Psychosen: Von der Dissoziation in den Wahn

Bei einer Dissoziation erleben Menschen Gedanken oder Gefühle als »losgelöst« von sich selbst. Forschende aus Australien haben untersucht, wie diese Empfindungen mit Wahnvorstellungen bei Psychosen zusammenhängen.
Das Team um Jessica O’Connell von der University of Melbourne befragte 64 junge Menschen, die wegen einer beginnenden Psychose in Behandlung waren. Zwei Drittel berichteten von mindestens einer Wahnvorstellung, die dissoziative Inhalte enthielt. Am häufigsten spielte die sogenannte Kompartmentalisierung eine Rolle – dabei werden einzelne Gedanken oder Gefühle als abgespalten empfunden. Ein Teilnehmer etwa hatte die Vorstellung, dass »schlechte« Gedanken über den nahenden Tod von Freunden von jemandem in seinen Kopf gepflanzt würden.
In anderen Fällen stand das Gefühl von Losgelöstsein im Vordergrund. Betroffene erleben sich selbst dabei wie von außen oder wie in einem Film. So berichtete eine Person, dass sie davon überzeugt war, ihr Leben nur zu träumen, und sie es nicht schaffe, aufzuwachen.
Teilnehmer mit Wahnvorstellungen, die als dissoziativ eingestuft wurden, hatten deutlich häufiger die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung, etwa weil sie in der Kindheit körperlich oder sexuell missbraucht wurden. Bei früh auftretenden Psychosen solle routinemäßig nach dissoziativen Erfahrungen gefragt werden, so die Forschenden. Insbesondere wenn es in der Lebensgeschichte ein Trauma gebe, könne es auch der Therapie der Psychose zugutekommen, dieses zu bearbeiten. Spezielle Behandlungen, die Dissoziation vermindern sollen, könnten ebenfalls hilfreich sein.
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