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Atmosphärische Zirkulation: Die unterschätzte Ursache der europäischen Dürre

Seit den 1980er-Jahren werden Europas Sommer immer trockener. Verantwortlich für ausgedorrte Böden sind nicht nur höhere Temperaturen, sondern auch veränderte Wettermuster.
Eine ausgetrocknete Landschaft mit rissigem Boden unter einem klaren Himmel. Im Hintergrund sind einige kahle Sträucher und Hügel zu sehen. Die Sonne steht tief am Himmel und wirft Strahlen durch die Wolken, was eine dramatische Beleuchtung erzeugt. Das Bild vermittelt ein Gefühl von Trockenheit und Dürre.
Vor allem im Südwesten Deutschlands gibt es ein großes Niederschlagsdefizit in der ersten Hälfte des Jahres 2026. Für ein Ende der Trockenheit bräuchte es großflächige und länger anhaltenden Regen – der ist allerdings nicht in Sicht.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich das Sommerwetter in Europa spürbar verändert: Es ist zunehmend heißer und trockener. Warum das so ist, schien weitgehend klar zu sein. Wegen der steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels verdunstet mehr Wasser; Böden trocknen daraufhin aus. Doch die zunehmende Dürre in Europa ist nicht allein eine Folge des Temperaturanstiegs. Die Trockenheit geht offenbar zu einem überraschend großen Teil darauf zurück, dass sich großräumige Wetter- und Luftströmungsmuster verändert haben. Zu diesem Schluss kommen die Klimaforscher István Dunkl, Ana Bastos und Sebastian Sippel vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig in einer Studie, die im Fachmagazin »Nature Geoscience« erschienen ist. Seit den 1980er-Jahren haben demnach großräumige, stabile Hochdruckgebiete zugenommen. Die Folge: Regen bleibt aus und Hitze wird begünstigt. Zu rund 55 Prozent lässt sich der beobachtete Rückgang der Bodenfeuchte in Europa darauf zurückführen.

Die Forschenden wollten wissen, warum Dürren in Europa häufiger und intensiver geworden sind. Dazu nutzten sie Klimasimulationen, mit denen sich der Einfluss der allgemeinen Erwärmung von den Auswirkungen der Wetterdynamik trennen lässt. Dabei stellten sie fest, dass sogenannte antizyklonale Hochdrucklagen, die warmes und trockenes Wetter begünstigen, in Mitteleuropa seit den 1980er-Jahren gehäuft auftreten. Gleichzeitig wurden niederschlagsreiche Wetterlagen seltener. Diese Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation erklären nicht nur, warum die Böden austrocknen, sondern auch, woher etwa 42 Prozent des beobachteten Anstiegs des Dampfdruckdefizits kommen. Der Wert beschreibt vereinfacht gesagt, wie gut die Atmosphäre zusätzliches Wasser aufnehmen und wie stark sie Feuchtigkeit aus Böden und Pflanzen ziehen kann.

Besonders brisant: Die veränderten Wetterlagen verstärken die Auswirkungen der Erwärmung zusätzlich. In ohnehin trockenen und warmen Sommern fällt der Effekt besonders stark ins Gewicht. Die Atmosphäre kann dann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Dadurch verschärfen sich Dürrebedingungen und Hitzeextreme gegenseitig

Für die Zukunft ergibt sich daraus eine entscheidende Unsicherheit. Noch ist unklar, ob die beobachteten Zirkulationsänderungen überwiegend durch den Klimawandel verursacht wurden oder die Folge natürlicher Klimaschwankungen sind. Im ersten Fall könnte sich die Austrocknung Europas weiter beschleunigen. Im zweiten Fall wäre zumindest zeitweise eine gegenläufige Entwicklung denkbar. Die Autorinnen und Autoren sehen deshalb Forschungsbedarf, um den Ursprung der veränderten Wetterlagen besser zu verstehen und die Risiken künftiger Dürren genauer abzuschätzen.

  • Quellen

Dunkl, I., Bastos, A., Sippel, S., Nature Geoscience 10.1038/s41561–026–02050-w, 2026

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