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News: Die Schminkkünste der alten Ägypter

Jedes Kind weiß, daß die alten Ägypter eine Menge Augenschminke verbrauchten. Um den typischen Inhalt eines drei- oder viertausend Jahre alten Makeup-Koffers zu untersuchen, muß man allerdings schon zu modernen kristallographischen und chemischen Analysen greifen. So haben Wissenschaftler festgestellt, daß zur Herstellung der weißen, schwarzen und grünen kosmetischen Pulver eine ganze Menge komplexes chemisches 'Know-how' erforderlich war.
Phillipe Walter vom Laboratoire de Recherche des Musées de France, in Paris und seine Kollegen berichteten in Nature vom 11. Februar 1999, daß die Ägypter die sogenannte "nasse Chemie" zur Herstellung ihrer Kosmetika benutzt haben. Zu dieser Schlußfolgerung kamen sie, weil die extrem gut erhaltenen kosmetischen Pulver aus den Jahren 2000 bis 1200 vor Christi Geburt zwei Substanzen auf Bleibasis enthielten: Laurionit (PbOHCl) und Phosgenit (Pb2Cl2CO3), die weder natürliche Bestandteile von Erzen sind, noch durch die Alterung der Pulver entstehen.

Obwohl Phosgenit dann natürlich gebildet wird, wenn Blei enthaltende Mineralien durch kohlensäure- oder chlorhaltiges Wasser oxidiert werden, glauben die Forscher, daß derartige Mengen viel zu klein sind, "um den extensiven Gebrauch für kosmetische Zwecke über einen Zeitraum von mindestens acht Jahrhunderten zu erklären." Und die makellose Erhaltung der Pulver und ihrer Behälter veranlaßte die Gruppe zu dem Schluß, daß "die Anwesenheit von Laurionit und Phosgenit nicht durch Wettereinflüsse oder Alterung erklärt werden kann." Mit anderen Worten: Sie müssen künstlich hergestellt worden sein.

Diese Vermutung wird durch zeitgenössische Schriftstücke gestützt. Sie beschreiben ausführlich ein Verfahren, mit dem gereinigtes Bleioxid (PbO) wiederholt zermahlen, mit Wasser, Steinsalz und manchmal mit Natriumcarbonat (Na2CO3) vermischt und dann jeden Tag über mehrere Wochen hinweg gefiltert wurde. Als Walters Team das Verfahren mit weichem, das heißt Carbonat-freiem, Wasser nachvollzog, entdeckten die Wissenschaftler, daß tatsächlich Laurionit entstand. Bei Verwendung von hartem Wasser erhielten sie Phosgenit.

Obwohl die zugrundeliegenden chemischen Reaktionen einfach sind, betonen Walter und seine Kollegen, daß "der gesamte Prozeß, einschließlich vieler sich wiederholender Operationen, sehr schwierig durchzuführen war." Außerdem hatten – nachgewiesen durch die Analyse der organischen Pulverteile – die Ägypter ihren Produkten erhebliche Mengen an Fett hinzugefügt. Dadurch waren sie in der Lage, eine große Vielfalt von Kosmetika für verschiedene Zwecke herzustellen. Denn schließlich war es wohl für einen schönheitsbewußten Ägypter mit ein wenig Eyeliner alleine nicht getan.

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