Mondmission, Teleskope und Raketen: Die Raumfahrt-Highlights im Jahr 2026

Das Universum steckt voller Superlative. Nach allem, was wir wissen, ist unser vielleicht unendlich großer Kosmos 13,8 Milliarden Jahre alt, gefüllt mit Hunderten Milliarden Galaxien voller Sterne und Planeten. Doch so riesig und unergründlich er auch erscheinen mag: Im Jahr 2026 werden wir die Funktionsweise des Universums und unseren Platz darin besser verstehen – und neue Meilensteine in der Raumfahrt setzen.
Rückkehr zum Mond
Das wahrscheinlich aufregendste Weltraumereignis ist der geplante Start der NASA-Mission Artemis II, der bereits im Februar 2026 erfolgen könnte. Vier Astronautinnen und Astronauten sollen zehn Tage lang den Mond umkreisen. Somit soll Artemis II erstmals seit den frühen 1970er-Jahren wieder Menschen in die Nähe unseres Trabanten bringen. Dabei soll die Mission Voraussetzungen für spätere bemannte Ausflüge auf die Mondoberfläche schaffen. Zudem wird Artemis II ein entscheidender Test der Technik für spätere Artemis-Missionen: Es ist der erste bemannte Flug der riesigen Space-Launch-System-Rakete und des dazugehörigen Orion-Raumschiffs.
Und das ist nur der Anfang. Weitere Höhepunkte bei der Erforschung des Mondes soll die Blue Ghost Mission 2 von Firefly Aerospace sein, die Ende 2026 Nutzlasten der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zum Mond bringen wird, sowie die chinesische Mission Chang'e 7, die in der zweiten Jahreshälfte zum Mondsüdpol fliegt.
Venus und Mars
2026 sollen auch Reisen zu den nächsten Nachbarn der Erde stattfinden, den Planeten Mars und Venus. Die Mission Martian Moons eXploration (MMX) der Japan Aerospace Exploration Agency soll zum Marsmond Phobos starten und dort Proben sammeln, um diese später wieder zur Erde zu bringen. Und die Mission Venus Life Finder, eine private Zusammenarbeit zwischen dem Raumfahrtunternehmen Rocket Lab und dem Massachusetts Institute of Technology, soll im Sommer starten, um in den Wolken der Venus nach biologischen Spuren zu suchen.
Nahaufnahmen für Asteroiden und Kometen
Das Jahr 2026 könnte große Fortschritte bei der Erforschung von Asteroiden und Kometen bringen. Die chinesische Probenrückführungsmission Tianwen-2 soll im Sommer den Asteroiden (469219) Kamoʻoalewa erreichen und dort Material sammeln. Und Ende des Jahres wird die ESA-Mission Hera den Doppelasteroiden (65803) Didymos erreichen, um die Folgen der früheren NASA-Mission Double Asteroid Redirection Test (DART) impact mission zu untersuchen.
Im Jahr 2026 wird uns auch der Asteroid 2024 YR4 beschäftigen. Dieser sorgte im Jahr 2025 wochenlang für Schlagzeilen, weil es schien, als könne er im Jahr 2032 auf der Erde einschlagen. Spätere Studien seiner Umlaufbahn schlossen diese Möglichkeit nahezu aus. Dennoch bleibt ein Restrisiko, dass der Asteroid den Mond trifft und die Trümmer anschließend auf uns herabregnen. Das James Webb Space Telescope (JWST) der NASA wird diese Möglichkeit durch zusätzliche Beobachtungen des Asteroiden im Frühjahr 2026 prüfen.
Darüber hinaus werden das JWST und andere Teleskope ihre Untersuchungen von 3I/ATLAS fortsetzen, dem dritten entdeckten interstellaren Kometen, der unser Sonnensystem durchquert.
Am 19. Dezember 2025 war es so weit: Der interstellare Besucher, Komet 3I/ATLAS durchlief seinen geringsten Abstand zu Erde. Im Minimum trennten ihn dann 269 Millionen Kilometer vom Blauen Planeten, das entspricht dem 1,8-Fachen der Distanz zwischen Erde und Sonne. Er hielt somit einen respektvollen Abstand von uns, ließ sich aber im Sternbild Jungfrau tief am südlichen Horizont gut beobachten. Besonders günstige Sichtbedingungen fanden sich auf der Südhalbkugel unseres Planeten.
