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News: Die Wege der kosmischen Energie

Im Juli oder August des Jahres 1054 erstrahlte für mehrere Wochen ein neuer Stern am Himmel, der so hell war, daß die Menschen ihn sogar am Tag beobachten konnten. Eigentlich war das Ereignis weniger die Geburt als vielmehr der Tod eines Sterns. Er explodierte in einer gewaltigen Supernova, die einen rotierenden Neutronenstern und einen planetaren Nebel zurückließen. Das neue Röntgenteleskop Chandra hat das Zentrum dieses als Krebsnebel bekannten Objektes nun genauer betrachtet und Fotos gemacht, mit deren Hilfe Wissenschaftler bestimmen wollen, auf welchem Weg die Energie des Neutronensterns in die Randbereiche gelangt.
Seit 1968 ist bekannt, daß sich im Zentrum des Krebsnebels ein Pulsar befindet – ein Neutronenstern, der dreißigmal in der Sekunde um seine eigene Achse rotiert und dabei Radiowellen ausstrahlt. Doch wegen der bizarren Struktur des planetaren Nebels konnten Wissenschaftler diese Überreste der Supernova aus dem Jahre 1054 bislang nicht genauer betrachten.

Martin Weisskopf vom Marshall Space Flight Center in Huntsville ist aber zuversichtlich, daß der neue Röntgensatellit Chandra den Schleier lüften kann. Auf einer Pressekonferenz am 28. September 1999 präsentierte er die ersten Aufnahmen, die Chandra vom Zentrum des Nebels gemacht hat.

Von besonderem Interesse für die Forscher sind die im Röntgenlicht hell strahlenden Ringstrukturen um den Pulsar. Sie befinden sich in nur etwa einem Drittel Lichtjahr Entfernung vom Neutronenstern und sind vermutlich Anzeichen von Elektronen und Positronen, die vom Magnetfeld des Pulsars fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Die Teilchen bewegen sich dabei auf Spiralbahnen und senden Röntgenstrahlen aus. Diese Energie bringt schließlich die fädigen Strukturen des Nebels zum Leuchten.

Die Aufnahme zeigt die inneren vierzig Prozent des Nebels. Zusammen mit weiteren Bildern wird sie Theoretikern als Grundlage für Modelle dienen, die den Weg der Energie genauer beschreiben. "Diese bemerkenswerten Bilder geben uns wohl definitive Hinweise, wie der Neutronenstern Energie an die Umgebung verliert", sagt Weisskopf.

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