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News: Die zwei Seiten von Vitamin C

Während die meisten Organismen über ihren Glucosestoffwechsel Vitamin C herzustellen vermögen, ist dem Menschen diese Fähigkeit im Laufe der Evolution abhanden gekommen. Dennoch ist die Substanz für unseren Körper unentbehrlich: Sie mischt bei einer Vielzahl biochemischer Abläufe mit und entwaffnet als Antioxidans hochaggressive freie Radikale, die Zellen und Gewebe angreifen. Aber dies ist nur die eine Seite der Medaille, denn Vitamin C trägt - wie die von ihm bekämpften reaktionsfreudigen Moleküle - selbst zur Entstehung erbgutschädigender Verbindungen mit bei.
Kontinuierlich bildet unser Körper instabile und hochreaktive Atome und Moleküle mit ungepaarten Elektronen. Diese so genannten freien Radikale spielen sowohl für die normalen Zellfunktionen als auch bei der Vernichtung von Fremdkörpern eine wichtige Rolle. Doch der Körper muss ihre Konzentration streng kontrollieren, denn die äußerst reaktionsfreudigen Verbindungen bedrohen ebenfalls gesunde Zellen: In aggressiver Weise entreißen sie das ihnen fehlende Elektron einem anderen Molekül, das dadurch selbst zu einem freien Radikal wird.

Antioxidantien schaffen hier Abhilfe: Sie wirken derartigen Kettenreaktionen entgegen, indem sie die gefährlichen freien Radikale entschärfen. Auch das wasserlösliche Vitamin C (Ascorbinsäure), das im menschlichen Körper vielfältigste Aufgaben erfüllt, hält als "Radikalfänger" die aggressiven Teilchen in Schach, die bei ihrer Jagd nach einem weiteren Elektron direkte Schäden am Erbgut hervorrufen können.

Zusätzlich gefährden die freien Radikale die DNA auch indirekt: Ihr Zerstörungswerk beginnen sie mit der Umwandlung von Leinölsäure, der mehrfach ungesättigten Fettsäure im menschlichen Plasma, in eine Verbindung namens Lipidhydroperoxid. Diese reagiert in Gegenwart von bestimmten Metallionen zu einem so genannten "Genotoxin" – einer Substanz, die krebsauslösende Mutationen an den DNA-Basen vornimmt.

Möglicherweise – so spekulierten Wissenschaftler – steht auch der Radikalbekämpfer Vitamin C den Lipidhydroperoxiden bei ihrer Verwandlung in Genotoxine hilfreich zur Seite. Um diesem Verdacht nachzugehen, fügten Ian Blair und seine Kollegen vom Center for Cancer Pharmacology an der University of Pennsylvania Lipidhydroperoxid-Lösungen Vitamin C hinzu. In ihren Laborversuchen setzten sie eine Konzentration ein, die der im menschlichen Körper entspricht – vorausgesetzt, eine Person nimmt täglich 200 Milligramm Ascorbinsäure zu sich.

Und die Vermutung der Forscher bestätigte sich: Vitamin C war mehr als doppelt so wirksam wie Metallionen, die Bildung von Genotoxinen auszulösen, darunter eine besonders bedrohliche Variante. Doch diese Studie – so warnt Blair – soll weder als Warnung aufgefasst werden, dass Ascorbinsäure Krebs verursacht, noch stellt sie eine ausgewogene, Vitamin-C-reiche Ernährung in Frage.

Vielmehr liefern die Ergebnisse eine mögliche Erklärung für das Phänomen, dass Vitamin C in klinischen Studien bislang wenig Erfolge im Kampf gegen Krebs zeigte. Im nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, ob Ascorbinsäure auch in lebenden Zellen bedeutende Mengen an Genotoxinen produziert und ob diese krebsauslösende Mutationen hervorrufen.

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