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Polynesien: Die Süßkartoffel als Geisterfahrer

Wie die Süßkartoffel den Sprung von Amerika nach Polynesien schaffte, ist nach wie vor mysteriös. Forscher um Álvaro Montenegro schlossen jetzt aus, dass im Wasser oder auf Treibholz schwimmende Samen die Überfahrt machten. Auf einem Segelboot könnten sie aber durchaus in die Region gedriftet sein – auch ohne gezielte Navigation.

Mit Modellrechnungen zur Wind- und Strömungsdrift wiesen die Forscher von der University of Victoria jetzt nach, dass Süßkartoffelknollen oder -samen dann per Zufall in die südpazifische Inselregion gelangt sein könnten, wenn sie den zusätzlichen Schub durch Wind genutzt hätten, beispielsweise an Bord eines Boots, das unbemannt aufs offene Meer getrieben wurde oder dessen Mannschaft die Reise nicht überlebte.

Neben dem Vogelzug galten bislang meist kulturelle Kontakte früher Seefahrer als einzig mögliche Erklärung dafür, dass sich die ursprünglich in Süd- und Mittelamerika beheimateten Süßkartoffeln ab dem elften oder zwölften Jahrhundert n. Chr. – und damit lange vor Ankunft der Europäer – auch im Südpazifik verbreiteten. Den Simulationen zufolge sei es zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht unabdingbar, dass ein Kulturaustausch stattgefunden habe, so die Forscher.

Einen der verblüffendsten Belege dafür, dass tatsächlich Menschen an Bord des fraglichen Schiffs waren, bietet die Linguistik: Auf beiden Seiten des Ozeans könnte der Name der Knolle die gleiche Wurzel haben – in der Inka-Sprache Quechua heißt sie »cumal« oder »cumar«, im Proto-Polynesischen »kumala«.

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