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Ökologie: Die Wüste blüht wieder

Der kalifornische Winter war feucht - und das ermöglicht nun ein kurzzeitiges Spektakel: Blumen blühen massenhaft in den Trockengebieten.
Gelber Mohn in Kaliforniens WüstengebietenLaden...

Naturenthusiasten und Fotografen zieht es gerade in großer Zahl in die südkalifornische Anza-Borrego-Wüste: Ein bislang feuchter Winter gefolgt von wärmeren Wetter sorgt dort für eine »Superblüte«. Massenhaft wachsen und blühen pinkfarbene Bigelow-Affenblumen (Mimulus bigelovii), gelboranger Parish-Mohn (Eschscholzia parishii), magentafarbene Sandverbenen (Abronia umbellata), weiße Monotropa uniflora und gelbe Nachtkerzen der Gattung Oenothera. Ein dichter Blütenteppich überzieht Hänge und Täler des Anza-Borrego Desert State Park, wie Bilder in sozialen Medien zeigen. Es ist die zweite Superblüte in den letzten drei Jahren; zuvor lockte das Ereignis 2017 Schaulustige an – im Mittel kommen Superblüten nur alle zehn Jahre in der Region vor.

Viele Wüstenpflanzen sind an diese extremen Bedingungen angepasst. Sie besitzen Samen mit dicker Schale oder einer Wachsschicht, mit der sie teilweise jahrzehntelang im Wüstenboden überdauern können. Fällt in einer Saison ausreichend Regen, entwickeln sie sich in kurzer Zeit zu erwachsenen Pflanzen und zur Samenreife, so dass für die nächste Generation gesorgt ist. Bisweilen tauchen auch Arten auf, die man für ausgestorben hielt, die aber im Untergrund noch vorhanden war. Die Pflanzen locken zahlreiche Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge an, die in der Wüste sonst ebenfalls selten sind. Das Schauspiel dauert allerdings nur relativ kurze Zeit, dann sorgen steigende Temperaturen und vor allem Trockenheit dafür, dass die Pflanzen absterben.

2019 scheint allerdings besonders gute Bedingungen zu bieten. Da vorerst keine Hitzewelle und Dürre in Sicht scheinen, könnte es die beste Superblüte der letzten Jahrzehnte geben, so Mike McElhatton vom State Park gegenüber der US-Wetterseite »AccuWeather«. Während der letzten fünf Monate habe es regelmäßig auch im südlichen Kalifornien geregnet, so dass der Winter ausgesprochen nass war und der Boden gut durchfeuchtet ist. Deshalb stünden auch große Teile des Parks in voller Blüte, nicht nur einzelne kleinere Areale wie in »normalen« Jahren.

Superblüten kennt man auch aus anderen Wüstenregionen der Erde. Selbst in der knochentrockenen Atacama kann dies in starken El-Niño-Jahren der Fall sein. Für andere Bestandteile des Ökosystems sind die Regenfälle allerdings auch nachteilig: Die Bakteriengemeinschaften der Atacama etwa verändern sich dadurch grundlegend – aber das gehört zum natürlichen Zyklus der Wüste.

11/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11/2019

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