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News: Die Zahl Blau

Sehen Sie auch immer blau, wenn Sie eine "5" vor sich haben und bei "2" sehen Sie rot? Dann besitzen Sie die seltene Gabe, verschiedene Sinneseindrücke miteinander zu koppeln. Bisher war unklar, ob dabei nicht nur gelernte Verknüpfungen aus der Kindheit wiederbelebt werden. Nun mehren sich die Hinweise, dass Zahlen tatsächlich echte Farbempfindungen auslösen können. Die Forscher vermuten, die Areale im Gehirn, die Farben und Zahlen erkennen, liegen eng zusammen und besitzen eine direkte Verbindung.
Wenn ein Mensch verschiedene Sinneseindrücke miteinander verbindet, sprechen Wissenschaftler von Synästhesie. So kann beispielsweise jemand Töne hören, wenn er Farben sieht oder umgekehrt eine Farbe sehen, wenn sein Blick auf eine Zahl fällt. Welche Farbe man erlebt, ist von Person zu Person unterschiedlich: Die eine sieht bei "5" lila, die andere blau. Aber wenn eine Farbe erst einmal an einer Zahl hängt, sieht die Person immer nur diese Farbe. Ed Hubbard und Vilayanur Ramachandran von der University of California in San Diego haben nun Tests ausgeführt, um zu untersuchen, wie und wann Zahlen die Farbeindrücke auslösen.

Zwei Freiwillige mit Farb-Zahlen-Synästhesie stellten sich für die Tests zur Verfügung. Zunächst legten die Wissenschaftler ihnen Bilder mit 2en und 5en vor, die spiegelbildlich zueinander angeordnet waren. Die 5en waren durcheinander gestreut, während die 2en Muster bildeten wie Kreise oder Dreiecke, vergleichbar den Musteranordnungen in dem Ishihara-Test zur Farbenfehlsichtigkeit. Normale Menschen sahen in dem Zahlen-Farb-Test zunächst nur ein Durcheinander, während die Synästhetiker die Muster aus den 2en sofort erkannten. Im zweiten Test zeigte sich, dass zwar arabische Zahlen ein Farbempfinden auslösen, nicht aber römische Zahlen. In dem dritten Test schließlich wurde eine 5 zunächst im Zentrum des Blickfeldes im Vordergrund angezeigt und wanderte dann Schritt für Schritt an den Rand. Ab einer bestimmten Entfernung zum Mittelpunkt verschwand der Farbeindruck bei den Testpersonen. Dann half es auch nicht, wenn die Zahlen größer oder heller wurden.

Die Wissenschaftler lesen aus den Test-Ergebnissen, dass die Farbeindrücke durch die Zahlen echt und authentisch sind. Da die römischen Zahlen "farblos" blieben, schlossen sie, dass das Bild der Zahl die Empfindung auslöst und nicht ihr Inhalt. Und "es ist auch keine Gedächtnisleistung", sagt Ramachandran. Da erst so wenig über Synästhesie bekannt ist, sind alle Resultate wertvoll. Ramachandran nimmt an, dass die Zentren im Gehirn eng beieinander liegen, welche die Farben und Zahlen erkennen und die Information verarbeiten. Vermutlich gibt es direkte Verbindungen zwischen diesen Zentren. Im nächsten Schritt will er diese Vermutung überprüfen und dafür bildgebende Methoden einsetzen, die Gehirntätigkeiten sichtbar machen.

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