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Neozoen: Dingos schützen seltene Beuteltiere

Ausgestorben wegen der Füchse: Mondnagelkänguru
Die Dingos (Canis lupus dingo) genannten australischen Wildhunde bewahren seltene Beuteltiere des Fünften Kontinents vor dem Aussterben: Die Beutegreifer halten eingeschleppte Füchse (Vulpes vulpes) und verwilderte Hauskatzen so weit in Schach, dass diese nicht zur Gefahr für kleinere Endemiten werden.

Nördliches Bürstenkänguru | Auch die Bestände des Nördliches Bürstenkängurus (Bettongia tropica) sind durch Fuchs und Katze bedroht, wo diese nicht durch Dingos in Schach gehalten werden.
In Regionen, wo die Dingos hingegen verfolgt werden oder schon ausgerottet wurden, nehmen die Bestände der beiden Neozoen deutlich zu, da ihnen nun der natürliche Feind fehlt. Als Folge üben sie einen hohen Verfolgungsdruck auf kleinere und mittlere Beuteltiere aus, die nach den Untersuchungen von Christopher Johnson von der James-Cook-Universität und seinen Kollegen deshalb lokal oder sogar gänzlich aussterben. Dies zeigt sich nach Angaben der Wissenschaftler ganz deutlich im Süden und Osten des Landes, wo die Dingobestände aufgrund des Verfolgungsdrucks durch Schafzüchter verschwunden oder stark ausgedünnt sind. In diesen Regionen verschwanden deutlich mehr kleinere Beuteltiere wie etwa Wallabys, während im Norden und Teilen des Zentrums mit guten Dingopopulationen die Situation deutlich entschärft ist.

Dingos – sie kamen erst vor 3500 bis 4000 Jahren wahrscheinlich mit Seefahrern nach Australien – sind heute die größten heimischen Beutegreifer des Landes, nachdem auf dem Festland der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) und der Beutelteufel (Sacophilus harrisii) ausgestorben sind. Sie werden stark von Viehzüchtern gejagt, da sie häufiger Schafe erbeuten und gelegentlich auch Kälber schlagen. Katzen und Füchse kommen dagegen erst seit knapp 200 Jahren in Australien vor und wurden von britischen Siedlern eingeschleppt. Viele der ausgerotteten oder gefährdeten Beuteltiere fielen ihnen zum Opfer, was mit zur Folge hatte, dass Australien mit 18 seit dem Beginn des 19. Jahrunderts verschwundenen Säugetierspezies weltweit den Spitznerang einnimmt.

Johnson und seine Kollegen empfehlen daher, den Dingo zumindest außerhalb der Kernschafzucht-Zonen zu schützen, um die Zahlen von Füchsen und Katzen, aber auch von Kaninchen in Grenzen zu halten. Möglich sei dies auch in Regionen mit Rinderzucht, obwohl die Wildhunde mitunter ebenso Kälber erbeuten. Allerdings schlagen sie ebenfalls verwilderte Ziegen und Schweine, die wiederum mit den Rindern um Ressourcen konkurrieren, sodass diese Kosten-Nutzen-Rechnung neben dem Erhalt der Biodiversität für den Dingo spricht.

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