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Oumuamua: Der interstellare Besucher ist doch ein Komet

Oumuamua, der im Herbst 2017 weltweit für großes Aufsehen sorgte, ist präzisen Messungen zufolge doch ein Komet und kein Asteroid.
Der interstellare Besucher 1I/'Oumuamua (künstlerische Darstellung)

Zuerst galt er als der erste interstellare Komet, dann als Asteroid, und nun ist er doch wohl wieder ein Komet – der interstellare Besucher 1I/’Oumuamua, der im Herbst 2017 weltweit für großes Aufsehen sorgte. Die neuerliche Einstufung als sehr schwach aktiver Komet erfolgte anhand präziser Vermessungen seiner hyperbolischen Bahn um die Sonne, die 1I innerhalb weniger Monate wieder in die Tiefen des Weltraums beförderte. Ein Forscherteam um Marco Micheli von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA im italienischen Frascati wertete dazu rund 200 Positionsbestimmungen von 1I aus und stellte fest, dass dieser sich nicht auf einer Bahn bewegt, die nur von der kombinierten Schwerkraft der Sonne und ihrer Planeten bestimmt wird.

Der interstellare Besucher ist ein Komet (künstlerische Darstellung)
Der interstellare Besucher ist ein Komet | Der interstellare Besucher 1I/’Oumuamua ist doch ein Komet, wie präzise Untersuchungen seiner Bahn durch das Sonnensystem ergaben. Schwache Gasfreisetzungen wie auf dieser künstlerischen Darstellung sorgen wie schwache Raketentriebwerke dafür, dass sich die Bahn von 1I ändert.

Stattdessen fiel die Geschwindigkeit von 1I mit zunehmendem Abstand zur Sonne nicht so rasch ab wie erwartet und der kleine Himmelskörper befand sich auch nicht exakt dort, wo ihn die Bahnberechnungen vorhersagten. Daher gehen die Forscher um Micheli davon aus, dass 1I geringe Mengen an Gas und Staub freisetzt, die beim Ausströmen aus dem Inneren die Bewegung des Himmelskörpers wie schwache Raketentriebwerke beeinflussen. Zwar wurden keinerlei solche Gasaustritte bei 1I direkt beobachtet, auch mit dem Weltraumteleskop Hubble nicht, was kurz nach der Entdeckung von 1I dazu führte, den Himmelskörper als einen inaktiven Asteroiden aus Gestein und Metall einzustufen.

Das Team konnte andere Effekte wie Strahlungsdruck oder Wechselwirkungen mit dem Sonnenwind und dessen Magnetfeld ausschließen – auch eine Kollision mit einem kleinen Objekt im Sonnensystem schied aus. Somit bleibt nur noch die Erklärung, dass sich im Inneren von 1I wohl doch eine gewisse Menge an leicht flüchtigen Substanzen befindet. Am wahrscheinlichsten sind dabei gefrorenes Kohlendioxid und Wasser. Möglicherweise wird sich nie klären lassen, was 1I tatsächlich war, denn der Himmelskörper hat sich schon wieder weit aus der Reichweite unserer Teleskope entfernt.

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