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News: Doch nur ein toter Stein?

Nur weniges fasziniert Menschen mehr als die Vorstellung von fremden Lebensformen auf anderen Himmelskörpern. Als die NASA mit der Nachricht, im Marsmeteoriten ALH84001 seien Spuren primitiven Lebens gefunden worden, an die Öffentlichkeit trat, war das Interesse entsprechend groß. Doch aus den Reihen der Wissenschaftler wurden immer wieder Zweifel angemeldet. Nun hat ein Forscherteam den Meteoriten nochmals mit der gleichen Methode wie die NASA untersucht und kam zu dem Schluß: Das sind (vermutlich) keine Spuren von Leben.
Ralph Harvey vom Department of Geological Sciences der Case Western Research University, John Bradley von der School of Material Science and Engineering des Georgia Institute of Technology und Hap McSween von der University of Tennessee berichten in Nature vom 4. Dezember über ihre Ergebnisse. Im gleichen Heft haben die Wissenschaftler vom Johnson Space Center und der Stanford University, die damals Lebensformen auf dem Meteoriten ALH84001 entdeckt haben wollen (siehe Spektrum der Wissenschaft Online), Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

Schon letztes Jahr haben Harvey und seine Kollegen die Ansicht vertreten, daß die „Nanofossilien” auf dem Gesteinsbrocken nicht durch biologische Prozesse gebildet wurden, sondern auf einen geologischen Ursprung zurückzuführen seien. Mit einem Transmissions-Elektronenmikroskop (TEM) identifizierten sie fädige Magnetite an oder auf der Oberfläche des Meteoriten als anorganische Strukturen, die zwar ähnlich aussehen wie Bakterien, in Wirklichkeit aber nichts mit lebenden Zellen zu tun haben.

In den letzten sechs Monaten betrachtete das Team die vermeintlichen „Nanofossilien” mit einem hochentwickelten Feldemissionselektronenmikroskop, dem gleichen Instrument, mit dem die Strukturen entdeckt worden waren. Harvey und seine Kollegen fanden auch tatsächlich die beschriebenen Gebilde. Doch wenn sie das Präparat drehten und unter einem anderen Winkel betrachteten, sah es viel weniger spektakulär aus. Die „Fossilien” entpuppten sich als Randstücke der Schichten, aus denen das Mineral aufgebaut ist.

„Im Nanometerbereich ist die Oberfläche sehr unregelmäßig, mit hervorstehenden Lamellen, die der Hauptbruchrichtung des Substrates folgen”, beschreibt Bradley. „Die sonderbaren Oberflächenstrukturen oder Segmentierungen der wurmartigen Formen sind Artefakte der Behandlung mit leitenden Metallen, damit die Proben im Elektronenmikroskop untersucht werden können. Dies ist nicht das erste Mal, daß die Metallbeschichtung dazu geführt hat, daß falsche Nanofossilien in Gestein gefunden wurden.”

Wurmartige Minerallamellen sind regelmäßig an den Bruchkanten von Kristallen zu finden. Auch Mondsteine, die mit Sicherheit keine Anzeichen von Leben beherbergen, enthalten derartige Gebilde.

David McKay vom Johnson Space Center, einer der Entdecker der „Marsfossilien” ist jedoch nicht überzeugt. Seiner Meinung nach waren die Mineralstrukturen in der neuen Studie zu klein und zu geordnet, um mit den wurmartigen Formen, die er als Fossilien ansieht, verglichen zu werden. Doch Bradley hält dagegen: „Wir haben jetzt zwei verschiedene Typen von mineralischen Formen in ALH84001 gefunden, die wie Nanofossilien aussehen. Aber sie sind rein nicht-biologischen Ursprungs. Manchmal hat sogar die Natur eine seltsame Art von Humor.”

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