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News: Die Stimme der Mutter

Jungtiere, die in einer Kolonie aufwachsen, müssen die Stimmen ihrer Eltern genau kennen - sonst bekommen sie womöglich nichts zu fressen. Denn bei vielen Säugetierarten kümmern sich die ausgewachsenen Tiere nur um ihren eigenen Nachwuchs. Pelzrobben warten daher mit ihrem ersten Jagdausflug, bis ihre Sprösslinge sicher nur noch auf den mütterlichen Ruf antworten.
Ab dem späten November herrscht auf Amsterdam Island im Indischen Ozean ein wildes Durcheinander: Die Kolonien der Subantarktischen Pelzrobben (Arctocephalus tropicalis) haben Nachwuchs. Nach etwa einer Woche nehmen die Weibchen allerdings ihre Jagdausflüge wieder auf. Zwei bis drei Wochen bleiben sie weg, um dann – den Bauch voller Fische und anderer Beute – zurückzukehren und ihre Jungen zu säugen. Nach drei bis vier Tagen in der Kolonie treibt sie der Hunger dann erneut ins Meer.

Bei ihren kurzen Stippvisiten müssen sie ihre Jungen in der großen Kinderschar sicher wiedererkennen – und der Nachwuchs seine Mutter. Denn wie bei vielen in Gruppen lebenden Säugetieren kümmert sich ein Weibchen ausschließlich um die eigenen Sprösslinge. Wer also von den Eltern nicht wiedergefunden wird, muss kläglich verhungern.

Obwohl die Jungtiere schon bei der Geburt sehen können, erkennen sich Mutter und Kind über die Stimme. Wann aber lernen die Jungen, die vielen, verschiedenen Laute um sich herum zu unterscheiden? Isabelle Charrier und ihre Kollegen vom Centre d'Ecologie functionelle et evolutive spielten neun Robbenjungen Aufnahmen weiblicher Rufe vor. Wenige Stunden nach der Geburt reagierten die Tiere noch auf alle weiblichen Rufe, doch nach zwei bis fünf Tagen antworteten sie nur noch auf die Laute der eigenen Mutter.

Die Methode funktioniert: 10 von 15 Mutter-Kind-Paaren fanden sich nach sieben, die verbleibenden fünf nach spätestens elf Minuten wieder. Und die Mütter sind – wie kaum anders zu erwarten – ganz auf das Wohl ihrer Jungen bedacht. Denn sie verlassen die Kolonie erst, wenn der Nachwuchs fehlerfrei auf ihren Ruf antwortet. Auch wenn es zehn Tage dauert und ihnen noch so sehr der Magen knurrt.

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