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Zooarchäologie: Doch keine Haustiere in Çatal Hüyük?

Im Gegensatz zu früheren Annahmen scheinen die Bewohner der Steinzeit-Siedlung Çatal Hüyük in der heutigen Türkei doch keine Rinder domestiziert zu haben. Die etwa 9000 Jahre alten, dort gefundenen Knochen galten lange Zeit als ältester Nachweis für die Domestikation des Rinds.

Çatal Hüyük, etwa 40 Kilometer südöstlich der heutigen Stadt Konya gelegen, wurde Ende der 1950er Jahre entdeckt. Die Ausgrabungen in den 1960er Jahren gaben tausende dicht gedrängter Häuser einer neolithische Siedlung frei, in der schätzungweise 5000 bis 6000 Menschen gelebt hatten. Ungewöhnlicherweise gab es in der Siedlung keine Straßen und Plätze, die fenster- und türlosen Häuser waren nur über das Dach zugänglich.

Neben zahlreichen Skulpturen und Wandmalereien traten auch Rinderknochen zu Tage. Auf Grund ihrer ungewöhnlichen Kleinheit deutete 1969 der Zooarchäologe Dexter Perkins die Knochen als Überreste von Hausrindern.

Dieser Interpretation widerspricht jetzt Nerissa Russell von der Cornell-Universität. Zusammen mit anderen Archäologen hat die Anthropologin 4321 Knochenteile erneut untersucht. Dabei berücksichtigten die Forscher nicht nur die Größe, sondern auch die Verteilung von Geschlecht und Alter der Tiere. Ihre Schlussfolgerung: Es handelt sich um Wildtiere. Zumindest in den ersten Dreivierteln der 1200-jährigen Siedlungsgeschichte seien keine Haustiere nachweisbar.

Warum die Bewohner von Çatal Hüyük keine Rinder züchteten, bleibt rätselhaft. Auf der nicht weit entfernten Insel Zypern wurden vermutlich bereits vor mehr als 10 000 Jahren Rinder als Haustiere gehalten.

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