Direkt zum Inhalt
Toxikologie

Diese Schlange tötet einzigartig

Die Blaue Bauchdrüsenotter jagt eine spezielle und gefährliche Beute: andere Giftschlangen. Dafür verwendet sie ein unter Schlangen einzigartiges und hochwirksames Toxin.
Blaue Bauchdrüsenotter ist eine Giftschlange

Schlangenbisse, die innerhalb von Sekunden töten, gibt es nur in Hollywoodfilmen. Selbst bei den giftigsten Arten dauert es normalerweise mehrere Stunden, bis ihr Toxin letal wirkt – genug Zeit also, um ein Gegenmittel zu verabreichen, sofern dieses vorhanden und in Reichweite ist. Das gilt wahrscheinlich auch für die Blaue Bauchdrüsenotter (Calliophis bivirgata) aus Südostasien, mit der bislang nur sehr wenige menschliche Todesfälle in Verbindung stehen. Dabei besitzt die Art nicht nur eine der größten Giftdrüsen unter den Schlangen, sondern ebenso ein unter ihresgleichen einzigartiges Toxin, das die bevorzugte Beute sehr schnell kampfunfähig macht und tötet. "Die Blaue Bauchdrüsenotter ist der Killer der Killer", so Bryan Fry von der University of Queensland, der mit seinem Team das Gift der Tiere untersucht hat: Die Ottern jagen andere Giftschlangen wie Kobras und müssen deshalb ständig lebensgefährliche Gegenattacken ihrer Opfer fürchten.

Um diesen zu entgehen, bauen sie nicht nur auf eine große Giftproduktion – ihre Drüsen nehmen ein Viertel der gesamten Körperlänge ein. Sie injizieren ihrer Beute auch ein Toxin, das aggressiv das Nervensystem beeinflusst: Es sorgt dafür, dass sich die Natriumkanäle der Nervenzellen nicht mehr schließen können. Alle Neurone werden gleichzeitig aktiviert und feuern ununterbrochen. Dadurch verkrampft der Körper der Angegriffenen völlig, und die Beute wird bewegungsunfähig, selbst wenn sie noch nicht tot ist. "Mit einem ähnlichen Gift erledigen Kegelschnecken Fische, die sie erbeuten wollen. Diese werden gelähmt und können nicht mehr fliehen, so dass die relativ unbewegliche Schnecke sie an Ort und Stelle fressen kann. Wir zeigen erstmals, dass eine Schlange auf die gleiche Weise tötet", erklärt Fry die Entdeckung. Da bekanntlich die Dosis das Gift macht, könnte diese Arbeit bald möglicherweise medizinischen Nutzen haben, erklärt der Forscher. Das Gift beeinflusst spezifische Natriumkanäle; deshalb ließe sich daraus eventuell ein neuer Behandlungsansatz für Menschen mit chronischen Schmerzen entwickeln, hofft Fry.

46/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 46/2016

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

SciViews