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Der Sternenhimmel des Monats: Die Stunde des Bärenhüters

Der Mai bringt Merkur, Mond und das Goldene Tor der Ekliptik zusammen.
Sternenhimmel
Der Sternenhimmel im Mai 2008 | Der Abendsternenhimmel in der ersten Hälfte des Monats Mai um 23:00 Uhr MESZ. Der Rand der Karte entspricht dem Horizont, ihre Mitte dem Punkt über unseren Köpfen (Zenit). Die rote Linie markiert die Ekliptik, entlang der sich der Mond und die Planeten aufhalten. Die Karte ist auch für andere Zeitpunkte geeignet, jedoch weicht dann der beobachtbare Himmelsausschnitt mehr oder weniger von der gezeigten Darstellung ab.
Mit dem nahenden Sommer beginnen die Nächte nun zunehmend später. Wenn es endlich dunkel geworden ist, so gegen 23 Uhr MESZ, hat die große Stunde des Bärenhüters (lateinisch Bootes) geschlagen: Hoch im Süden leuchtet gelb sein Riesenstern Arktur. Tief über dem Südhorizont funkelt dagegen Spica, Hauptstern der Jungfrau, und im Südwesten bereitet sich der Löwe schon langsam auf seinen Abgang vor. Hoch über uns hat auch der Große Bär den Meridian schon passiert. Dafür kommt bald der Kleine Bär, zu dem auch der Polarstern gehört, in seine höchste Stellung im Norden. In ihrer tiefsten Stellung über dem Nordhorizont befindet sich dagegen jetzt die markante Kassiopeia, das "Himmels-W".

Wenn wir uns vom Bootes nun ein kleines Stückchen nach Osten wenden, so sehen wir dort das schöne, kleine Sternbild Nördliche Krone (lateinisch Corona Borealis). Ein wenig weiter, hoch über den Südosthorizont, folgt der kräftige Herkules. Die zweite Hälfte der Mainacht gehört dem nahenden Sommer, der sich in Form des über dem Osthorizont aufsteigenden Sommerdreiecks ankündigt: Wega in der Leier steht am allerhöchsten, tief unter ihr Atair im Adler, während Deneb mit dem Schwan weiter nordöstlich aufsteigt.

Sternbild Kassiopeia | Die fünf hellsten Sterne der Kassiopeia bilden das charakteristische, etwas verzogene »W«.
Bei gutem Südhorizont können Sie ab 1 Uhr MESZ auch den Kopf des Skorpions bewundern, markiert durch den orangefarbenen Riesenstern Antares. Hellgelb strahlend arbeitet sich Jupiter tief im Südosten aus dem Horizontdunst. Gegen Ende einer schön dunklen, klaren Nacht können wir hier die südliche Sommermilchstraße aufsteigen sehen. Für norddeutsche Sternfreunde, die in den nächsten beiden Monaten von Mitternachtsdämmerung geplagt werden, ist dies die beste Beobachtungsgelegenheit für die prächtigen Objekte in dieser Region.

Der Lauf des Mondes

In der Morgendämmerung des 3. Mai können wir die schmale Sichel des abnehmenden Mondes zum letzten Mal vor Neumond am 5. sehen. Schon 31 Stunden später zeigt sich die Sichel des zunehmenden Mondes tief am westlichen Horizont. Links von ihr können wir den innersten Planeten Merkur sehen, der mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,3 mag recht auffällig ist. Die beiden Himmelskörper halten sich zwischen den beiden offenen Sternhaufen der Hyaden und der Plejaden im Sternbild Stier auf. Dabei befinden sich die Hyaden südlich der Erdbahnebene, der Ekliptik, die Plejaden nördlich davon.

Mai-Kalender

5. 5. Neumond (14.19 Uhr)
6. 5. Mond bei Merkur, den Plejaden und Hyaden
10. 5. Mond zwischen Mars und Praesepe
12. 5. Mond bei Saturn und Regulus (22:30 Uhr)
20. 5. Vollmond (04:12 Uhr)
24. 5. Mond bei Jupiter
28. 5. letztes Mondviertel (0:45 Uhr)
Die Position zwischen den beiden Sternhaufen wird seit der Antike als das "Goldene Tor der Ekliptik" bezeichnet. Am 9. Mai wandert der Erdtrabant durch das Sternbild Zwillinge, einen Tag später nähert er sich dem roten Planeten Mars bis auf 2,8 Grad an. Am 12. Mai ist der zunehmende Halbmond, das Erste Viertel erreicht, er befindet sich rund 3,2 Grad von Saturn und 2,1 Grad vom Stern Regulus entfernt. Am 16. Mai finden wir den Mond im Sternbild Jungfrau, vier Tage später ist Vollmond. Am 21. Mai nähert sich der Erdtrabant gegen Mitternacht bis auf ein Grad dem Roten Riesen Antares im Sternbild Skorpion an. Den abnehmenden Halbmond, das Letzte Viertel, erreicht der Erdbegleiter am 28. Mai.

Die Planeten

Der Planet Merkur ist in diesem Monat am Abendhimmel gut zu sehen. Im Mai steht die Ekliptik sehr steil zum westlichen Horizont, und der sonnennächste Planet erreicht am 14. Mai während seiner östlichen Elongation mit maximal 21,8 Grad einen respektablen Abstand zum Tagesgestirn. Am Monatsanfang geht der -0,9 mag helle Planet um 22:19 Uhr unter (alle Zeiten sind in MESZ und beziehen sich auf Frankfurt am Main).

Ab etwa 21 Uhr ist es dunkel genug, um Merkur in der Abenddämmerung tief am westlichen Horizont mit dem bloßen Auge zu finden. Gegen 22 Uhr dürfte er dann von den dichten Dunstschichten in Horizontnähe verschluckt werden. Am besten lässt sich der sonnennächste Planet im Zeitraum vom 6. bis zum 9. Mai beobachten. Am 7. Mai geht Merkur erst um 22:51 Uhr unter, er ist dann rund -0,3 mag hell. Bis zur maximalen östlichen Elongation am 14. Mai fällt die scheinbare Helligkeit des Planeten deutlich auf 0,5 mag ab, an diesem Tag geht Merkur um 23:07 Uhr unter. Zuletzt können wir Merkur am 19. Mai am Abendhimmel aufspüren, er ist dann nur noch 1,2 mag hell. Im Fernrohr zeigt sich am 9. Mai das nur 7,1 Bogensekunden große Scheibchen zur Hälfte beleuchtet, der Planet hat die Dichotomie erreicht.

Venus ist in diesem Monat nicht zu beobachten, sie nähert sich immer mehr der Sonne an, der sie im Tierkreis hinterherläuft. Die Konjunktion wird aber erst am 9. Juni erreicht.

Mars befindet sich zu Monatsanfang im Sternbild Zwillinge und wechselt am 5. Mai ins Sternbild Krebs über. Er lässt sich in der ersten Nachthälfte aufsuchen, allerdings verschlechtern sich seine Beobachtungsbedingungen rapide. Am Monatsanfang geht der Rote Planet um 2:39 Uhr unter, am Monatsende schon um 1:22 Uhr. Dann leuchtet er nur noch mit +1,5 mag. Der scheinbare Durchmesser fällt Ende Mai auf fünf Bogensekunden, damit wird Mars selbst in großen Teleskopen für detaillierte Beobachtungen seiner Oberfläche zu klein. Der Marsglobus zeigt sich zu etwa 90 Prozent beleuchtet.

Der Riesenplanet Jupiter stoppt am 9. Mai seine rechtläufige Bewegung durch das Sternbild Schütze und beginnt mit seiner Oppositionsschleife. Nach diesem Datum bewegt er sich rückläufig durch den Tierkreis. Zu Monatsanfang geht Jupiter um 2:08 Uhr auf, am Monatsletzten bereits um 0:04 Uhr. Der scheinbare Durchmesser des Riesenplaneten beträgt am 31. Mai 45 Bogensekunden, die scheinbare Helligkeit liegt dann bei -2,6 mag.

Der Ringplanet Saturn schleicht rückläufig durch das Sternbild Löwe und kommt am 3. Mai zum Stillstand. Danach läuft er wieder rechtläufig durch das Sternbild, die Oppositionsperiode ist nun zu Ende. Aber noch ist der Ringplanet gut mit dem Fernrohr zu beobachten. Am Monatsanfang geht er um 4:05 Uhr unter, am Monatsende um 2:08 Uhr. Er ist damit das Highlight der ersten Nachthälfte. Am Monatsende leuchtet Saturn mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,7 mag. Der zunehmende Halbmond beehrt Saturn in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai mit einer Annäherung auf rund drei Grad.

Uranus befindet sich noch zu dicht an der Sonne und lässt sich im Mai nicht beobachten.

Neptun kommt am 26. Mai im Sternbild Steinbock zum Stillstand und beginnt mit seiner Oppositionsperiode. Am 31. geht Neptun um 1:35 Uhr auf und leuchtet mit einer Helligkeit von 7,9 mag.

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