Derzeit erfüllt 3I/ATLAS alle Merkmale eines typischen einheimischen, also solaren Kometen: Er besitzt eine kopfförmige Verdickung, die Koma, und weist einen lang gestreckten, blaugrünen Ionenschweif sowie einen kurzen Staubschweif auf. Die hier gezeigte Aufnahme entstand am 26. November 2025 mit dem 8-Meter-Teleskop Gemini North auf dem Mauna Kea in Hawaii und kombiniert vier unterschiedliche Wellenlängenbereiche: Daten im Visuellen bei 475 (blau), 630 (orange) und 780 Nanometern (rot) sowie bei 950 Nanometern im nahen Infrarotbereich. Da das Teleskop der Eigenbewegung des Kometen am Himmel nachgeführt wurde, erscheinen die Hintergrundsterne als Punktreihen. Die bunten Farben ergeben sich daraus, dass der eingesetzte Gemini Multi-Object Spectrograph nicht gleichzeitig alle Farben aufnimmt, sondern nacheinander erfasst.
3I/ATLAS wird nicht mehr lange unseren Himmel zieren, denn er bewegt sich mit einer hohen Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Sekunde (216 000 Kilometern pro Stunde) zurück in den interstellaren Raum. Schon in wenigen Monaten wird er so weit von uns entfernt sein, dass ihn auch die größten und lichtstärksten Teleskope aus dem Blick verlieren. Er wird dann nur noch eine Erinnerung in Öffentlichkeit und Wissenschaft sein. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass er der am besten erkundete der drei bislang gesichteten interstellaren Besucher ist. Man darf gespannt sein, wann das nächste interstellare Objekt, das dann 4I heißen wird, aufgespürt wird – zum Beispiel mit dem Vera C. Rubin Telescope in Chile, das bald in den regulären wissenschaftlichen Betrieb geht.
Neue Augen am Himmel
Im Jahr 2026 werden mehrere Teleskope ihre Arbeit aufnehmen, die unsere Sicht auf den Kosmos für immer verändern könnten. Das Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA soll im Lauf des Jahres in Betrieb genommen werden und großräumige kosmische Strukturen untersuchen, um die rätselhafte Natur von Dunkler Materie und Dunkler Energie zu klären. Und auch das chinesische Xuntian-Weltraumteleskop könnte starten, das ähnliche wissenschaftliche Beobachtungen machen soll. Zudem wird das bodengestützte Vera C. Rubin Observatory seine Panoramabeobachtungen des Himmels im Jahr 2026 verstärken und damit hoffentlich Unmengen neuer Asteroiden, Kometen, Supernovae und anderer vorübergehender Himmelserscheinungen entdecken.
Der Aufstieg wiederverwendbarer Raketentechnik
Die größten Auswirkungen auf die Weltraumforschung werden jedoch höchstwahrscheinlich keine wissenschaftlichen Erkenntnisse haben, sondern die riesigen neuen Raketen. So wird SpaceX seine Flugtests mit dem in der Entwicklung befindlichen Starship fortsetzen, einer vollständig wiederverwendbaren Rakete, welche die größte und leistungsstärkste der Welt sein wird. Nach ihren erfolgreichen Debüts im Jahr 2025 sind zudem weitere Flüge mit den teilweise wiederverwendbaren Raketen New Glenn von Blue Origin und Zhuque-3 des chinesischen kommerziellen Unternehmens LandSpace vorgesehen. Diese könnten dem jahrzehntelangen Monopol von SpaceX auf schnelle, wiederverwendbare orbitale Startdienste ein Ende setzen.
Der kometenhafte Aufstieg wiederverwendbarer Raketen senkt bereits jetzt die Startkosten, während die Anzahl der Raketenstarts in die Höhe schnellt. Das könnte eine aktivere, vielfältigere und stabilere Weltraumwirtschaft ermöglichen, in der es weitaus mehr Möglichkeiten für Wissenschaft und Forschung gibt. Damit könnte 2026 vielleicht als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die frühen Träume einer allgegenwärtigen und routinemäßigen Raumfahrt tatsächlich Wirklichkeit werden.
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