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News: Die Sporen geben

Die meisten Impfstoffe müssen dauerhaft gekühlt und unter sterilen Bedingungen verabreicht werden. Jetzt haben Forscher Bakterien derart gentechnisch verändert, dass sie in ihren Sporen den passenden Impfstoff produzieren und lediglich eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.
Die Sporen geben
In ihren Sporen können Bakterien geologische Zeiträume ausharren, um dann, wenn die Lebensumstände freundlicher werden, erneut ihrem aktiven Leben nachzugehen. So haben Forscher im Hinterleib einer Biene aus einem 25 bis 40 Millionen Jahre alten Bernstein Bakteriensporen wiederbelebt. Im Herbst 2000 berichteten Forscher sogar von lebensfähigen Sporen, die sie in einem 250 Millionen Jahre alten Salzkristall fanden.

Die winzigen, nur einige Mikrometer großen Panzer sind aber womöglich nicht nur dauerhafte Behältnisse, sondern könnten mit ihrer Hülle aus Proteinen auch dem Impfschutz dienlich sein. So haben Forscher um Le Duc vom Royal Holloway University of London jetzt die Sporen des Heubazillus Bacillus subtilis derart manipuliert, dass die kleinen Kapseln in ihren Proteinhüllen einen Tetanusimpfstoff zu transportieren vermochten.

Dabei veränderten sie das Erbgut des Heubazillus, sodass das Bakterium ein Gen für die Produktion der "entgifteten" Form des Tetanustoxins von Clostridium tetani in sich trug. Kurzum: die gentechnisch veränderten Bakterien produzierten nun den Impfstoff gegen Tetanus.

Sodann entzogen die Forscher den Bakterien die Nährlösung und setzten sie auf Diät, woraufhin sich die Mikroben auf die schlechten Zeit einstellten und ihre dauerhaften Sporen bildeten, die ihrerseits von dem Impfstoff umgeben waren. Anschließend wurden diese Sporen Labormäusen unters Futter gemischt oder in deren Atemluft gestäubt.

Nach 33 Tagen hatte die Impfung diese Mäuse gegen Tetanus so resistent gemacht, dass immerhin sieben von acht Mäusen gegen tödliche Dosen des Tetanusgiftes gefeit waren – ein Erfolg der anspornt. Schon bald wollen die Forscher auch Sporen mit dem Impfstoff gegen das "Montezuma-Bakterium" Escherichia coli sowie gegen den Milzbranderreger entwickeln.

Sollten sich solche Sporen irgendwann auch beim Menschen bewähren, wären zahlreiche Probleme herkömmlicher Impfungen endlich Vergangenheit. So müssen derzeit noch die meisten Impfstoffe dauerhaft gekühlt werden. Insbesondere in den armen Ländern der Welt ist dies häufig genauso wenig zu bewerkstelligen wie die sterile Verabreichung des Impfstoffes. Aus diesen Gründen erkranken auch heute noch in jedem Jahr bis zu eine Million Menschen an Tetanus.

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