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Dino-Debatte: Auch Pterosaurier trugen farbige Federn

Lange war umstritten, ob Flugsaurier Federn hatten. Ein neuer Fund klärt das nun. Demnach sind Federn 100 Millionen Jahre älter als gedacht  – und eine Anpassung an die Apokalypse.
Tupandactylus imperator, künstlerische Rekonstruktion.

Der Pterosaurier Tupandactylus imperator trug an seinem Kopfkamm einen Federschmuck, der wohl farbig war. Die Entdeckung stützt die Vermutung, dass Federn ursprünglich eine Signalfunktion hatten. Fachleute um Aude Cincotta vom University College Cork in Irland identifizierten die feinen Strukturen an einem rund 115 Millionen Jahre alten Fossil des Flugsauriers, das in Brasilien gefunden wurde. Wie das Team in »Nature« berichtet, enthalten die entdeckten Federn unterschiedlich geformte Pigmentkörnchen. Bei modernen Vögeln hängt die Form dieser Melanosomen mit ihrer Farbe zusammen. Das zeige, dass Farbe für die Funktion des Gefieders schon früh wichtig war, heißt es in einer Pressemitteilung des University College Cork.

Während seit Jahren klar ist, dass Dinosaurier Federn trugen, ist bisher unklar, ob auch die mit ihnen eng verwandten Pterosaurier gefiedert waren. Zum Fliegen nutzten sie Membranflügel, die je zwischen einem verlängerten Finger und der Körperseite aufgespannt waren. Ihre Körper waren allerdings von einer Art Pelz aus Filamenten bedeckt, die manche Fachleute als einfache Federn identifizierten – was aber umstritten ist. Die bei Tupandactylus imperator identifizierten Strukturen jedoch sind regelmäßig verzweigt und ähneln darin den Federn moderner Vögel, so dass es sich bei ihnen mit einiger Sicherheit tatsächlich um vergleichbare Strukturen handelt.

Der Flugsaurier hatte eine Flügelspannweite von etwa fünf Metern und vor allem einen für die Gattung Tupandactylus typischen Kopfkamm. Fachleute nehmen an, dass dieser bei einigen gut erhaltenen Fossilien mit farbigen Punkten und Mustern geschmückte Kamm eine Signalfunktion hatte.

Ähnlich wie Geweihe oder Prachtfedern bei heute lebenden Tieren dürften sie eine Rolle beim Paarungsverhalten gespielt haben. Die vom Team um Cincotta gefundenen Federn überzogen die Hinterseite des Kopfkamms bis zum Nacken. Deswegen gehen die Fachleute davon aus, dass sie zur Signalfunktion beitrugen. Die einfacheren Filamentfedern, die den Körper der Tiere bedeckten, isolierten das Tier wohl gegen Kälte.

Die Entdeckung deutet außerdem darauf hin, dass Federn bereits sehr früh in der Evolution auftauchten. Sie dürften in Ansätzen demnach schon bei den gemeinsamen Vorfahren von Dinosauriern und Pterosauriern vorhanden gewesen sein. Diese lebten in der frühen Trias vor rund 250 Millionen Jahren, was den Ursprung der Federn womöglich um rund 100 Millionen Jahre weiter in die Vergangenheit legt als bisher angenommen.

Mutmaßlich ähnelten die ersten Federn den einfachen Filamenten, aus denen der Pelz am Körper der Pterosaurier besteht. Das würde die Vermutung stützen, dass Federn ursprünglich als Wärmeisolation dienten. Der Zeitpunkt ihrer Entwicklung legt nahe, dass sie als Anpassung an die unwirtlichen Bedingungen entstanden, die auf der Erde nach dem »Großen Sterben« herrschten, bei dem vor 252 Millionen Jahren fast alle komplexen Lebewesen zu Grunde gingen.

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