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Rückblick auf die Sonnenaktivität im April 2026: Unerwartete Wendung

In den ersten drei Wochen des Monats April erinnerte uns die Sonne daran, dass ihre Aktivität sich dem Minimum nähert. Zunächst zeigten sich nur mittelgroße oder kleine Fleckengruppen. Doch dann verhielt sich unser Tagesgestirn sehr lebendig und eruptiv.
Eine beeindruckende Aufnahme einer Sonneneruption, die von der Oberfläche der Sonne aufsteigt. Die Eruption zeigt leuchtende, flammenartige Strukturen, die sich in den Weltraum erstrecken. Der dunkle Hintergrund hebt die Intensität der glühenden Materie hervor. Dieses astronomische Bild veranschaulicht die dynamische Aktivität der Sonnenoberfläche.
Immer wieder hält die Sonne faszinierende Phänomene bereit. Am Vormittag des 24. April 2026 nahm Michael Jäger dieses Bild einer eruptiven Protuberanz im Spektralbereich der roten Wasserstofflinie H-alpha auf, wobei die helle Sonnenscheibe schwarz abgedeckt war. Er nutzte einen Refraktor mit 10 Zentimetern Objektivdurchmesser (f/11) und eine Astrokamera des Typs ZWO ASI 163M.

Anfangs sah alles danach aus, als würde der April ein ruhiger Monat auf der Sonne werden (siehe »Ruhiger Beginn«). Doch ab dem 23. April 2026 überschlugen sich die Ereignisse: Sieben Eruptionen (englisch: flares) der intensivsten Klassen M und X leiteten eine Phase neuer Aktivität ein. Zugleich nahm die Anzahl der Flecken deutlich zu; ferner bildete sich rasch eine große Gruppe.

Ruhiger Beginn | Zu Monatsbeginn war die Sonnenaktivität gering – dennoch gab es etwas Besonderes zu sehen: Am 6. April 2026 nahm Fabio Cartelli den Vorübergang der Internationalen Raumstation (ISS) auf. Für die Aufnahmen dieser Serie nutzte er ein Tamron-Teleobjektiv mit 600 Millimetern Brennweite und einen 1,4-fach-Telekonverter sowie eine Canon EOS R8.

Wie schon in den wechselhaften Vormonaten kann auch diesmal eine auf den gesamten Monat bezogene mittlere Sonnenfleckenrelativzahl R die Dynamik auf der Sonne nur unzureichend abbilden. Trotz der lebhaften Entwicklung im April ergab sich ein Wert von nur = 85,7. Dieses Ergebnis liegt auf dem bisherigen Niveau: 88,6 im März und 70,3 im Februar. Die von der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) ermittelten Relativzahlen wurden gemäß der international gültigen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC) in Belgien geeicht.

Stattliches Aktivitätsgebiet | Am 25. April 2026 nahm Oskar Pircher dieses detaillierte Foto der aktiven Region AR 14420 auf. Die neue Fleckengruppe wuchs während der letzten Aprilwoche schnell an. Zum Einsatz kam ein Newton-Teleskop mit 18 Zentimetern Öffnung mit einem nicht belegten Spiegel in Verbindung mit einem grünen Solar Continuum Filter von Baader sowie einer Astrokamera des Typs ZWO ASI 290MM.

Neben der um den 25. April schnell ansteigenden Zahl der Flecken entwickelte sich eine nahe der Mitte der Sonnenscheibe befindliche Gruppe schnell zu einem auffälligen Gebiet mit großer Komplexität (siehe »Stattliches Aktivitätsgebiet«). Damit veränderte sich der Anblick unseres Zentralgestirns dramatisch, von ausklingender Aktivität zu neuem Fleckenschub. Dieser Umschwung ging mit den bereits genannten kräftigen Eruptionen im kurzen Zeitraum vom 23. bis zum 26. April einher (siehe »Verändertes Antlitz«). Drei dieser Ereignisse lagen im Grenzbereich zur energiereichsten Klasse X.

Verändertes Antlitz | Dieses von Heiko Ulbricht am 26. April 2026 gewonnene Übersichtsbild belegt, wie sehr sich der Anblick der Sonne zu Beginn der letzten Aprilwoche gewandelt hatte. Die Aufnahme erfolgte mit einer Astrokamera des Typs ZWO ASI 183MM an einem Maksutow-Newton-Teleskop mit 15 Zentimetern Öffnung (f/6) sowie mit Foto-Solarfolie und einem Baader Solar Continuum Filter für den grünen Spektralbereich.

Die magnetische Unruhe der Sonne führte unter anderem zur Bildung einer eruptiven Protuberanz, die am 24. April im Spektralbereich der roten Wasserstofflinie H-alpha beobachtet werden konnte (siehe »Filamente am Sonnenrand«). So kamen alle mit einem entsprechenden Spezialfilter ausgerüsteten Sonnenbeobachter noch vor dem nahenden Monatsende in den Genuss spannender Eindrücke. Doch nicht nur im April hält uns die Sonne gerne zum Narren, und mit weiteren Aktivitätsschüben ist zu rechnen. Bis zum Minimum dürften wohl noch vier Jahre vergehen.

Wie geht es weiter? | In den kommenden Monaten wird die Sonnenaktivität leicht abnehmen. Dargestellt ist der Verlauf der Relativzahl gemäß der seit dem 1. Juli 2015 international gültigen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC).

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  • Quellen
Hilbrecht, H., Lagg, A., Lichtbrücken in Sonnenflecken. Rasante Entwicklungen lohnen die Beobachtung. Sterne und Weltraum 8/2015
Pietschmann, R., Ein hochauflösendes Sonnenteleskop. Sterne und Weltraum 3/2025
Reichert, U., Die Sonne – der uns nächste Stern. Sterne und Weltraum 2/2016
Schröder, K.-P., Die trügerische Ruhe der Sonne. Wie häufig sind »Superflares«? Sterne und Weltraum 5/2020
Schröder, K.-P., Die Sonne wird wieder aktiv – Sie auch? Sterne und Weltraum 7/2021

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