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News: Die Schokoladenseite der Mona Lisa

Ein etwas ungewöhnliches Untersuchungsobjekt für Verhaltensforschung sind alte Gemälde und Fotografien. Sie zeigen jedoch einen deutlichen Trend: Man schaute gern nach rechts und präsentierte die linke Wange. Australische Wissenschaftler haben dafür eine biologische Erklärung parat: Die linke Gesichtshälfte spiegelt das Gefühlsleben besser wider.
Warum malte Leonardo da Vinci Mona Lisas unergründliches Lächeln von rechts? Michael Nichols, Danielle Clode, Stephen Wood und Amanda Wood von der University of Melbourne wollten wissen, wieso seit Jahrhunderten die Modelle auf Portraits dem Betrachter die linke Wange zeigen. Sie untersuchten hunderte von klassischen Gemälden und Fotografien, darunter auch die Sammlung der Royal Society. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in den Proceedings: Biological Sciences vom August 1999 (Abstract).

Die Forscher vermuten eine biologische Erklärung für die offensichtliche Bevorzugung der linken Gesichtshälfte: Sie wird von der rechten Gehirnhälfte kontrolliert, die für Gefühle zuständig ist. Dementsprechend sei der Hang zum Dreh nach rechts bei Frauen, die ja emotionaler sein sollen als Männer, deutlicher ausgeprägt. Männer lassen sich dagegen nicht so gern in die Karten sehen: Sie blicken etwas häufiger lieber nach links und zeigen eine ungerührte rechte Backe.

Diese Ergebnisse werden auch von einer Studie unterstützt, an der 165 Psychologiestudenten teilnahmen. Sie sollten für Portraitaufnahmen Modell sitzen – und bevorzugten dafür ebenfalls die ausdrucksstärkere linke Gesichtshälfte.

Ganz besonders deutlich wird es bei Wissenschaftlern, die ihre linke Seite nur äußerst ungern präsentieren. Also sind sie doch die gefühllosen, rationalen Verstandesmenschen? Wohl nicht. Die Autoren zumindest führen es eher darauf zurück, daß die Portraits mehr beruflichen als persönlichen Zwecken dienten.

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