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News: Doch kein Planet...

Zunächst waren die Forscher enttäuscht, denn einer ihrer untersuchten Sterne wird wohl doch nicht, wie lange vermutet, von einem Planeten umkreist. Dessen Existenz wurde nur durch Sonnenflecken vorgegaukelt. Und das macht den Stern nun wiederum zu etwas Besonderem.
Seit der ersten Entdeckung eines extrasolaren Planeten im Oktober 1995 durch Didier Queloz und Michel Mayor sind außerhalb unseres Sonnensystems über 70 Planeten bekannt geworden. Diese sind jedoch nur indirekt beobachtbar und offenbaren sich durch ihre gravitativen Wechselwirkungen mit ihren Heimatsternen.

Denn ein Planet zieht sein Zentralgestirn mit der gleichen Kraft an, mit der dieses an ihm zerrt. Dadurch umkreisen die beiden einen gemeinsamen Schwerpunkt – wie zwei unterschiedliche Gewichte auf einer Hantel. Infolge der Kreisbahn bewegt sich der Stern periodisch auf die Erde zu und von ihr weg, und die Lichtwellen werden zuerst zusammengestaucht und dann auseinander gezogen. Das Spektrum verschiebt sich deshalb zuerst ins blaue und dann ins rote Licht, genau wie beim akustischen Dopplereffekt: Die Sirene eines vorbeifahrenden Krankenwagen erklingt erst hoch und dann tief.

Mit Hilfe der Farbschwankungen im Lichtspektrum untersuchten Didier Queloz und andere Astronomen des Observatoire de Genève 1997 den im Sternbild Herkules gelegenen Stern HD166435. Da dieser, etwa 80 Lichtjahre entfernte Stern eben jene Spektralverschiebungen zeigte, wollten die Wissenschaftler ihre Entdeckung eines Jupiter-großen Planeten schon auf einer Tagung bekannt geben, als Greg Henry von der Tennessee State University bemerkte, dass die Helligkeit von HD 166435 in einem 3,8 Tagesrhythmus schwankte. Und mit genau der gleichen Periode verschob sich auch das Lichtspektrum.

Also führten die Wissenschaftler zusätzliche Untersuchungen durch und erkannten, dass der Stern wider Erwarten jung und sehr aktiv war, und dass dunkle Sonnenflecken Teile seiner Oberfläche bedeckten. Auch unsere Sonne besitzt solche Flecken, die für ungefähr elf Tage erscheinen und Folge des Magnetfelds sind.

Die Flecken auf HD166435 sind dagegen viel langlebiger: Sie blieben während der Beobachtungszeit von 21 Tagen stabil und tauchten bei späteren Messungen immer an den gleichen Stellen der Sternoberfläche auf. Die Astronomen gehen deshalb davon aus, dass es sich dabei um die gleichen Flecken handelt und diese wohl mehrere Jahre bestehen. Aufgrund der Rotation des Sterns und dieser ungewöhnlich stabilen, dunklen Flecken ergibt sich in der Spektralanalyse ein Muster, wie es auch von einem Planeten hervorgerufen würde.

Die Forscher vermuten deshalb, dass das Magnetfeld von HD164435 über mehrere Jahre stabil ist. Das wäre nicht einzigartig, aber doch sehr ungewöhnlich, und die Wissenschaftler haben noch keine befriedigende Erklärung dafür. Allerdings gehen sie davon aus, dass alle übrigen bislang entdeckten Planeten "echt" sind, und nicht auf ähnlichen Täuschungen beruhen.

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