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Sozialpsychologie: Die Zeit heilt den Neid

Das Glück der Mitmenschen ist besser zu ertragen, wenn sie es schon hinter sich haben.
Ein goldener Pokal vor glitzernden LichternLaden...

Wer keinen Neid erwecken möchte, sollte sein Glück besser erst im Nachgang bejubeln. Das schließen Forscher von der University of Chicago aus einer Studienreihe, die sie jetzt in »Psychological Science« schildern. Die Ökonomen um Alexander Kristal präsentierten zunächst rund 200 Studierenden und Uniabsolventen sowie mehr als 200 Erwachsenen aus Downtown Chicago im Labor fiktive Szenarien. Unter anderem sollten sie sich vorstellen, dass ein guter Freund etwas täte, was sie sich eigentlich für sich selbst wünschten, etwa ein Haus zu kaufen oder eine lang ersehnte Reise anzutreten.

In einer weiteren Studie legten die Forscher im Februar täglich jeweils 100 Versuchspersonen online fiktive Valentinstagspläne vor, die sich um ein romantisches Date oder um gemeinsame Aktivitäten mit Freunden drehten. Stets wurde erfragt, wie sie sich bei der Vorstellung fühlten, ob sie neidisch waren und wie sehr sich davon inspiriert fühlten. Weitere 170 Probandinnen und Probanden antworteten darauf sowohl am Valentinstag als auch am vorangehenden und folgenden Tag.

Die Angaben der insgesamt mehr als 4000 Versuchspersonen legten nahe, dass die emotionale Reaktion von der zeitlichen Perspektive abhängt, aus der man das Glück von anderen betrachtet. Steht ein freudiges Ereignis noch bevor, ist der Neid auf einer 7-Punkte-Skala rund einen halben Punkt stärker als im Rückblick. Je näher beispielsweise der Valentinstag rückte, desto mehr beneideten die Probanden andere um einen bevorstehenden schönen Abend. Danach fielen die Gefühle abrupt ab; ein ungünstig ausfallender Vergleich schmerzte nun weniger. An der Intensität positiver Reaktionen ändere sich hingegen nichts: Das Gefühl, vom Glück anderer beflügelt oder inspiriert zu werden, bleibe in etwa gleich.

Den zeitlichen Blickwinkel zu verändern, könne beim Umgang mit Neidern helfen, schreiben die Autoren. Das sei auch für die Selbstdarstellung in den sozialen Medien relevant, wo täglich Millionen Menschen vorzugsweise ihre schönen Momente mit anderen teilen. Wenn die Likes der Freunde von Herzen kommen sollen, schwärmt man vom nächsten Urlaub also besser nicht schon beim Kofferpacken, sondern erst bei der Heimkehr.

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