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News: Die tägliche Dosis Aspirin gegen den Krebs

Aspirin ist eine der Wunderdrogen des zwanzigsten Jahrhunderts. Seit seiner Entdeckung, wurde es eingesetzt zur Fiebersenkung, Entzündungshemmung und in jüngster Zeit zum Schutz gegen Schlaganfall und Herzattacken. Dieses 'Allheilmittel' scheint sich nun auch als Möglichkeit zur Behandlung von Krebs herauszukristallisieren. Bei Dickdarmkrebs führt eine Behandlung mit Aspirin zu einer Halbierung der Todesrate. Der Grund dafür scheint zu sein, daß Aspirin die Produktion des Enzyms Cyclooxygenase hemmt.
Die Wissenschaftler Raymond DuBois und seine Kollegen vom Vanderbilt University Medical Center, Nashville, Tennessee, beschreiben in Cell vom 29. Mai 1998 ihre neuesten Forschungsergebnisse. Sie behandelten Menschen mit colorektalem Krebs (Dickdarmkrebs) mit nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (nonsteroidal anti-inflammatory drugs – NSAIDs) wie Aspirin. Dies führte nahezu zu einer Halbierung der Todesrate. Die Forscher sehen den Zusammenhang darin, daß Aspirin die Produktion des Enzyms, Cyclooxygenase hemmt. Bei 80 Prozent der Fälle von Dickdarmkrebs fanden sie erhöhte Konzentrationen an Cyclooxygenase in Tumorgewebe, verglichen mit gesundem Gewebe. Daraus schlossen DuBois und seine Mitarbeiter, daß Cyclooxygenase mit der Tumorbildung zusammenhängen muß.

Um dies zu untersuchen züchteten sie im Labor Tumorzellen zusammen mit endothelialen Zellen, die den Dickdarm auskleiden, und überwachten die Auswirkungen, welche die Zellen aufeinander haben. Sie fanden, daß Cyclooxygenase die Produktion der angiogenen Faktoren, sowohl der endothelialen, als auch der Tumorzellen, stimulierte. Diese Faktoren bewirken Angiogenese – die Verbindung endothelialer Zellen zur Bildung neuer Blutgefäße. Die Gefäßnetzwerke versorgen Tumore mit lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff. Ohne diese Ernährung werden sie nicht größer als zwei bis drei Millimeter.

Cyclooxygenase kommt in zwei eng verwandten Formen vor: COX-1 und COX-2. Diese scheinen leicht unterschiedliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Tumoren zu haben. Während COX-2 hauptsächlich von Tumorzellen hergestellt wird, stammt COX-1 aus den endothelialen Zellen selbst. Noch wichtiger: Die angiogenen Faktoren der Tumorzellen, deren Produktion durch COX-2 stimuliert wird, können auch direkt auf COX-1 einwirken, und so die Produktion angiogener Faktoren in den endothelialen Zellen ankurbeln. Wie paßt nun Aspirin in dieses Bild? Weil es sowohl COX-1 als auch COX-2 hemmt, kann Aspirin eine Cyclooxygenase-vermittelte Angiogenese vermeiden. Das heißt nicht, daß die angiogenen Faktoren nicht erzeugt werden. Aspirin sollte aber durch die Hemmung von COX-1 und COX-2 zumindest sicherstellen, daß die Konzentrationen dieser Faktoren im Tumor viel niedriger als ohne Medikament ist.

Und obwohl Aspirin Nebenwirkungen wie Ekel und Blutungen im Magen-Darm-Trakt verursacht, bleibt es eines der wirksamsten und am sichersten heilenden Medikamente – wichtige Argumente für jede neue Therapie von Krebs.

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