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Megafauna: Die Sahara ist keine sichere Zuflucht

Trotz ihrer unwirtlichen Bedingungen beheimatet die größte Wüste der Erde ein eindrucksvolles Tierleben. Doch gerade die charismatischsten Arten sind vom Aussterben bedroht.
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Die Sahara gilt gemeinhin als lebensfeindliches, heißes Meer aus Sand, Geröll und Fels. Dennoch lebt dort eine artenreiche Großtierwelt aus Elefanten, Antilopen, Löwen, Geparden und anderen typischen Vertretern der afrikanischen Fauna – zumindest noch. Denn Sarah Durant von der New Yorker Wildlife Conservation Society und ihre Kollegen warnen nun vor dem dramatischen Rückgang dieser Megafauna und dem bevorstehenden Aussterben einiger Arten.

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Mendesantilopen | Nur noch rund 300 Mendesantilopen (Addax nasomaculatus) haben in der Sahara überlebt. Ihre Hörner sind begehrte Trophäen.

Die Biologin hatte mit ihrem Team erstmals Bestandszahlen von 14 typischen Spezies der Sahara zusammengetragen und ausgewertet: Zehn davon sind inzwischen regional ausgestorben und teilweise auf ein Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets zurückgedrängt worden; der Rest gilt auch in verschiedenem Ausmaß als bedroht. So wurde die Bubal-Antilope mittlerweile völlig ausgerottet, die Oryxantilope überlebte nur in Zoos (und wird gegenwärtig wieder ausgewildert). Afrikanische Wildhunde und Löwen verschwanden ebenfalls aus der Sahara, Geparden überlebten lediglich auf einem Zehntel ihres früheren Verbreitungsgebiets, Leoparden sogar nur auf drei Prozent. Die einzige Ausnahme bildet der Nubische Steinbock, der noch weit gehend seine ursprüngliche Ausbreitung behalten hat, aber ebenso zahlenmäßig abnimmt.

Als Ursache machen die Autoren trotz der extrem dünnen Besiedlung die starke Bejagung der Tiere aus, die teilweise wegen ihres Fleisches, vielfach jedoch auch wegen der Trophäen erlegt werden. Dazu kommt die Überweidung wichtiger Futterplätze. Wegen der politischen Instabilität der Region, in der zahlreiche Kriege toben oder die Terrororganisationen als Rückzugsraum dient, unterbleiben häufig Naturschutzmaßnahmen oder können nicht durchgesetzt werden. Beutegreifer wie Löwen leiden neben der Wilderei zudem unter Nahrungsmangel, weil ihre wichtigste Beute verschwunden ist.

Immerhin richtete die Regierung von Niger vor Kurzem ein Schutzgebiet von der Größe Portugals ein, in dem noch verschiedene seltene Antilopen und Geparden leben. Und der Tschad möchte Oryxantilopen wieder ansiedeln. Dennoch müssen die Schutzanstrengungen vor Ort verstärkt werden, wenn die Saharastaaten ihre Artenvielfalt erhalten möchten, fordern Durant und Co.

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