Direkt zum Inhalt

News: Die Sprache der Musik

Musik ist die Sprache der Musiker. Dies gilt nicht nur im übertragenenen Sinne, wie japanische Neurowissenschaftler jetzt herausfanden. Denn wenn Musiker die Klänge einer Sinfonie hören, regen sich just die Hirnregionen, die für die Verarbeitung der Sprache zuständig sind. Bei unmusikalischen Menschen bleiben die Sprachzentren dagegen stumm.
Andächtig lauschen 28 Personen den Harmonien von Bachs Italienischem Konzert. Ganz ungestört genießen sie jedoch nicht die musikalische Aufführung. Denn sie befinden sich nicht in einem Konzertsaal, sondern sind zu Gast bei Takashi Ohnishi im neurobiologischen Labor des japanischen National Center of Neurology and Psychiatry in Tokio. Der Wissenschaftler interessiert sich nur indirekt für den Barockkomponisten. Er will vielmehr wissen, welche Hirnregionen beim Hören von Musik aktiv werden.

Dazu hat er sein Auditorium mit Bedacht ausgewählt: Ein Teil von ihnen wuchs schon von Kindesbeinen mit Musik auf und bestreitet seinen Lebensunterhalt mit dieser Kunst. Der andere Teil ist eher unbedarft und genießt nur als Laie Bachs Komposition. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Spektroskopie beobachten Ohnishi und seine Mitarbeiter die Hirnaktivitäten ihrer Versuchspersonen.

Bei beiden Versuchsgruppen, den Musikern wie den Nichtmusikern, regte sich während der Aufführung das Planum temporale, eine Region auf der oberen Fläche des Temporallappens, in der die Wahrnehmungen des Gehörs analysiert werden. Diese Region liegt jedoch nicht spiegelbildlich auf beiden Hirnhälften gleich vor, sondern das linke Planum ist meist deutlich größer als sein Gegenstück in der rechten Hirnhälfte. Und das linke Planum hat sich auf die Verarbeitung der menschlichen Sprache konzentriert.

Jetzt zeigte sich, dass bei den Nichtmusikern nur das rechte Planum temporale während der musikalischen Darbietung arbeitete. Bei den Musikern war dagegen die linke Hälfte, also das Sprachzentrum, aktiv. Je früher die Versuchspersonen in ihrer Kindheit mit Musik konfrontiert wurden, desto stärker war die Verlagerung der Hirnaktivität zur linken Seite. Der Grad der Hirnaktivität korrelierte auch mit dem absoluten Gehör der Versuchsteilnehmer, also der Fähigkeit einen einzelnen Ton auch außerhalb des musikalischen Kontextes sicher zu erkennen.

Damit scheint sich die Hirnaktivität mit zunehmendem musikalischen Training zu verändern. "Die musikalischen Erfahrungen während der Kindheit beeinflussen wahrscheinlich die strukturelle Entwicklung des Planum temporale", meint Ohnishi. "Unsere Daten deuten daraufhin, dass das absolute Gehör eher durch Erfahrung erworben als angeboren ist." Diese frühkindliche Erfahrung verwandelt demnach die Musik in die Sprache, in der Komponisten und Musiker sich ausdrücken.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte