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News: Die Suche nach Strichen im Bild

Astronomen sind durch Zufall in ein ungewöhnliches Revier für die Jagd auf Asteroide getappt: Im Archiv des Hubble-Teleskops haben sie Unmengen von Bildern mit leuchtenden Strichen gefunden. Dabei handelt es sich um die Spuren von kleinen Asteroiden, die während langbelichteter Aufnahmen durch das Bildfeld zogen.
Neuesten Berechnungen der Astronomen vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) zufolge wird der Asteroid 1997 XF11 die Erde im Oktober 2028 wohl doch in einer viel größeren Entfernung passieren, als Wissenschaftler zunächst vermutet haben. Nach Auswertung von Aufnahmen des Palomar Observatory aus dem Jahre 1990 kamen Donald K. Yeomans und Paul W. Chodas zu dem Schluß, daß gute 960 000 Kilometer zwischen der Erde und dem Asteroiden liegen werden. Ein Zusammenstoß kann nach ihrer Ansicht ausgeschlossen werden.

Zu der Zeit, als die jetzt zu Rate gezogenen Bilder gemacht wurden, war 1997 XF11 noch gar nicht entdeckt. Das eigentliche Ziel der langbelichteten Fotos waren weiter entfernte Himmelsobjekte. Der Asteroid zog bloß gerade zufällig vorbei, ohne weiter beachtet zu werden. Seit kurzem nutzen Astronomen verstärkt Archivbilder, um die ungeheure Fülle der Kleinplaneten in unserem Sonnensystem zu kartographieren. Besonders schöne und ergiebige Quellen bietet ihnen das Hubble Weltraumteleskop.

Die Jagd von Robin Evans und Karl Stapelfeldt vom JPL hat zu einem beträchtlichen Fang von rund 1000 kleiner Asteroide geführt. Ihre vorläufige Analyse deutet darauf hin, daß insgesamt 300 000 Kleinplaneten – im wesentlichen Felsbrocken mit einem Durchmesser von einem bis drei Kilometern – zwischen Mars und Jupiter kreisen. Bisher sind die Umlaufbahnen von 8 319 Asteroiden in diesem Hauptgürtel der Planetoiden vermessen worden, ungefähr die selbe Anzahl von Asteroiden wurde schon gesichtet, ihre Entdeckung aber noch nicht bestätigt.

Über einen Zeitraum von drei Jahren haben die beiden Astronomen und ihre Mitarbeiter mehr als 28 000 Bilder der Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) durchforstet, auf der Suche nach breiten, verschlungenen Lichtstreifen – im Teleskop eindeutige Anzeichen für Asteroide. Die meisten, die sie fanden, sind zu schwach, um mit Hilfe derzeit auf der Erde angesiedelter Suchprogramme beobachtet zu werden. Das Hubble-Teleskop fängt diese Bilder rein zufällig ein: Asteroide in der Nähe wandern irgendwann zwangsläufig durch das Blickfeld, während andere Ziele mit höherer Priorität beobachtet werden.

"Die Archivbilder sind ziemlich gleichmäßig über den Himmel verteilt. Deshalb spiegelt die Anzahl und Position der gefundenen Asteroide die wirklichen Verhältnisse am Himmel wider", sagte Evans. "Wie erwartet, sehen wir eine Konzentration der Asteroide in Richtung der Ekliptik [der Erdbahn um die Sonne, Anm.], und wir sehen kleine Asteroide, weil sie am zahlreichsten sind. Diese kleinen Asteroiden des Hauptgürtels haben die größte Chance, von ihren größeren Nachbarn auf einen Kurs Richtung Erde gelenkt zu werden."

Eine exakte Zählung der Asteroide ist wichtiger Teil von Berechnungen, wieviele dieser kleinen Körper möglicherweise für die Erde eine Gefahr darstellen. Die neuen Informationen der Hubble-Archive könnten Wissenschaftlern helfen, das Risiko besser abzuschätzen, das die Asteroiden für die Erde darstellen.

Die Hubble-Bilder fangen einen Asteroiden als langen Strich ein, der dadurch entsteht, daß sich der Asteroid durch das Blickfeld der Kamera bewegt. Die Krümmung der Linien resultiert aus der Bewegung des Teleskops um die Erde. Sie ermöglichte es den Wissenschaftlern, die Entfernungen und Größen der Asteroiden zu bestimmen.

Nach Ansicht von Evans und Stapelfeldt beschränken die Daten des Bilderarchives auch die maximale Anzahl der kleinen Kometen, die sehr nahe an der Erde vorbeiziehen könnten. Im Jahre 1997 meldete Louis A. Frank von der University of Iowa unter Verwendung von Daten des Polar Spacecraft, er hätte Hinweise gefunden, daß ungefähr ein Dutzend kleiner Kometen pro Minute in die obere Atmosphäre der Erde einschlägt. Evans und Stapelfeldt glauben, daß diese kleinen Kometen hell genug sein müßten, um Tausende von nachweisbaren Spuren auf den Hubble-Bildern zu hinterlassen – zu entdecken waren die aber nicht.

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