung bedürfen möglicherweise anderer Mechanismen, um noch vieltausendfach mehr Energie freizusetzen.

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