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News: Die wissen, wo es lang geht

Viele Tiere legen auf ihren Wegen hin zu Nahrungsgründen, Winterquartieren oder Laichplätzen oft mehrere tausend Kilometer zurück. Dass das Erdmagnetfeld vor allem Wirbeltieren bei der Orientierung hilft, wird schon lange vermutet. Jetzt fanden Forscher heraus, dass sich die Nestlinge der Unechten Karettschildkröte sogar schon bei ihrer ersten Reise durch den Atlantik am Magnetfeld orientieren.
<I>Caretta caretta</I>
Einst verschüttete Pallas Athene etwas vom Göttertrunk Ambrosia. Eine Schildkröte trank davon und wurde unsterblich. Die alte Legende spiegelt das Staunen der Menschen früherer Zeiten über die hohe Lebenserwartung der Tiere wider. Caretta caretta, die unechte Karettschildkröte, kann bis zu 80 Jahren alt werden. In diesem langen Leben schwimmt sie viele tausend Kilometer.

Ihr Nachwuchs kommt an Land zur Welt. Den kurzen Weg ins Wasser überleben zwar nur knapp zwei Drittel der Nestlinge, im Meer angekommen, wissen sie aber, wo es lang geht: Bei rund 13 000 Kilometern Wanderweg durch den Atlantik, den die in Florida geborenen Schildkröten zurücklegen, ist eine gute Orientierung unabdingbar. Doch von ihren Eltern lernen sie dies nicht.

Um ihre vermutlich angeborene Orientierungsfähigkeit im Erdmagnetfeld zu beweisen, setzten Kenneth Lohmann und seine Kollegen von der University of North Carolina in Chapel Hill frisch geschlüpfte Unechte Karettschildkröten in einem Bassin dem Einfluss künstlicher Magnetfelder aus. Dabei simulierten sie drei geographisch weit voneinander entfernte regionale Magnetfelder über einer wirbelförmigen Strömung in der Sargasso-See, in deren nährstoffreichem Wasser die Schildkröten leben.

Die Tiere vollzogen im Versuch die gleichen Richtungsänderungen wie auf hoher See, wobei Caretta caretta keine Gelegenheit hat, ihre Route zu erlernen: Jeder Irrtum wäre tödlich. Zum Beispiel, wenn die nördliche Ecke des Wirbels Portugal erreicht und sich die Strömungen teilen. Bei absinkenden Wassertemperaturen im nördlichen Arm sterben verdriftete Schildkröten schnell. Die Tiere verfügen daher aller Wahrscheinlichkeit nach über einen angeborenen Sensor für das Magnetfeld.

Die Wissenschaftler sehen ihre Ergebnisse nicht im Widerspruch zu der sich im Laufe der Erdgeschichte immer wieder umkehrenden Polarisation des Erdmagnetfeldes. Starker Selektionsdruck auf die seit 200 Millionen Jahren existierenden Schildkröten führte bei einer Umkehrung des Feldes wahrscheinlich bisher zu ihrem Überleben, so Lohmann.

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