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Serie Rohstoffe: Die Stadt als Rohstoffmine

In der Computer- und Mobilfunkbranche droht mittelfristig ein Versorgungsengpass. Dabei liegen riesige Rohstofflager vor unserer Haustür. "Urban Mining" soll es nutzbar machen.
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Knapp 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid haben deutsche Haushalte seit 1990 eingespart. Nicht etwa durch mäßigeres Heizen oder Abschaffung des Zweitwagens. Nein, die Summe, die im Rahmen einer Studie im Auftrag des WWF ermittelt wurde, ist das Ergebnis konsequenter Wiederverwertung. Die Deutschen sind Weltmeister im Abfalltrennen – und das erspart unserer Volkswirtschaft jährlich Kosten in Höhe von knapp vier Milliarden Euro.

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Autofriedhof | Dieses Auto besitzt allenfalls noch ästhetischen Wert und wird nicht mehr recycelt. Insgesamt ist bei Metallen jedoch die Wiederverwertungsquote bereits sehr gut – und hilft den Bedarf der Industrie an Rohstoffen zu decken.
Wie notwendig die Wiederverwertung ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Während Sie diesen Artikel lesen, verbrauchen Sie rein rechnerisch etwa ein halbes Pfund Ressourcen. Ob Energieträger wie Öl oder Gas, natürliche Ressourcen wie Wasser oder Holz, ob Metalle, Kunststoffe oder andere verarbeitete Rohstoffe – der durchschnittliche Deutsche braucht nicht einmal eine Stunde, um ein Kilogramm unserer natürlichen Reserven aufzubrauchen. Und die Tendenz ist steigend. Neben Energieträgern werden vor allem Metalle zu einem immer begehrteren Gut. So rechnen die Experten des Instituts für Zukunftsstudien in Berlin mit einer Verdreifachung der Kupfernachfrage bis zum Jahr 2030. Noch begehrter dürften die seltenen Metalle werden, ohne die in der Handy- und Computerindustrie nichts mehr geht. Tantal etwa, das zur Herstellung von Kondensatoren genutzt wird und dessen natürliche Reserven in nicht einmal 30 Jahren aufgebraucht sein könnten.

Mit dem Schwinden natürlicher Ressourcen gewinnt das Thema Recycling weiter an Bedeutung. Fachleute sprechen von "Urban Mining" und meinen damit das schier unerschöpfliche Rohstoffreservoir, das sich in bereits verarbeiteter Form in den menschlichen Ballungsräumen findet. Ob Kabel, Schienen, Fahrzeuge oder Bauschutt (um nur einige Beispiele zu nennen) – in den Städten finden sich gewaltige Ressourcen, die durch konsequente Wiederverwendung nach Ende ihrer Lebensdauer nutzbar gemacht werden könnten.

Wie groß das Potenzial der Stadt als Rohstoffmine in der Zukunft sein kann, hat Jason Rauch von der Yale University in New Haven unlängst untersucht. Der Forscher nahm die in Städten vorhandenen Reserven von vier der wichtigsten Industriemetalle genauer unter die Lupe: Kupfer, Eisen, Zink und Aluminium. Rauch wertete alle verfügbaren Studien zur Umlaufmenge der Metalle aus und verarbeitete die so gewonnenen Daten zu Weltkarten, in denen die Verteilung sowohl der Metallreserven im Boden als auch der in Nutzung befindlichen Metalle dokumentiert werden. Demnach waren im Jahr 2000 knapp 15 Milliarden Tonnen Eisen, gut 500 Millionen Tonnen Aluminium, 311 Millionen Tonnen Kupfer und gut 200 Millionen Tonnen Zink in Gebrauch.

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Messing | In den Industrieländern wurden schon hunderte Millionen Tonnen an Metallen verbaut – eine ergiebige Quelle fürs Recycling.
Die Karten verdeutlichen, welches Potenzial das "Urban Mining" gerade für die Industrienationen hat: Immerhin 25 Prozent der verarbeiteten Metalle konzentrieren sich in drei der am stärksten industrialisierten Regionen der Erde – in Mitteleuropa, an der Ostküste der USA sowie in Japan und Südkorea. "Auf lange Sicht haben diese Reserven das Potenzial, den Verlust an natürlichen Vorräten auszugleichen", so das Fazit des Wissenschaftlers. Wichtigste Voraussetzung für ein konsequentes "Urban Mining" ist allerdings die genaue Erfassung der tatsächlich in den Städten vorhandenen Metallbestände. Rauchs Daten liefern, wie er selbst einräumt, nur einen ersten, sehr groben Überblick. Der Yale-Forscher plädiert daher für den Aufbau eines Katastersystems, das einen genauen Überblick über die in städtischen Infrastrukturen gebundenen Ressourcen ermöglicht.

Für Deutschland ist eine entsprechende Übersicht bereits in Arbeit. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts erheben Forscher des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie derzeit die nötigen Daten für eine flächendeckende Dokumentation. Noch in diesem Jahr sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden. Dann wird sich erstmals detailliert erfassen lassen, welche Rohstoffschätze hier zu Lande noch zu heben sind.

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  • Quellen
Rauch, J.: From the Cover: Global mapping of Al, Cu, Fe, and Zn in-use stocks and in-ground resources. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 106, S. 18920–18925, 2009.

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