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News: Die wahren Bösewichte sind Viren

Der Erreger der Cholera ist ein Bakterium. Allerdings ist dieses Bakterium alleine harmlos. Erst wenn gleich zwei Viren ihr Erbgut auf den Mikroorganismus übertragen haben, entwickelt dieser seine pathogenen Eigenschaften. Die Aufgabe des ersten Virus ist es, für sich selbst und seinen Partner den Weg in die Bakterienzelle zu bereiten. Erst die zweite Art von Virus trägt dann die genetischen Informationen, um Cholera hervorzurufen. Anscheinend ist also das Bakterium selbst das erste Opfer der Krankheit.
"Wir haben einen Schlüsselfaktor im Entstehungsprozeß vieler epidemischer bakterieller Krankheitserreger entdeckt", sagt David K.R. Karaolis von der University of Maryland School of Medicine. "Es ist wie ein Viren-Komplott, das ansonsten friedliche bakterielle Stämme in gefährliche Pathogene verwandelt."

Zusammen mit Kollegen beschreibt Karaolis in Nature vom 27. Mai 1999, wie das Bakterium Vibrio cholerae von einem friedlichen Zeitgenossen zum gefürchteten Erreger der Cholera wird. Als erstes wird der harmlose Mikroorganismus von dem Virus VPIphi infiziert. Dessen Gene veranlassen das Bakterium, neue Viren zu bilden und diese auf seiner Zellmembran zu präsentieren. Ein zweites Virus mit dem Namen CTXphi erkennt die Strukturen, bindet daran und injiziert seine Gene in die Zelle. Erst sie tragen den Bauplan für das Cholera-Toxin. Sobald die Information abgelesen wird und der Enzymapparat des Bakteriums das Gift produziert, ruft diese Vibrio cholera-Zelle die Erkrankung hervor.

Im Falle des Cholera-Bakteriums handelt es sich außerdem bei der als Typ IV-Pilus bezeichneten Oberflächenstruktur, mit deren Hilfe die Mikrobe ihren Wirt besiedelt, eigentlich um Kopien der Proteinhülle von VPIphi. Ähnliche Gebilde sind von einer Reihe bakterieller Pathogene bekannt. Zudem besitzen viele Krankheitserreger einen Gencluster, der als "Pathogenitätsinsel" bezeichnet wird und die Erbinformation trägt, um eine Krankheit auszulösen und zu kontrollieren. "Das impliziert, daß Pathogenitätsinseln in anderen Bakterien ebenfalls von Viren stammen könnten", meint Karaolis.

Vielleicht sind Bakterien also weniger die Täter als vielmehr die ersten Opfer einer Krankheit. Auf jeden Fall eröffnen sich durch die Ergebnisse neue Ansatzstellen für vorbeugende und therapeutische Maßnahmen gegen Cholera und eventuell weitere Seuchen.

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