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US-Raumfähre: Discovery erreicht ISS

Discovery von der ISS aus gesehen | Mit einem 800-Millimeter-Teleobjektiv gelang einem Besatzungsmitglied der ISS am 30. August 2009 dieses Bild der Discovery beim Ankoppeln des Leonardo-Transportmoduls. Der Nutzlastcontainer lässt sich durch die geöffneten Frachtraumklappen gut erkennen. Er dockt vorübergehend am Modul Unity an und fliegt dann mit dem Shuttle zurück zur Erde.
Der vierte Anlauf zum Start des Spaceshuttles Discovery war schließlich von Erfolg gekrönt. Am Samstag, dem 29. August 2009, um 5:59 Uhr MESZ hob die Raumfähre in Florida ab und dockte am frühen Sonntagmorgen an der Internationalen Raumstation an. An Bord des 128. Shuttleflugs befinden sich rund 14 Tonnen Geräte und Material für die ISS.

Der erste Startversuch am 25. August scheiterte an schlechtem Wetter. Danach machte ein defektes Treibstoffventil der NASA zwei mal einen Strich durch die Rechnung. Auch die beiden vergangenen Starts von Discovery und Endeavour verzögerten sich aufgrund von technischen Aussetzern mehrmals.

Ein anhaltendes Problem der vergangenen Flüge waren außerdem die bekannten Einschläge von gefrorenem Isolierschaum des externen Tanks am Hitzeschild des Gleiters. Seit diese im Jahr 2003 für den Verlust der Raumfähre Columbia beim Wiedereintritt verantwortlich waren, kontrolliert die Besatzung nach jedem Start gründlich die Außenhaut der Fähre mit Hilfe einer Kamerasonde. Auch bei diesem Flug der Discovery nahm diese Prozedur mehr als sechs Stunden in Anspruch. Bisher gab die NASA keine bedenklichen Funde bekannt.

Das Innere des Leonardo-MPLM | Der russische Kosmonaut Yuri Gidzenko schwebt im Inneren des Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Leonardo, bei dessen erstem Einsatz im März 2001. Die drei Frachtmodule Leonardo, Raffaello und Donatello dienen der NASA beim Transport von Kleinteilen zur ISS unter Atmosphärendruck. Sie passen genau in den Transporthangar der Spaceshuttles und docken per Roboterarm vorübergehend an das Modul Unity an. Danach nimmt das Shuttle die Module wieder mit zurück zur Erde.
Den größten Teil des Laderaums füllt bei dieser Mission das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) Leonardo aus. Die MPLM-Druckmodule dienen der NASA auf Shuttleflügen zum Transport von kleineren Geräten und Nachschubmaterial. Sie docken am Modul Unity an und kehren nach dem Entladen mit dem Shuttle zur Erde zurück. Auf dem Rückweg können sie so nicht länger benötigte Teile und Experimente tragen.

Neu auf die Station kommen bei diesem Flug unter anderem:
  • Eine Gefriereinheit für biologische Proben, um diese bei minus 80 Grad Celsius zu konservieren.
  • Zwei neue Experimentenracks für den Bereich Materialwissenschaften, mit denen sich das Auskristallisieren von Metallen und das Siedeverhalten verschiedener Flüssigkeiten in Schwerelosigkeit testen lässt.
  • Ein Laufband, das die Astronauten bei ihrem täglichen Training gegen den Muskelschwund unterstützen soll.
  • Neue Schlafracks für das amerikanische Modul Harmony.
  • Ein Luftaufbereiter für das US-Modul Tranquillity, das im Jahr 2010 die Station erreichen wird.
Bei insgesamt drei Außenbordmissionen tauschen die Astronauten unter anderem einen leeren Kühlmitteltank gegen einen rund 800 Kilogramm schweren vollen Tank aus.

Mit der siebenköpfigen Shuttle-Besatzung befinden sich nach dem Andocken erneut 13 Personen auf der ISS. Nicole Stott verbleibt auf der Station und löst Timothy Kopra als Bordingenieur ab, der gerade erst einen Monat zuvor mit der Endeavour auf die Station kam.

Für die Zeit nach der Rückkehr der Discovery, am 11. September, plant die NASA noch sechs weitere Shuttle-Flüge zur ISS, bevor die Raumfähren voraussichtlich im Jahr 2011 endgültig außer Dienst gestellt werden. Da somit jedoch eine mehrjährige Lücke bis zum Start der neuen Orion-Raumfähren entstehen würde, berät zurzeit bereits eine vom Weißen Haus einberufene Kommission über eine erneute Verlängerung des Shuttleprogramms.

Ralf Strobel

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